21.08.2020 - 13:04 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Ärger mit Riesen-Bärenklau im Naturpark Steinwald

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Sie gedeihen prächtig. Doch es sind keine heimischen Pflanzen: Neophyten. Einige bergen sogar Gefahren. Die Naturpark-Ranger klären auf.

Die dreifache Größe der Naturpark-Ranger Marie Wittmann und Jonas Ständer (von rechts) weisen einige Pflanzen des Riesen-Bärenklaus im Naturpark Steinwald auf. Doldenblüten mit einem Gesamtdurchmesser von bis zu 50 Zentimetern sind keine Seltenheit.
von Bernhard SchultesProfil

Im und rund um den Steinwald breiten sich einige dieser „fremdländischen“ Pflanzen immer weiter aus. Die Naturpark-Ranger Marie Wittmann und Jonas Ständer wissen um die Problematik mit den Neophyten und kennen deren Standorte im Naturpark Steinwald. Zu ihren Aufgaben gehört es, Informationen über diese Pflanzen an Wanderer und Besucher weiterzugeben. Vier Arten, die sich in letzter Zeit besonders in den Vordergrund gedrängt haben und vielerorts anzutreffen sind, stellen die beiden Ranger im Gespräch mit Oberpfalz-Medien vor.

Herkulesstaude

Die aus dem Kaukasus stammende Herkulesstaude (auch Riesen-Bärenklau genannt) ist wohl der für den Menschen am gefährlichste Neophyt. Sie wird etwa zwei bis fünf Meter hoch und ist an ihren riesigen weißen Dolden-Blüten sowie an ihren großen und markanten Blättern zu erkennen. "Die Blütezeit des Riesen-Bärenklaus erstreckt sich von Juni bis September“, erklärt Marie Wittmann. Auch im Naturpark Steinwald hat diese Pflanze mittlerweile ein beachtliches Vorkommen und man findet sie oft an Bach- und Flussufern, da ihre Samen schwimmfähig sind. Allein die Berührung von Blättern oder Stiel in Zusammenhang mit Sonnenlicht kann zu schmerzhaften und gefährlichen Hautreaktionen führen: Seine phototoxische Wirkung führt nach wenigen Stunden zu Hautentzündungen mit Blasenbildung, die Verbrennungen ähneln. Naturpark-Rangerin Marie Wittmann: "Besonders gefährlich ist diese Pflanze für spielende Kinder." Außerdem verdränge der Riesen-Bärenklau in großen zusammenhängenden Beständen einheimische Arten durch seine Größe und den damit verbundenen Entzug von Sonnenlicht.

Hier ein Bericht zum Naturpark-Jubiläum

Erbendorf

Für Insekten dagegen stelle die Herkulesstaude eine Nahrungsquelle dar, die vor allem von Allerwelts-Arten wie Käfern und Schwebfliegen gerne angenommen werde, weiß Marie Wittmann. Das Ausbringen dieser Pflanze in der freien Natur sollte aufgrund der genannten Fakten auf keinen Fall erfolgen, so die engagierte Rangerin. "Die Bekämpfung ist aufwendig und mit hohen Kosten verbunden, da die Samen im Boden mehrere Jahre keimfähig bleiben und das Entfernen ein hohes Risiko darstellt."

Für den Menschen ist der Sachalin-Knöterich ungefährlich.

Marie Wittmann

Verwechslungsgefahr bestehe mit dem einheimischen und harmlosen Wiesen-Bärenklau, der mit einer Größe von bis zu 1,50 Metern aber deutlich kleiner ist. Der Stängel des Wiesen-Bärenklaus ist kantig gefurcht und ohne rötliche Färbung mit dichter Behaarung; der Stängel des Riesen-Bärenklaus dagegen ist wenig gefurcht, hat rote Flecken und ist nur leicht behaart.

Vielblättrige Lupine

Eine schön anzusehende Neophytenart, die sich seit einigen Jahren schnell in unserer heimischen Landschaft ausbreitet, ist die Vielblättrige Lupine (auch Stauden-Lupine genannt). Sie erreicht eine Größe von 60 bis 150 Zentimetern und ist eine aufrechte Staude mit einer Traube von meist blauen Blüten (selten weiße Blüten). Die Blütezeit der Vielblättrigen Lupine umfasst die Monate Mai bis Anfang Juli, erläutert Wittmann. Für den Menschen sind die Pflanze selbst und vor allem deren Samen giftig.

