30.10.2019 - 10:27 Uhr
FreudenbergOberpfalz

Helmut Binser begeistert in Wutschdorf: Ohne Freibier wär' das nie passiert

Es passt einfach alles: Vom ersten bis zum letzten Oberpfälzer Diphthong versprüht Helmut Binser, im richtigen Leben Martin Schönberger, ein wahres Feuerwerk von Sympathiefunken. Der Musikkabarettist nimmt die Wutschdorfer für sich ein.

Mit Mirko, dem Mikrofon, seiner Gitarre namens Flitscherl" und der Tante Gisela, einer Diatonischen, gewinnt Helmut Binser die Freudenberger.
von Autor MMAProfil
Martin Schönberger alias Helmut Binser wurde in Wutschdorf regelrecht gefeiert.

Im voll besetzten Pfarrsaal begrüßte der örtliche CSU-Vorsitzende Daniel Rupprecht die Besucher zu einem „Krampf, und zwar an Gscheiten“. Der Musikkabarettisten mit Hut und Hornbrille, der aus Runding bei Cham stammt, stellte an den Beginn seiner Aufführung einen Rat seiner Oma: „Sag Grüß Gott zu allen, es kannt ja dein Vadda sei“ sowie ein Lob auf „Frejmberch“ und Wutschdorf. Es folgten seine Erfahrungen in Paris und Amsterdam. Sei die nächtliche Sonnenfinsternis in der französischen Hauptstadt das Beste gewesen, so gab er dem Coffeeshop mit den komischen Zigaretten in Amsterdam die Schuld, dass ihm dort ganz „schwindlich worn is“, so dass er schließlich sogar bei der Kötzinger Polizei habe anrufen müssen.

Als seine Begleiter stellte er das Mikrofon Mirko, eine verstimmte Gitarre namens Tante Gisela und die österreichische Diatonische, genannt Flitscherl, vor, "da sie scho weit rumgereicht wordn is". Am treuesten sei aber sein nach einem „Zaubertrank bei einer Erkältung“ aufgetretener unsichtbarer Hund, der Aale fressende Alfred, für den er sogar zwei unsichtbare Leinen zum Sonderpreis von 700 Euro gekauft habe.

Binser scheint sich vor nichts so sehr zu fürchten als vor der Vorstellung, „dass a Freibier git, und i woiß nicht wou“. Mit viel Humor ließ er sein Publikum in skurrile „Privatatmosphären“ eintauchen, erzählt etwa von seiner „Lebensmittel-Schwangerschaft“, der Flaschenhaltung des Babys, dem Viagra-Kauf für einen Freund, dem Dosenfischöffnen - oder seinem Nachbar, „dem Depp“. Dass dieser ihn genauso mit viel Humor sieht, obwohl er aus Niederrunding zugezogen ist, begriff man schnell.

Binser begeisterte mit „Zwischenwitzen“, Refrain- oder Echo-Antworten das immer mitgehende Publikum, aber auch mit den Erfahrungen mit seinem Opa, dem Ein-Mann-Mikado-Baumfällen, dem versumpften Valentinstag oder dem Kachelofen vom langsamen, schmuddeligen Wirt und seinem Wurstsalat mit Schnupftabak-Tuperln.

Der Musikkabarettist schilderte seine Erfahrungen als Schüler mit dem Lehrer, der „kein Rindfleisch von Schweinen“ erwartete, und seinen Noten zur D-Mark-Zeit, die nun dank des Euro aber halbiert gesehen werden müssten. Nach seiner Zeit als „Wunschkind, zumindest am Anfang“, habe er schließlich drei richtige Entscheidungen getroffen, nämlich nicht zu den Domspatzen, zum Weisheitszahnziehen und zum Tätowieren zu gehen.

Seine Hymne auf die Oberpfälzer Frau, das beste Frejmbercher Publikum, die Holzarbeit mit dem „Fichtenmoped“ oder das ruhige Shoppen bei der BayWa - das Publikum nahm dem Binser seine Geschichten nur zu gern ab und erklatschte lautstark und anhaltend fünf Zugaben.

Hier erfuhr man, dass es in der Oberpfalz ähnliche Situationen wie in den USA gebe, ein alkoholfreies Bier wie ein Oberpfälzer ohne den Laut „ou“ sei und Reisen in Bayern besser seien als sonstwo auf der Welt. Mit zwei Lebensweiheiten entließ Binser seine Zuhörer in die Nacht: „Manchmal is ma da Baam und manchmal da Hund. Und am End regelt sich vieles von selber, ma muas oft blos a bissln wattn.“

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.