28.11.2019 - 18:02 Uhr
FreudenbergOberpfalz

Feuerwehren holen neue Autos in Österreich ab

Die Feuerwehren aus Freudenberg-Wutschdorf und Schnaittenbach sind gerade auf der Rückfahrt aus Österreich. In Leonding bei Linz haben sie ihre neuen Löschgruppenfahrzeuge abgeholt.

von Heike Unger Kontakt Profil

Das ist diesmal ein ganz besonderer Einsatz, in eigener Sache: Drei Feuerwehren aus dem Landkreis haben eine "Sammelbestellung" vorgenommen. Neben Freudenberg und Schnaittenbach hat sich auch die Hahnbacher Wehr angeschlossen. Sie hat ihr neues Fahrzeug schon eine Woche vorher in Leonding beim Feuerwehrgerätehersteller Rosenbauer abgeholt.

Drei baugleiche Fahrzeuge

Angeschafft wurden drei baugleiche MAN-Fahrzeuge (290 PS), die in Details auf die örtlichen Gegebenheiten abgestimmt sind. Sie ersetzen drei altgediente Modelle: Das Hahnbacher ist das älteste, Baujahr 1975. Die Fahrzeuge aus Freudenberg (1986) und Schnaittenbach (1988) sind aber auch schon betagt. Am Donnerstag morgen waren die Freudenberger und Schnaittenbacher bei der Firma Rosenbauer in Leonding angekommen.

Die meisten von ihnen sehen ihr neues "Auto" jetzt zum ersten Mal. Der erste Eindruck passt: "Schaut gut aus", meint Thomas Bischof (Freudenberg-Wutschdorf). Sein Kollege Franz Bauer merkt gleich: "Das ist kürzer als das alte." 30 cm weniger dürften es sein, schätzte er.

Der große Check

Dann geht es ans Eingemachte. Die umfangreiche Ausschreibung muss Schritt für Schritt durchgegangen werden. Ist alles da, was da sein muss? Andere Aktive aus den Reihen der beiden Feuerwehren prüfen unterdessen, ob die Ausstattung der Fahrzeuge passt, ob sie dort ist, wo sie sein soll, ob Türen aufgehen, Größen stimmen, nichts hakt oder klemmt.

Philipp Tschautscher von der Firma Rosenbauer geht mit den Feuerwehrleuten alles durch: "Schaut's auch auf die Beschriftung, ob's passt". In Österreich gibt es teilweise andere Bezeichnungen für einzelne Gerätschaften. "Und wenn was zwickt, schreibt's es auf die Liste." Diese Autos sind Prototypen, da ist es ganz normal, dass es hier und da etwas nachzubessern gibt. Das wird erledigt, bevor die Feuerwehrleute am Freitag die Heimreise antreten. Natürlich mit den neuen Autos: Die sind bereits zugelassen, die Kennzeichen haben die Kommandanten mitgebracht.

Silber, signalgelb und feuerwehrrot

Doch bevor es zurück in die Oberpfalz geht, wird in der großen Fahrzeughalle der Feuerwehrfirma alles auf Herz und Nieren geprüft. Die beiden neuen Fahrzeuge stehen einträchtig nebeneinander, und obwohl sie baugleiche Modelle sind, sind sie klar voneinander zu unterscheiden: Die Schnaittenbacher haben als Kontrast zum Feuerwehrrot silberne Farbakzente gewählt, die Freudenberger Signalgelb. Und die Gemeindewappen an den Fahrzeugtüren zeigen auch schon an, wo die beiden Autos hingehören.

Nach dem großen Check und einer Auflistung der Dinge, die bis zum nächsten Morgen noch ergänzt oder geändert werden müssen, gibt es eine umfangreiche Einweisung. Dabei wird sofort klar: In den neuen Autos steckt jede Menge Technik.

Gleich der erste Praxistest

Die wird dann auch gleich ausprobiert. Dazu geht es auf ein nahegelegenes zweites Firmengelände, wo Rosenbauer auch die nötigen Testeinrichtungen vorhält.

