Die große Party muss noch warten

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"Goldene Zeiten" stehen Františkovy Lázně (Franzensbad) sprichwörtlich bevor. Auch wenn Corona die Verwirklichung der Vision verzögert: Bürgermeister Jan Kuchař ist guter Dinge, dass seine Stadt bald Unesco-Weltkulturerbe wird.

Das historische Stadtzentrum von Franzensbad ist seit 1992 städtisches Denkmalschutzgebiet. Zusammen mit zehn weiteren Kurorten in Europa will die Stadt Unesco-Welterbe werden.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Die feierliche Enthüllung der Hinweisschilder am Ortseingang, geplant bei einem Festival im Juli, muss noch etwas warten. Doch viele Jahre sollte es bis dahin nicht mehr dauern. Das Stadtoberhaupt im Rathaus rechnet im Gespräch mit Oberpfalz-Medien nicht mehr mit langen Zeitspannen wie etwa bei den Nachbarn in Waldsassen: Dort wird im Moment daran gearbeitet, dass die Klosterlandschaften in einem europäischen Verbund in die Welterbeliste aufgenommen werden. Dennoch könnte auch die bayerische Grenzregion bald profitieren von dem Bemühen der Nachbarn.

"Candidate for World Heritage (Unesco)" – so heißt es auf der Visitenkarte von Jan Kuchař als Hinweis auf Franzensbad als eines bedeutenden europäischen Bäder des 19. Jahrhunderts. "Eigentlich sollte ich im Flugzeug nach China sitzen", erzählt das Stadtoberhaupt und ist etwas bedrückt, weil Corona die Planung negativ beeinflusst hat. Bei der 44. Sitzung des Welterbe-Komitees in Fuzhou sollte auch über die Aufnahme der Kurorte als Welterbe entschieden werden; doch die Konferenz ist verschoben.

11 von früher 60 Bewerbern

Die Vorarbeiten für die Nominierung laufen schon seit den Jahren 2008/2009, erzählt Kuchař – zuerst als nationales Projekt in Zusammenarbeit mit dem CZ-Kulturministerium, dann ab 2012 etwa als internationales Vorhaben. "Von 2012 bis 2016 wurden die verschiedenen Bewerber in ganz Europa überprüft." Über 60 Kurorte waren es am Anfang, wobei nach und nach immer weitere Bewerber aussortiert wurden. Seit 2016 sind noch elf Städte in sieben Ländern Welterbe-Kandidaten, darunter auch Franzensbad.

Seither bereiteten Experten aus verschiedenen Fachbereichen die Unterlagen für den Erwerb des Titels vor. Bürgermeister Jan Kuchař zeigt auf die transparenten Kunststoff-Boxen auf dem Besprechungstisch, in denen die Dokumentation verpackt ist – über 2000 Seiten Text, 400 Seiten Kartenmaterial und historische Unterlagen: Elf Stadtmanagement-Pläne für jede Stadt, außerdem ein überregionales übergreifendes Management für alle elf Kurorte im Verbund.

"Die Vorgaben sind erfüllt", ist Kuchař von dem guten Ende des Verfahrens überzeugt. Den finanziellen Aufwand dafür in all den Jahren beziffert der Bürgermeister auf "sicher 1 Million Euro". Die Ausgaben würden sich aber rasch amortisieren: Welterbe-Stätten in Europa seien vor allem bei zahlungskräftigen Touristen aus Asien und aus den USA beliebt. "China, Korea, Japan, das sind die Märkte, die uns interessieren."

Positive Effekte für Tourismus

Extra Fördergelder und -programme seine mit dem Welterbe-Titel nicht verknüpft. Vielmehr bedeutet dieser eine Verpflichtung, Traditionen zu bewahren und pflegen. Der Blick nach Regensburg, Bamberg oder nach Český Krumlov (Krumau an der Moldau) in Südböhmen zeige die positiven Effekte für den Tourismus. Dies helfe den Bädern ihr Niveau zu halten. Andererseits müsse man aufpassen, dass die Patienten in den Kurbädern nicht unter den Ansturm der Touristen leiden.

Das Kreditkarten-Unternehmen Mastercard beziffert laut Kuchař den Umsatz in der Karlsbader Region jährlich auf ungefähr 2,5 Milliarden Euro. "Wenn die Unesco-Sache klappt, steigern wir das um 25 bis 30 Prozent, etwa 1 Milliarde Euro." Dies wirke sich dann auch auf die deutsche Seite aus, so der Bürgermeister und nennt Sibyllenbad und Bad Alexandersbad. Und auch für die Klosterstadt Waldsassen eröffneten sich neue Perspektiven. Nach Einschätzung von Historiker Odstrčil wäre es nun gut, wenn sich all diese Orte grenzüberschreitend mit der Eisenbahn erreichen ließen. "Die Südkoreaner und Japaner lieben das."

Schutzzonen um die Kurorte

Etwa 200 Leute seien an der Ausarbeitung beteiligt gewesen – Vertreter aus dem Bereich des Denkmalschutzes und Historiker. Seit dem Jahr 2018 müssten als zusätzliche Kriterien die Bereiche für die Therapie definiert werden. Dazu gehören auch die Kurparks und Wälder um die jeweiligen Orte. Diese Schutzzonen verhinderten auch eine Bebauung, die nicht in die Landschaft passt, so der Bürgermeister.

