20.04.2020 - 18:03 Uhr
FreudenbergOberpfalz

Zweiter Larifari für die Freudenberger Bauernbühne

"In diesen verrückten Zeiten ein schöner Moment für uns", sagt Norbert Altmann von der Freudenberger Bauernbühne. Das Laien-Ensemble hat den zweiten Larifari eingeheimst. Und der ist so was wie der Oscar für das Amateurtheater.

Mit „Kohlhiesels Töchter“ feierte Monika Altmann (rechts) im vergangenen Sommer ihr 25-jähriges Bühnenjubiläum. Sie hatte sich diesen Bauernschwank gewünscht, was die Freudenberger Bauernbühne mit Regisseur Benno Schißlbauer im Sommer 2019 auch umsetzte.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

(san) Norbert Altmann, Vorsitzender der Freudenberger Bauernbühne, hat am Samstagvormittag einen Anruf bekommen. Am anderen Ende der Leitung war Landesspielleiter Gerhard Berger. Und der wartete mit einer äußerst freudigen Nachricht für die Freudenberger auf. Dem von Regisseur Benno Schißlbauer geleiteten Ensemble wurde der Larifari zuerkannt. Und damit ein Preis, der eine Art Oscar für das Amateurtheater ist. Gewonnen haben ihn die Freudenberger mit dem Stück "Kohlhiesels Töchter", dem Sommerstück 2019 der Bauernbühne.

Premierenbericht zu "Kohlhiesels Töchter"

Freudenberg

Aus seiner großen Freude darüber macht Norbert Altmann wahrlich kein Hehl. Vor allem, weil er eigentlich nicht damit gerechnet hat. Denn 2015 war das Freudenberger Ensemble schon einmal mit dem Larifari bedacht worden. Die damalige Auszeichnung gab es für "'s Schwalberl".

Ebenso wenig damit gerechnet hat Benno Schißlbauer, seit 27 Jahren Spielleiter der Freudenberger Bauernbühne und damit derjenige, der jedes Stück aussucht, die Rollen besetzt und es schließlich mit den Darstellern einstudiert. Auch er ist mächtig stolz auf die erneute Auszeichnung. "Das war schon eine Überraschung", gesteht er. Wenige Stunden nach der frohen Botschaft hat Norbert Altmann per Rundmail die Mitglieder der Freudenberger Bauernbühne über die erneute Auszeichnung informiert. "Die Freude muss man doch teilen", sagt er. Zumal ein gemütliches Beisammensein, um Larifari ausgiebig zu feiern, derzeit ins Wasser fällt. Aber jetzt schon kündigt Norbert Altmann an, dass das nachgeholt wird: "Sobald Zusammenkünfte wieder erlaubt sind, wollen wir den Preis mit einem kleinen Larifari-Fest feiern." Eingeladen werden sollen die rund 30 bis 40 Mitwirkenden von " Kohlhiesels Töchter": Darsteller genauso wie Musikanten und all jene, die hinter den Kulissen im Einsatz waren.

Der Larifiri, den die Freudenberger 2015 für „’s Schwalberl“ bekommen haben.

Sowohl Altmann als auch Schißlbauer blicken gerne auf die Aufführungen des Bauernschwanks, der vor allem als Spielfilm mit Liselotte Pulver in der Hauptrolle bekannt wurde, zurück. Beide schwärmen von einem tollen Theaterstück, das die Freudenberger in ihrem Theateranwesen, dem Stechweberhof, präsentierten. Schißlbauer gesteht, dass es jede Menge Arbeit im Vorfeld war. "Eine richtige Fassung fürs Theater hat es von Kohlhiesels Töchter eigentlich nicht gegeben." Allein zehn Wochen habe er dafür gebraucht. Entschieden habe er sich schließlich für eine bodenständige Fassung, natürlich im Oberpfälzer Dialekt. Für einige Spieler war es eine Doppelbelastung, da sie in dieser Saison gleichzeitig beim Amberger Welttheater eingespannt waren. "Für uns war Kohlhiesels Töchter ein ganz tolles Stück", resümiert Schißlbauer und ergänzt, dass auch der Spielort dafür ideal war. "Das ehrt uns schön sehr", freut sich Schißlbauer über den Larifari. Den Balkon des Anwesens integrierte der Spielleiter genauso wie ein typische Oberpfälzer Kirwa. "Jede Kleinigkeit ist optimal rausgekommen", zeigt er sich mehr als zufrieden. Und auf die freudige Nachricht vom Verband Bayerischer Amateurtheater, dass die Jury den Freudenbergern den Preis zuerkannt hat, trank er am Samstag gleich eine Halbe - angesichts der Coronakrise und des gebotenen Abstands zu anderen Menschen in Abwesenheit seiner Kollegen der Freudenberger Bauernbühne.

