31.03.2021 - 13:43 Uhr
Fockenfeld bei KonnersreuthOberpfalz

Vier Kommunen erwerben Gut Fockenfeld

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Von den vorbereitenden Gesprächen bekam kaum jemand etwas mit. Nun aber ist es raus: Das Kloster Fockenfeld mit dem Schloss und rund 100 Hektar Grund im Umgriff hat den Eigentümer gewechselt.

Pater Benedikt Leitmayr an der Zufahrt zum Haus Fockenfeld. Das Schloss mit der ehemaligen Spätberufenenschule und insgesamt rund 100 Hektar Land ist inzwischen an die Kommunen Mitterteich, Waldsassen, Wiesau und Konnersreuth verkauft.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Seit Montag ist der Deal perfekt: "Wir haben das Gut Fockenfeld gekauft, mit dem Schloss und allen Ländereien", bestätigt Waldsassens Bürgermeister Bernd Sommer auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. Neue Eigentümer sind die Nachbarstädte Waldsassen und Mitterteich sowie die Gemeinden Wiesau und Konnersreuth. "Alle Partner sind zufrieden", erklärt Sommer. Er hatte den Verkauf federführend vorbereitet. Nichts zu erfahren ist über den Kaufpreis.

Zum Notartermin trafen sich die Beteiligten im großen Sitzungssaal des Rathauses Waldsassen. Dort ließen sich von den Beteiligten auch die Hygiene- und Abstandsregeln in der Corona-Pandemie ohne Probleme einhalten. Die Vertreter der Gemeinden setzten die Unterschriften unter das Vertragswerk – für die Stadt Waldsassen Bürgermeister Bernd Sommer, für die Stadt Mitterteich Bürgermeister Stefan Grillmeier, für die Marktgemeinde Wiesau Bürgermeister Toni Dutz und für den Markt Konnersreuth Zweiter Bürgermeister Stefan Siller.

Vollmacht für Pater Benedikt

Die Ordensgemeinschaft der Oblaten des Heiligen Franz von Sales vertrat bei der Vertragsunterzeichnung Pater Benedikt Leitmayr: Der Seelsorger in Konnersreuth war mit allen nötigen Vollmachten ausgestattet worden. Pater Provinzial Thoms Vanek durfte wegen der Corona-Pandemie nicht von Wien anreisen; als Verkäufer im Vertrag ist der Ordenssitz in Eichstätt eingetragen. Mit dabei waren auch Vertreter des Maklerbüros in Köln. "Sehr angenehme Partner", erklärt Sommer über die Vermittler, die sich auf den Verkauf von Liegenschaften von Kirchen und Orden spezialisiert haben.

"Es sind halt doch 40 Jahre meiner Lebensgeschichte."

Pater Benedikt Leitmayr über Erleichterung und Wehmut nach dem Verkauf von Fockenfeld

Zwischen Wehmut und Erleichterung – so beschreibt Pater Benedikt seine Stimmungslage. "Es sind halt doch 40 Jahre meiner Lebensgeschichte", so der Ordensmann über seine bisherige Zeit im Stiftland. Es unterstreicht die Zusage der Ordensoberen, dass die drei Patres auch weiterhin hier bleiben können. "Wir betreuen auch die Kapelle weiter", so Pater Benedikt und erzählt, dass die Sonntaggottesdienste von treuen Besuchern geschätzt werden.

Erste Gespräche bereits 2011

Schon lange vor der Schließung der Spätberufenenschule vergangenes Jahr hatte der Orden versucht, für das Domizil mit dem Schloss samt Umgriff und Abteikirche einen Käufer zu finden. Erste Gespräch, so Pater Benedikt, hatte es bereits 2011 gegeben, als die Schülerzahl massiv zurückging. Auch Äbtissin Laetitia und Generalvikar Michael Fuchs waren lange Zeit mit eingebunden.

"Wir haben gesagt, da steigen wir ein", erzählt Bürgermeister Sommer vom Interesse der Kommunen. Sie hatten sich beim Orden um ein Vorkaufsrecht beworben. Anfangs im Boot war noch Tirschenreuth, die Kreisstadt sprang aber wieder ab. Nicht in falsche Händen geraten sollte der frühere Sommersitz der Waldsassener Äbte, so Sommer. Damit meint der Bürgermeister private Investoren, die nur an den überwiegend landwirtschaftlich genutzten Feldern interessiert seien und das Schloss verfallen lassen würden.

Ausgleichsflächen

"Aber wir werden uns jetzt nicht gemeinsam einen Fendt kaufen und unsere Felder bestellen", meint Sommer augenzwinkernd. Die etwa 100 Hektar Land rund um Schloss Fockenfeld brauchen die Gemeinden als Ausgleichsflächen bei der Erschließung von Bauland oder als Tauschgrundstücke.

"Wir werden uns jetzt nicht gemeinsam einen Fendt kaufen und unsere Felder bestellen."

Bürgermeister Bernd Sommer über sich und seine drei Amtskollegen

Am Betrieb in Fockenfeld selbst ändere sich nach dem Eigentümerwechsel nichts. Dort weiterhin wohnen werden die noch verbliebenen Patres Friedhelm Czinczoll, John Gali und Benedikt Leitmayr, die als Seelsorger in der Region tätig sind. Auch der Hausmeister wird von der Eigentümergemeinschaft mit übernommen, deren Geschäftsführung im Waldsassener Rathaus angesiedelt ist. "Die Kommunen sind jetzt Eigentümer einer Kapelle", erklärt Sommer. Diese bleibe auch als solche erhalten.

