06.02.2020 - 05:29 Uhr
Fockenfeld bei KonnersreuthOberpfalz

Das kleinste Gymnasium Bayerns schließt

Sechs Schüler legen im Gymnasium Fockenfeld bei Konnersreuth im Landkreis Tirschenreuth im Frühjahr noch ihre Abiturprüfungen ab, danach gehen in der Schule endgültig die Lichter aus. Bayerns kleinstes Gymnasium schließt.

von Agentur DPAProfil

In der letzten Reihe sitzen und unauffällig schlafen - das ist für die Schüler im Gymnasium Fockenfeld unmöglich. Nur noch sechs junge Männer besuchen die Schule in Konnersreuth. Da hat der Lehrer im Klassenzimmer wirklich jeden im Blick. Die schwindende Schülerzahl ist einer der Gründe, weshalb das Spätberufenenseminar zum Schuljahresende schließt. Personalmangel und ein erheblicher Sanierungsbedarf trugen zu der Entscheidung bei, wie Seminarleiter Bruder Markus Adelt sagt. Träger des Internates ist die Ordensprovinz der Oblaten des heiligen Franz von Sales.

Der Klosterkomplex hat schier zahllose Räume, Flure, Treppenhäuser und eine Kirche. Das Gebäude steht inzwischen aber weitgehend leer. Einige der verbliebenen acht Brüder der Ordensprovinz leben hier noch. Und die sechs Schüler bewohnen ihre Internatszimmer. Statt im großen Speisesaal essen sie in der Küche, einige Freizeiträume sind noch in Betrieb - und ein einziges Klassenzimmer.

Das liegt gleich neben dem Direktorat von Schulleiter Albert Bauer. Der Mathe- und Physiklehrer hat seine Schränke zum Teil schon leergeräumt. Denn während die Schüler noch für die Abiturprüfungen lernen und im Sommer ihre Abschlusszeugnisse entgegennehmen wollen, hat Bauer schon zum Schulhalbjahr seinen letzten Tag in Fockenfeld. Er fängt dann als Schulleiter am Stiftland-Gymnasium in Tirschenreuth an. Sein dortiger Vorgänger, der in Ruhestand geht, übernimmt noch bis zum Sommer den Mathe- und Physikunterricht von Bauer in Fockenfeld, so dass die Abiturienten keinen Lehrstoff versäumen.

Mehr über die Hintergründe der Schließung der Spätberufenenschule

Kleine Gruppe hat Vorteile

Es herrscht ein wenig Endzeitstimmung in der Schule, die Laune von Schülern und Lehrern ist deswegen jedoch nicht getrübt. Die Abiturienten sehen in der kleinen Gruppe vor allem Vorteile. "Man muss schon mehr mitarbeiten", sagt Raphael Steinhofer (23), der aus der Nähe von Passau stammt. Jedoch bekomme man im Unterricht mehr mit und die Lehrer könnten besser auf die Schüler eingehen. So sieht das auch Rektor Bauer. Als Lehrer lerne man die Schüler viel schneller kennen. "Nicht nur mit dem Namen, sondern auch von ihrem Wesen her." Das seien beste Voraussetzungen für das schulische Arbeiten gewesen.

Die Atmosphäre in dem Internat sei familiär, sagen die Schüler. Und auch die Abgeschiedenheit störe sie nicht. Man brauche eben ein Auto, um ab und zu nach Tirschenreuth oder Weiden fahren zu können. Der Tagesablauf ist internatsmäßig durchgeplant, wie Alexander Arnstadt schildert. Jeden Morgen freiwillige Teilnahme an einer Messe, einmal wöchentlich verpflichtend eine Abendmesse, ansonsten gemeinsames Frühstück und Mittagessen, fakultativ auch Abendessen. Nachmittags Unterricht oder Freizeit. Der 19-Jährige aus der Nähe von Chemnitz will nach dem Abitur eine Kfz-Ausbildung machen, sein Mitschüler Steinhofer plant ein Theologiestudium.

Konzerte, Kinobesuche, Lagerfeuerabende

Neben dem Unterricht sei das Miteinander immer wichtig gewesen, sagt Bruder Markus. Fahrten in Konzerte und ins Theater, Skifreizeiten, Lagerfeuerabende und Kinobesuche gehörten ebenso dazu wie Tisch- und Altpapierdienst, Messner- und Ministrantendienst. "Das ist kein Hotel, hier müssen alle zusammen helfen." Vor zwei Jahren gab die Ordensprovinz bekannt, das Gymnasium schließen zu wollen. So ist der Seminarleiter nun in gewisser Weise auch froh, dass es bald vorbei ist. "Irgendwann muss dann Schluss sein." Wie es für ihn selber weitergeht, weiß der 50-Jährige noch nicht.

Nicht nur rückläufige Schülerzahlen führten zum Aus, wie Bruder Markus sagt. Es gebe auch immer weniger Mitbrüder - wie in anderen Klöstern auch - und somit zu wenig Personal. Zurzeit würden die Schüler unter anderem von pensionierten Lehrern unterrichtet, das Fach Latein zum Beispiel habe ein 83-jähriger Mitbruder übernommen. Externes Personal anzustellen wäre schlichtweg zu teuer.

Ein dritter Grund sei der Zustand des Gebäudes, der bei fortlaufendem Schulbetrieb eine Generalsanierung erforderlich machen würde, sagt der Seminarleiter. Nun will die Ordensprovinz den riesigen Gebäudekomplex verkaufen - am liebsten für eine caritative Nutzung.

Schule seit 1955 in Konnersreuth

Die Spätberufenenschule wurde 1946 in Eichstätt gegründet, um Kriegsheimkehrern den Weg zum Abitur zu ermöglichen. Seit 1955 ist sie in Konnersreuth angesiedelt. Sie bot Unterricht ab der 10. Jahrgangsstufe an. Die Schüler hatten in der Regel bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung oder einen Haupt- beziehungsweise Realschulabschluss. Zuletzt war die Einrichtung das kleinste Gymnasium im Freistaat, wie auch das Kultusministerium mitteilt. Die Fockenfelder gehen gar davon aus, das kleinste Gymnasium Deutschlands zu sein. Am 25. April veranstaltet die Schule ein Abschlussfest und hofft auf den Besuch zahlreicher Absolventen.

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