Eine Besonderheit der Vielblättrigen Lupine ist, dass sie symbiontisch Luftstickstoff in ihren Wurzeln binden kann und dadurch ihre unmittelbare Umgebung „aufdüngt“. Vor allem Magerstandorte sind davon betroffen: Durch die Stickstoffanreicherung und die schnelle Ausbreitung der Lupinen-Samen kann es zur kompletten Verdrängung von seltenen und bedrohten einheimischen Pflanzenarten kommen. Marie Wittmann: "Das gezielte Ausbringen der Lupine muss daher unterlassen werden, auch wenn sie durch ihre Schönheit als Zierpflanze besticht." Gerade an besonders schutzbedürftigen Standorten sei eine aktive Bekämpfung der Pflanze sinnvoll: Um das Aussamen zu verhindern, sollte der Blütenstand vor der Samenreife unbedingt entfernt werden.

Sachalin-Knöterich

"Eine auffällige invasive Pflanzenart ist der Sachalin-Knöterich. Er wird bis zu vier Meter hoch und wächst meist in dichten Beständen. Die Blätter haben eine eiförmig-längliche Form, sie können über 40 Zentimeter lang und über 15 Zentimeter breit werden. Die Blüten sind weiß", berichtet Marie Wittmann weiter. Seine weite Ausdehnung erreicht er durch ein unterirdisches Rhizom, von dem aus er in hohlen Stängeln nach oben wächst. "Für den Menschen ist der Sachalin-Knöterich ungefährlich." Er tritt vor allem entlang von Fließgewässern auf oder auch in Parks oder Gärten. Durch seine enorme Größe und sein mächtiges Wurzelwerk ist er sehr konkurrenzstark und verdrängt oft einheimische Arten, erklären die Naturpark-Ranger.

Von einigen Insektenarten wird der Sachalin-Knöterich gerne als Nahrungsquelle angenommen. Jedoch sei nicht klar, ob er durch die Verdrängung von einheimischen Pflanzen das Nahrungsangebot insgesamt verschlechtere. Das gezielte Anpflanzen und auch die unbeabsichtigte Ausbreitung durch Gartenabfälle sollten daher unterbleiben. Wichtig zu wissen: Eine oberirdische Vernichtung der Pflanze führt nicht zum gewünschten Ergebnis, da mit einem intakten Rhizom ein Nachwachsen aus dem kleinsten Wurzelrest immer wieder möglich ist.

Indisches Springkraut

Das Indische Springkraut (Drüsiges Springkraut) ist ein vor allem an Flussufern, auf feuchten, nassen Standorten oder gestörten Bodenstellen weit verbreiteter Neophyt, der für den Menschen keine Gefahr darstellt, informiert Marie Wittmann. Die einjährige Pflanze wird bis zu drei Meter hoch und hat spitz zulaufende Blätter. Die Blüten (Juni bis Oktober) fallen meist durch ihre kräftige purpurrote oder rosa Farbe auf. Die sich ab dem Sommer bildenden Kapseln mit den Samen platzen bei Berührung auf und verteilen so die Samen einige Meter weit.

Als Nahrungsquelle für Bienen und Hummeln ist das Indische Springkraut durch seine nektarhaltigen Blüten sehr attraktiv. Marie Wittmann führt aus: "Eine Gefahr stellt das Indische Springkraut aber für einheimische Pflanzenbestände dar. Durch seine übermäßige Ausbreitung und die entstehenden Dominanzbestände können einheimische Ufer besiedelnde Arten zum Teil zurückgedrängt werden. Einige Pflanzenarten können mit dem Indischen Springkraut koexistieren, allerdings mit Einschränkungen."

Gut zu erkennen ist die Vielblättrige Lupine meist durch ihre kräftige blaue Farbe.
Der Sachalin-Knöterich zeigt sich oft im dichten Bestand. Die Blätter sind eiförmig-länglich und können über 40 Zentimeter lang und über 15 Zentimeter breit werden.
Das Indische Springkraut wächst in dichten Beständen.
Hintergrund:

Das Gebiet des Naturparks

Der Naturpark Steinwald ist mit rund 23.330 Hektar einer der kleinsten Naturparke Bayerns. Die dem Steinwald vorgelagerte Basaltkuppenlandschaft um Waldeck mit Waldecker Schlossberg, Anzenstein und Armesberg grenzt den Naturpark nach Westen ab. Die alte, von Nürnberg kommende Handelsstraße über Kemnath, Neusorg, Waldershof durch die Eger-Röslau-Senke trennt nach Nordwesten den Steinwald vom Fichtelgebirge. Im Norden reicht der Naturpark knapp bis Marktredwitz/Waldershof und zieht im Osten um das Basaltgebiet des Teichelberges herum entlang der Bahnlinie bis Wiesau. Er umfasst im Südosten das ausgedehnte Weihergebiet um Muckenthal und Schönhaid. Die Südgrenze des Naturparks verläuft mit der B 299 von der Autobahn beim Naturschutzgebiet Waldnaabtal bis Erbendorf mit dem Naturschutzgebiet Föhrenbühl und endet im Südwesten am Hessenreuther Wald bei Atzmannsberg.

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