Der Verband bayerischer Amateurtheater vergibt alle zwei Jahre eine Auszeichnung für Amateurtheater: den Larifari. Wie es seitens des Verbands heißt, ist entscheidend für die Auswahl unter anderem, „dass die Preisträger mit ihrer künstlerischen Arbeit exemplarisch das Amateurtheater repräsentieren“. Im Vordergrund der Vergabe stehe die künstlerische Arbeit eines Ensembles, die repräsentativ und zugleich wegweisend für das Amateurtheater sei.

Vergeben wird der Larifari jeweils in verschiedenen Kategorienen: Theater mit Kindern und Jugendlichen, Mundarttheater, zeitgenössisches Theater sowie Figurentheater. Laut Norbert Altmann, Vorsitzender der Freudenberger Bauernbühne, musste man sich mit einer Video-Aufzeichnung der Aufführung und einer kurzen Beschreibung des Stücks um die Auszeichnung bewerben. Eine Jury mit dem Landesspielleiter und Experten der bayerischen Kulturlandschaft sichtete und bewertete die eingereichten Beiträge. Für die Kategorie Mundarttheater, in der die Bauernbühne angetreten war, hatten bayernweit 20 Ensembles ihre Beiträge eingereicht. Die Preisverleihung wäre Anfang Juli im Stadttheater Landsberg gewesen, weiß Altmann. Doch wegen der Coronapandemie muss der Festabend abgesagt werden. Nachgeholt werden könne die Preisverleihung frühestens im Herbst. „Vielleicht auch erst im nächsten Frühjahr“, sagt der Vorsitzende der Bauernbühne. Nichtsdestotrotz freut er sich darauf: „Das ist ein sehr schöner Rahmen“, sagt er und erinnert sich gerne an den Sommer 2016 zurück, als die Freudenberger für „’s Schwalberl“ den Larifari in Neuburg an der Donau überreicht bekamen.

Bericht über die Larifari-Preisverleihung 2016

Info:

Für Herbst geplant

Als Corona in Deutschland noch kein so großes Thema war, hat die Freudenberger Bauernbühne die Premiere ihres Frühjahrsstücks im Wutschdorfer Pfarrsaal gefeiert. „Obwohl es erst die Anfangszeit der Krise war, haben wir diskutiert, ob wir überhaupt spielen“, so Vorsitzender Norbert Altmann. Entschieden wurde, mit den Aufführungen zu beginnen und dann von Wochenende zu Wochenende zu entscheiden. Schon am zweiten Aufführungs-Wochenende war dann Schluss mit „Da is der Wurm drin“: Die weiteren Vorstellungen wurden abgesagt.

Norbert Altmann hatte deswegen auch im Vorfeld Rücksprache mit dem Gesundheitsamt gehalten. Angesichts der engen Bestuhlung im Pfarrsaal und der Tatsache, dass vor allem viele ältere Menschen das Publikum der Freudenberger Bauernbühne ausmachen, wollte man absolut kein Risiko eingehen. Nun soll „Da ist der Wurm drin“ ab Ende Oktober nachgeholt werden. Die bisher erworbenen Karten behalten ihre Gültigkeit, informiert Norbert Altmann. Bislang seien auch kaum Tickets zurückgegeben worden.

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