Flossenbürg
31.10.2018 - 10:38 Uhr

Versöhnung führt zu Partnerschaft

Viel Verkehr in Richtung Belgien und zurück: In drei Kleinbussen machen sich 27 Flossenbürger auf den Weg ins belgische Wervik. Dort besiegeln sie die Städtepartnerschaft zwischen beiden Kommunen.

Eine belgisch-deutsche Freundschaft bekommt eine offizielle Basis. Seit dem Wochenende gibt es eine Städtepartnerschaft zwischen Wervik und Flossenbürg. Bild: nm
Eine belgisch-deutsche Freundschaft bekommt eine offizielle Basis. Seit dem Wochenende gibt es eine Städtepartnerschaft zwischen Wervik und Flossenbürg.

Anfang Mai fiel im Flossenbürger Gemeinderat die Entscheidung, die Jahrzehnte zurückreichenden Verbindungen auf offizielle Beine zu stellen. Der Anstoß kam aus Wervik. Bürgermeister Youro Casier und das Flossenbürger Gemeindeoberhaupt Thomas Meiler hatten sich einige Wochen zuvor zu vorbereitenden Gesprächen für die Verbindung über Ländergrenzen hinweg getroffen.

Dem Beschluss zur Städtepartnerschaft folgten am Wochenende Taten. Am Freitag machte sich die Flossenbürger Delegation auf die gut 900 Kilometer lange und zehn Stunden dauernde Reise. Zurück ging es am Montag, nach einem von den Freunden auf die Beine gestellten Programm, das begeisterte. Die Tage waren anstrengend, aber interessant und spannend.

Wichtige Beiträge zum Ablauf bereitete Yves Durnez vor. Er hat im ehemaligen KZ Flossenbürg zwei Onkel verloren. Sein Vater Marcel Durnez überlebte die Haft im Lager nur knapp. Über Jahrzehnte hinweg brachte und bringt sich die Gruppe aus Belgien in die Gedenkstättenarbeit ein.

Daraus entwickelten sich nicht nur intensive Kontakte, sondern Freundschaften. Durnez trägt dazu unermüdlich bei, beispielsweise mit häufigen Besuchen in der nördlichen Oberpfalz. Details zur bisherigen Entwicklung ließen sich beim Festakt im Rathaus der flämischen 17600-Einwohner-Stadt erfahren.

Bei dem Empfang verwiesen Casier und Meiler übereinstimmend auf das gute Verhältnis: „Wir wollen nicht stehenbleiben.“ Es gelte Zeichen für die Zukunft zu setzen und eine Partnerschaft aufzubauen. Die dürfe nicht statisch sein, sondern müsse die Chance bekommen, sich fortwährend weiterzuentwickeln. Das gelte für gemeinsame Projekte, für die Auseinandersetzung mit der Geschichte oder das Miteinander von Bürgern, Vereinen und weiteren Organisationen.

„Heute legen wir den Grundstein einer Partnerschaft, die auch noch unsere Kinder und Enkel hochhalten sollen“, betonten die beiden Bürgermeister. Für die Stellungnahmen gab es viel Applaus von Seiten der Vertreter beider Kommunen und der weiteren Gäste. Bei der Feierstunde waren auch Überlebende des Naziterrors und deren Angehörige dabei. Beeindruckt zeigten sich Gedenkstättenleiter Leiter der KZ-Gedenkstätte Dr. Jörg Skriebeleit und der Vorsitzende des Fördervereins, der Sulzbach-Rosenberger Dekan Karlhermann Schötz.

Bei offiziellen Ansprachen und beim Eintrag in das Goldene Buch blieb es nicht. Die Bürgermeister tauschten Geschenke aus, die an das denkwürdige Ereignis erinnern sollen. Mitgebracht hatten die Flossenbürger zudem einige Kisten mit Bier aus der Region. Die Belgier ließen es sich schmecken und kommentierte den Gerstensaft mit einem Augenzwinkern: „Wir haben das bessere Bier. Dafür habt ihr den schöneren Bürgermeister.“

Heute legen wir den Grundstein einer Partnerschaft, die auch noch unsere Kinder und Enkel hochhalten sollen.

Youro Casier und Thomas Meiler

Erinnerungsgeschenke tauschten die Bürgermeister Youro Casier und Thomas Meiler aus. Mit dabei war Yves Durnez (von links), von dem wesentliche Impulse für die Städtepartnerschaft ausgingen. Bild: nm
Erinnerungsgeschenke tauschten die Bürgermeister Youro Casier und Thomas Meiler aus. Mit dabei war Yves Durnez (von links), von dem wesentliche Impulse für die Städtepartnerschaft ausgingen.
 
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