Zuerst fließt Wasser durch die neuen Schläuche und Pumpen der beiden Amberg-Sulzbacher Fahrzeuge, dann ein spezielles Schaumgemisch, das zum Beispiel für Flüssigkeitsbrände eingesetzt wird. Und auch die Martinshörner erklingen hier zum ersten Mal. Überhören kann man sie nicht.

Und als es am frühen Abend dunkel wird, kann auch noch eine weitere Einrichtung getestet werden: Der Lichtmast, der sich auf dem Dach des Löschgruppenfahrzeugs ausfahren lässt. Die Feuerwehrleute haben ihr Pflichtpensum für heute erledigt. Bis Freitag früh sollen die gewünschten Nachbesserungen erledigt sein.

Eine sehr persönliche Geschichte

Für den Freudenberger Kommandanten, Kreisbrandmeister Armin Daubenmerkl, ist dieser Fahzeug-Wechsel auch eine sehr persönliche Angelegenheit. Denn das alte Fahrzeug, das jetzt durch ein neues ersetzt wird, ist damals unter Federführung seines inzwischen verstorbenen Vaters Walter angeschafft worden. Und, der Zufall will es so, genau am Todestag seines Vaters, dem 28. November, steht nun das Nachfolgefahrzeug, von Armin Daubenmerkl mit geplant, vor dem Sohn. Das alte Modell, ein Tanklöschfahrzeug 16/25, ist schon außer Dienst gestellt - nach 33 Jahren. Ein bisschen Wehmut schwingt mit, als Daubenmerkl sagt, dass nun ausgerechnet er diesen Wechsel vollziehe. Aber er ist auch stolz darauf, dass er und sein früh verstorbener Vater, der wie er Kommandant und Kreisbrandmeister war, sich vermutlich dieselben Gedanken wegen der Fahrzeugbeschaffung gemacht haben.

So ein Auto, sagt Armin Daubenmerkl, kaufe man nicht einfach so, "von heute auf morgen". Es sei tatsächlich eine Zukunftsinvestition: "Das kauft man für die nächsten 20, 30 Jahre." Und deshalb müsse man bei der Planung darauf achten, dass das Fahrzeug jetzigen und auch künftigen Anforderungen entspricht. Freudenberg sei im Landkreis flächenmäßig die größte Kommune, erklärt Daubenmerkl. Das bedeutet für die Feuerwehr teilweise weite Entfernungen von möglichen Wasserentnahmestellen. Dass es zudem eine sehr waldreiche Gegend sei, sei eine weitere Herausforderung.

Kein teueres Spielzeug

Das alte Fahrzeug, verrät Daubenmerkel dann noch, "ist das Auto, auf das ich mit 14 Jahren immer hochgeschaut hab", als er sehnlichst darauf gehofft habe, irgendwann auch einmal damit ausrücken zu dürfen. Damals war er noch zu jung dafür. Doch später war es genau dieses Auto, auf dem er als Feuerwehrmann gelernt hat. Der nicht geringe Preis dieser Fahrzeuge sei zuweilen als Vorwurf zu hören, die Feuerwehr gönne sich hier ein teures Spielzeug, fügt er noch hinzu. Doch tatsächlich seien diese Fahrzeuge und auch die Aktiven da, um der Bevölkerung zu dienen: "Hat man einmal einem Menschen helfen können, dann ist da unbezahlbar."

Am Freitag sind die erwünschten Nachbesserungen erledigt. Jetzt bekommen die Oberpfälzer noch einen detaillierten Einblick in die Produktion bei einer Werksführung. Nicht nur beim Anblick der gewaltigen Spezialfahrzeuge namens "Panther" für Flughafenfeuerwehren aus aller Welt geht den Männern das Herz auf. Sie sehen auch, wie viel Arbeit in ihrem Auto steckt: Alles beginnt im Grund mit einem Stück Blech, aus dem in vielen Schritten ein Löschfahrzeug entsteht. An die der Freudenberger und Schnaittenbacher werden noch schnell die Kennzeichen montiert, dann fahren die Kommandanten die Autos aus der Werkhalle. Dann geht es zurück in die Heimat: Dort werden die beiden Autos wenige Stunden später der Öffentlichkeit vorgestellt.

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