Freudenberg
07.09.2022 - 08:38 Uhr

In der Molzmühle bei Freudenberg Singspiel aus dem Leben des Alfred Mösenburger

Vorsicht, hier fliegen die Spreißel! Mit einem Motorsägen-Solo hat sich Alfred Mösenburger in der Molzmühle in Wutschdorf den Weg zur Bühne freigeschnitten und ein veritables Singspiel aufgeführt.

Als das Trio "The Burst" plötzlich das Lied "Highway to Hell" von AC/DC spielte, war das eine Zäsur für den gemütlich dahinplätschernden Sonntagabend. Mittendrin im Metal-Klassiker schmiss jemand eine Motorsäge an und schnitt sich durch die Bretterwand, die den Eingang zum ehemaligen Kuhstall verdeckte. Als dann die letzten Hölzer aus der Verbretterung herausfielen, konnte er endlich auf die Bühne steigen: Alfred Mösenburger, der Mann der in den vergangenen Monaten immer wieder mal mit Sinnfragen auf großflächigen Plakaten in Amberg für Aufsehen gesorgt hatte.

Alfred Mösenburger stammt aus dem waldreichen östlichen Landkreis Amberg-Sulzbach, ist Bulldog-Liebhaber, Holzhauer und vor allem Junggeselle. Beim Singspiel im Hof seiner Mühlenverwandtschaft gab er einen Einblick in seinen Alltag und seine Gedankenwelt – einen Kosmos aus Waldarbeit und weiblicher Anziehung. Beider Kräfte verschmolzen in den Liedern, die der Mann mit den Initialen "AM" zusammen mit den "Hachtn" (Rudi Leitl und Wolfgang Habrich) zum Besten gab. Unterstützt wurde er dabei von Johannes Raab am Piano und der exzellenten Sängerin Kristina Kötterl.

Nur ein paar Lieder hat Alfred Mösenburger umgedichtet, alle anderen waren selbst getextet und komponiert. "Love is in the Air" von Paul Young wurde dabei zu "Holz liegt in der Luft" – zu einer Hymne an Sägespäne und Festmeter. Auf der einen Seite waren da immer die Hachtn, die sich mal wie die Schnaittenbacher Schwalberer anhörten und dann wieder in einen hochdeutschen Sprechgesang wechselten. Auf der anderen Seite die bezaubernd-betörende Stimme von Kristina Kötterl, die scheinbar eine dieser Waldjungfrauen verkörperte, von denen "AM" immer schwärmt.

Wer ist nun dieser Mann mit der Kettensäge, der sein Bier "Kettenschmiere" getauft hat? Eine Kunstfigur, die nicht wirklich existiert, die es aber doch so ähnlich geben könnte: Landwirt, Waldbauer, Einzelgänger, Biertrinker, Muttersöhnchen, Schwärmer, Träumer - ein Typ, der auf den ersten Blick mit sich und der Natur im Reinen zu sein scheint, dem aber dann doch etwas Entscheidendes fehlt – eine Frau. Und so träumt er von den Waldjungfrauen, von denen er tatsächlich unlängst eine gesehen haben will, wie sie den Aschacher Kirwabaum hinaufgekraxelt ist.

Das Singspiel mit dem Titel "Das Leben, das Holz und ich" war ein kleines ländliches Musical, eine Fantasie-Geschichte für alle, die waldreiche Gegenden und deren Bewohner mögen. In der Molzmühle haben sich die Gäste köstlich darüber amüsiert.

Hintergrund:

Alfred Mösenburger

  • Alfred Mösenburger ist ein Pseudonym. Die Figur verkörpert einen einsamen Landwirt, Holzhauer und Junggesellen.
  • Mit einer Plakataktion in Amberg und anderen kleineren Städten in der Oberpfalz hatte die Kunstfigur in den vergangenen Monaten auf sich aufmerksam gemacht.
  • "Kettenschmiere" heißt ein in Freudenberg gebrautes Sonderbier, das von Alfred Mösenburger vertrieben wird.
  • "Die Hachtn" ist der Name des Gesangstrios, dem die Kunstfigur Alfred Mösenburger angehört.
 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.