Ohne Eile zur vernünftigen Lösung

Was mit dem Schloss und der ehemaligen Schule geschehen soll? "Was Gutes", antwortet Sommer. Die Kommunen selbst hätten dafür keine Verwendung. Deshalb steht fest, dass die neuen Eigentümer die Immobilie weiterverkaufen werden: Der Preis in Verbindung mit einem Nutzungskonzept werde ausschlaggebend sein für einen Zuschlag, ähnlich wie beim Krankenhaus Waldsassen. Bis es so weit ist, werden die Gemeinden das Gebäude wie bisher bewirtschaften.

"Die Zeit nehmen wir uns", kündigt Sommer an. Denn es könnte schon einige Jährchen dauern, bis eine vernünftige Lösung gefunden ist. Möglichkeiten gebe es viele – von Bildungseinrichtungen über Häuser zur Gesundheitsförderung bis hin zur Siedlung mit neuem Wohnraum. In der Vergangenheit machten auch Meldungen die Runde, wonach ehemalige Schüler in Fockenfeld groß einsteigen. So hieß es etwa vor einiger Zeit, dass ein Mediziner das ehemalige Gymnasium zur Klinik umbauen würde. "Es gab spannende Interessenten, aber keinen Investor", fasst Sommer zusammen.

Als Paradebeispiel für die Zusammenarbeit von mehreren Kommunen bezeichnet Toni Dutz den Erwerb von Schloss Fockenfeld. "Das ist kein Geheimnis: Ich brauche Flächen", hat der Wiesauer Bürgermeister vor allem das Interkommunale Gewerbegebiet im Blick.

Konnersreuth mit kleinstem Anteil

"Es war unser gemeinsames Ziel, Fockenfeld zu erhalten", erklärt Stefan Siller, derzeit amtierender Chef im Rathaus Konnersreuth. Der Markt alleine wäre dazu nicht in der Lage, so der Zweite Bürgermeister. Im Zusammenhang mit dem Weiterverkauf des Schlosses sei eine Trägerschaft durch die vier Kommunen besser planbar für Investoren. Die Kommune, auf deren Gemeindegebiet Fockenfeld liegt, ist mit dem geringsten Anteil an dem Kauf beteiligt.

Mit 37 Prozent den größten Anteil der verfügbaren Flächen gesichert hat sich die Stadt Mitterteich. "Es ist eine gute und vernünftige Lösung, dass das im Kollektiv der Kommunen passiert", ist Bürgermeister Stefan Grillmeier froh. "Und Miteigentümer eines Schlosses zu sein, ist schon etwas ganz Besonderes. Der Schulterschluss der Kommunen sei vernünftig. "Alleine wäre das nicht zu schaffen gewesen." Grillmeier stellt dabei vor allem die Arbeit von Bernd Sommer heraus. Der Bürgermeister der Nachbarstadt Waldsassen habe sich federführend des Themas angenommen.

Dass Tirschenreuth nicht mehr im Boot sei, liege vor allem an der Entfernung von Feldern, die als Tauschflächen beim Erwerb von Immobilien vor Ort in Frage kämen, erklärt Grillmeier. Näher liegende Kommunen könnten dagegen diese Flächen nun veredeln in Gewerbegebiete. "Wann bekommt man schon 90 Hektar zusammenhängende Grundstücke?"

Die Stadt Mitterteich hat großen Bedarf an Ausgleichsflächen

Mitterteich
Hintergrund:

Stadt Mitterteich mit dem größten Anteil

Über den Kaufpreis von Gut Fockenfeld ist nichts zu erfahren. Stillschweigen hätten die Beteiligten vereinbart, heißt es auf Nachfrage. Anhand der Ansätze in den Haushaltsplänen der Kommunen lässt sich aber grob erahnen, um welche Größenordnung es sich handelt.

  • Im Anfang dieser Woche verabschiedeten Haushalt der Stadt Mitterteich sind insgesamt 2,6 Millionen Euro für Grundstücksankäufe eingeplant. Der größte Teil davon entfällt auf Fockenfeld, wie es heißt.
  • Der Markt Wiesau hat im Haushaltsentwurf, über den noch zu beraten und der noch zu verabschieden ist, dafür rund 2,0 Millionen Euro vorgesehen.
  • 1,2 Millionen Euro für den Erwerb des Klosters Fockenfeld sind im Haushalt der Stadt Waldsassen eingestellt.
  • Im Rathaus Konnersreuth war nicht zu erfahren, wie viel für den Kauf von Fockenfeld eingeplant ist. Markus Troesch von der Verwaltung konnte vor den Beratungen in den Gremien die Summe nicht öffentlich nennen. Der Haushaltsentwurf wird laut Angaben Anfang Mai erstellt.
  • 65 Jahre lang prägte die Spätberufenenschule St. Josef junge Männer, die im Stiftland ihr Abitur erwarben. Etwa 400 Priester und viele andere Berufe – darunter Lehrer, Ärzte und Politiker – brachte Fockenfeld hervor. Am 18. Juli 2020 markierte die letzte Abiturfeier das Ende des bis dahin kleinsten Gymnasiums in Bayern.
Das Eingangsportal von Schloss Fockenfeld. Für den früheren Sommersitz der Waldsassener Äbte soll mittelfristig ein Investor gefunden werden.

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