"Es geht um Architektur samt der Grünanlagen in der Umgebung", ergänzt Štěpán Karel Odstrčil, Direktor des Stadtmuseums Franzensbad. Im Vordergrund stünden nicht nur die Parks, sondern deren Funktion. "Die Parkanlagen wurden von Anfang an als Bestandteil des Kurorts errichtet", erklärt der Historiker und fügt hinzu: "Nicht nur zum Gassigehen mit dem Hund, sondern für die Anwendungsmöglichkeiten für die Kurgäste." In den Parkanlagen seien ja auch die Heilquellen und somit eine Art "grüne Kolonnade": "Wenn man bei der Trinkkur Heilwassser genießen wollte, musste man sich dorthin begeben."

Für die Klosterlandschaften in Europa wird ebenfalls der Welterbe-Titel angestrebt.

Waldsassen
Bürgermeister Jan Kuchař im Rathaus Franzensbad, vor ihm die Unterlagen, die in den vergangenen vier Jahren im Zuge der Bewerbung um die Aufnahme in die Liste der Welterbe-Stätten erarbeitet worden sind.
Michal Pospíšil will im Zuge der Bemühungen um den Welterbe-Titel die Blickachsen zwischen besonderen Bauwerken aufwerten.
Das historische Stadtzentrum von Franzensbad ist seit 1992 städtisches Denkmalschutzgebiet.
Das historische Stadtzentrum von Franzensbad ist seit 1992 städtisches Denkmalschutzgebiet.
Das historische Stadtzentrum von Franzensbad ist seit 1992 städtisches Denkmalschutzgebiet.
Das historische Stadtzentrum von Franzensbad ist seit 1992 städtisches Denkmalschutzgebiet.
Das historische Stadtzentrum von Franzensbad ist seit 1992 städtisches Denkmalschutzgebiet.
Das historische Stadtzentrum von Franzensbad ist seit 1992 städtisches Denkmalschutzgebiet.
Das historische Stadtzentrum von Franzensbad ist seit 1992 städtisches Denkmalschutzgebiet.
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Elf historisch bedeutsame Kurorte in sieben Ländern

Unter dem Begriff "Great Spas of Europe" wollen Franzensbad sowie Marienbad und Karlsbad Unesco-Welterbe werden, außerdem die Kurorte Baden bei Wien (Österreich), in Italien Montecatini Terme, Vichy in Frankreich, in Großbritannien City of Bath und Spa in Belgien. Aus Deutschland sind mit von der Partie Bad Ems, Bad Kissingen und Baden-Baden. Jeder Kurort ragt mit seiner Einzigartigkeit heraus – Bath etwa als erstes römisches Bad weltweit, Franzensbad mit seinen weltweit einzigartigen Moorbädern. Jede dieser historisch bedeutsamen Städte betreibe das Bewerbungsverfahren für sich alleine, insgesamt aber sei die Aufnahme in die Welterbeliste im Kontext aller Kurorte zu betrachten, erklärt Bürgermeister Kuchař.

Als Initiator der jetzigen Bewerbung der CZ-Kurbäder gilt Luhačovice im Osten Mährens, nach den Worten von Historiker Štěpán Karel Odstrčil in Tschechien das Musterbeispiel tschechischen Kurwesens, ist aber weniger bekannt als die Orte im böhmischen Bäderdreieck. Der Kurort habe den Welterbe-Titel zwischen 2004 und 2006 alleine angestrebt, war dann aber ausgeschieden, womit zusammen mit dem Kulturministerium ein Neustart auf internationaler Ebene begann. Nun stünden, so Odstrčil, die elf Bäder jeweils für ein Spezifikum mit einer einzigartigen Besonderheit. Gleichzeitig repräsentierten aber alle elf Orte gemeinsam das typische Kurwesen der Belle Époque.

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Blickachsen zwischen markanten Punkten

Michal Pospíšil, der im Rathaus Franzensbad die Abteilung für Umwelt und Grünordnung leitet, hat schon Konzepte für die Aufwertung der Kuranlagen von Franzensbad in der Schublade. Vieles gebe es noch zu tun im Stadtbild; wo etwa ganze Häuserzeilen leer stünden, wie etwa an der Kurpromenade zwei verlassene Hotels. Die Stadt könne wenig dagegen ausrichten, sagt Pospíšil und erklärt, dass die Immobilien nach der "Samt-Revolution" von einer privaten Gesellschaft erworben wurden.

Im Hinblick auf die historische Bedeutung müssten in den Grünanlagen die bereits vorhandenen Blickachsen etwa von den Quellenhäusern zu bedeutenden Bauwerken im Ort aufgewertet werden. Für einen Teilbereich in den weitläufigen Kuranlagen hat der Landschaftsarchitekt eine besondere Gestaltung im Hinblick auf die elf Welterbe-Stätten im Verbund "Great Spas of Europe" vorgeschlagen: Jeder Kurort könne sich nacheinander im Park präsentieren, etwa mit Themengärten.

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