28.07.2018 - 23:20 Uhr
FreudenbergOberpfalz

Backstage an der Himmelspforte

Brandner-Festspiele in Wutschdorf: Das halbe Dorf steht auf der Bühne. Und die andere Hälfte? Die treibt sich hinter den Kulissen herum. Wir zeigen, was bei den Aufführungen keiner sieht.

von Uli Piehler Kontakt Profil

Am Freitag war Premiere, am Samstag und Sonntag fiel der Vorhang gleich wieder. Bis Freitag, 10. August, spielen die mehr als 70 Laiendarsteller weitere sechs Mal die Geschichte des ausgebufften Bergbauern, der partout nicht in den Himmel wollte. Und immer wieder muss der Boandlkramer mit dem Brandner Kaspar Schnaps saufen und den Grün-Ober auskarteln. Das ewige Leben steht auf dem Spiel.

Während 300 Zuschauer auf der Tribüne sitzen, schleichen etwa drei Stunden lang gut und gerne weitere 100 Statisten und Zaungäste hinter den Kulissen herum. Sie tun das wie auf Samtpfoten, gesprochen wird nichts. Sogar die allerkleinsten Kinder legen den Finger auf den Mund: "Psssst - der Boandlkramer geht um." Hinter der Bühne, auf dem abgeriegelten Kirchplatz, treffen sich in sich gekehrte Schauspieler und schweigende Anwohner.

Lautlos klettern drei Leute von der Feuerwehr mitten im größten Gewurl auf der Bühne auf ein Gerüst hinter der Tribüne. Kreisbrandmeister Armin Daubenmerkl persönlich ist es, der für den Gewitterregen sorgt. Wenn es gegen 21.40 Uhr aus den Lautsprechern donnert, kommt sein Einsatz. Er legt den Hebel das Strahlrohres um lässt es so richtig platschen. Für die Zuschauer kommt der Gewitterguss wie aus heiterem Himmel.

"Fernsehschauen? Kannst an solchen Abenden vergessen", flüstert einer der Anwohner, nachdem er einen anderen Nachbarn mit einer Bierflasche versorgt hat. Seit der ersten Probe ist er dabei, von der ersten bis zur letzten Minute: "Und ich schau mir das Stück jedes Mal wieder an." Warum? "Weil das für unser Dorf einzigartig ist, weil es unglaublich ist, was die Leute da auf die Beine stellen." Seine Frau hat eine Statistenrolle, seine drei Kinder auch.

Und die, die nicht dabei sind, sind es trotzdem: Sie fiebern mit ihren Mamas und Papas, Schwestern und Brüdern mit, richten mit her, räumen mit auf. Für Spielleiter Benno Schißlbauer hat das Stück eine zentralen Satz. Er heißt: "Alloa bist nix. Füranand san ma vonnöten. Und erst mit de andern wird alles wos wert." Beim Brandner in Wutschdorf ist das nicht nur eine Textzeile. Es ist die Botschaft des gesamten Unterfanges überhaupt.

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