05.01.2020 - 22:24 Uhr
FreudenbergOberpfalz

Weihrauch bis ins Schlafzimmer

Sie kamen mit Gold, Weihrauch und Myrrhe und gingen mit Toffifee, Hubba-Bubba und Chips: Die Sternsinger haben den Segen in die Häuser gebracht und die Weihnachts-Naschereien dafür mitgenommen.

Die Freudenberger Bauernbühne spendierte die Schminke für die Mohren: In fünf Gruppen waren die Sternsinger in Freudenberg und Wutschdorf unterwegs.
von Autor (gri)Profil

Ganze Säcke gefüllt von Süßigkeiten sind es, die die Kaspars, Melchiors und Balthasars am Abend zurück zum Pfarrheim schleppen. Nach sieben Stunden ist das Sternsingen in und um Freudenberg beendet und es geht an das Verteilen der Beute – für die 25 Kinder der letzte Höhepunkt des Tages.

An Höhepunkten ist dieser Sonntag reich. Freudestrahlend erzählen die Buben und Mädchen von ihren Besuchen in den Häusern. Wie sie dem spröden älteren Herrn eingeheizt haben. "Wir wissen schon, dass er keinen Weihrauch mag", sagt der braungeschminkte Turbanträger. "Deswegen haben wir vor der Haustür einen extra Löffel voll aufgelegt." Der Schmäher des sakralen Duftes hat's mit Fassung genommen. Für die verrauchte Bude gab es von ihm 20 Euro und eine Schachtel erlesene Pralinen. Der Segen, den die Sternsinger unter die Leute bringen, verfehlt halt seine Wirkung nicht.

Das Geld, das die Kinder in den Oberpfälzer Häusern sammeln, soll Gleichaltrigen im Libanon helfen, sich eine Zukunft aufzubauen. Der Libanon ist Luftlinie 2600 Kilometer weit weg. Viel weiter erscheint dem Balthasar aber gerade der Weg nach Unterpennading. Eine der Mamas hat sich bereiterklärt, die Kinder an diesem Sonntag in die umliegenden Dörfer zu fahren. Auch dort muss der Segensspruch C+M+B+ an die Haustüren geschrieben werden.

Den Sternsingern geht es dabei ein bisschen so wie dem Nikolaus und dem Knecht Ruprecht vor vier Wochen. In etlichen Wohnzimmern läuft der Fernseher, während das Lied "Wir kommen daher aus dem Morgenland" erklingt. Die Qualifikation für die Vierschanzentournee in Bischofshofen läuft im ersten Programm. Balthasar und Melchior halten sich von Haus zu Haus auf dem aktuellen Stand. Aber nicht immer kämpfen die Ministranten gegen die Fernseh-Couch an. "In einer Familie haben sie sogar die Instrumente ausgepackt und mit uns gesungen", erzählt ein Sternträger.

Es ist einer der Haushalte, für die der Dreikönigsbesuch mehr ist, als ein Neujahrsbrauch. "Eine Frau hat unseren Weihrauchträger durch das ganze Haus geführt. Sogar in das Schlafzimmer", lacht eine der königlichen Hoheiten, die gerade ihren Süßigkeiten-Sack verzurrt. Den Segen, den die Sternsinger bringen, kann man an allen Ecken und Enden brauchen.

Die Pfarrgemeinde ist dankbar für den Dienst, den die Buben und Mädchen leisten. Pfarrer Moses Gudapati lässt am Abend nach dem Abschminken noch Schnitzel und Pommes springen. Die 25 Kinder aus der Pfarrei Wutschdorf gehören zu über 100.000 Kindern in Deutschland, die an diesem Wochenende mit der Geschichte von den Heiligen Drei Königen von Haus zu Haus ziehen. Ihr Einsatz lohnt sich: Zu den erwarteten rund 50 Millionen Euro an Spendengeldern tragen sie 2942 Euro bei.

Alle Infos zum Hilfswerk der Sternsinger und ihrer Libanon-Aktion 2020

Info:

Aktion Dreikönigssingen

Seit ihrem Start 1959 hat sich die Aktion Dreikönigssingen zur weltweit größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder entwickelt. Rund 1,14 Milliarden Euro wurden seither gesammelt, mehr als 74.400 Projekte und Hilfsprogramme für Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa unterstützt. Bei der 61. Aktion zum Jahresbeginn 2019 hatten die Mädchen und Buben aus 10.226 Pfarrgemeinden, Schulen und Kindergärten in ganz Deutschland rund 50,2 Millionen Euro gesammelt. Träger der Aktion Dreikönigssingen sind das Kindermissionswerk "Die Sternsinger" und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ).

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