23.07.2021 - 15:17 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Afrikanische Schweinepest: Veterinäramt probt im Steinwald für den Ernstfall

Von der Afrikanischen Schweinepest ist Bayern bisher verschont geblieben. In der Theorie ist bekannt, was bei einem Ausbruch zu tun ist. Nun gab es in steilem Gelände im Steinwald eine Praxisübung, die Veterinäre und Bergetrupps forderte.

Zur Übung gehörte auch das Verpacken eines Kadavers durch einen Bergetrupp in Schutzkleidung. Veterinärassistent Stefan Nickl (rechts) überwachte den Vorgang.
von Bernhard SchultesProfil

Eine breit angelegte Übung im Zusammenhang mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) ging jetzt im Steinwald über die Bühne. Am Rondell in Friedenfels hieß der Leiter des Veterinäramts Tirschenreuth, Dr. Klemens Dötsch, Vertreter der Jagdverbände, der Unteren Jagdbehörde sowie weitere Mitarbeiter des Landratsamts und Vertreter der Bayerischen Staatsforsten willkommen.

"Brandenburg und Sachsen sind schwer geplagt", betonte Dötsch und verwies auf mittlerweile fast 1500 nachgewiesene Fälle der Afrikanischen Schweinepest. Wegen sumpfiger Flächen und militärischer Gebiete sei die Bekämpfung dort enorm schwierig. "Durch das Ziehen von Zäunen hofft man, die Ausbreitung nach Westen hin zu verhindern. Nichtsdestotrotz sollten wir vorbereitet sein, wenn der Fall der Fälle eintrifft", so Dötsch wörtlich. Ein besonderer Dank ging an Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg für die Bereitstellung des Übungsgeländes und zweier erlegter Frischlinge.

"Diesem Wunsch bin ich gerne nachgekommen", sagte Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg zur Anfrage des Veterinäramts wegen eines möglichst anspruchsvollen Geländes für die Übung. "Als Jäger und Partner der Landwirtschaft unterstützen wir die Maßnahmen zur ASP," so der Freiherr.

Typisches Rückzugsgebiet

Amtstierärztin Dr. Elisabeth Bernklau gab das Signal zum Aufbruch ins Übungsgelände, das mit steilen Abhängen, eng beieinander stehenden Bäumen und hohen Sträuchern ein typisches Rückzugsgebiet für Wildschweine ist. Die Verantwortlichen des Veterinäramts betonten, dass sich infizierte Wildschweine oft in unwegsames Gelände mit viel Dickicht zurückzögen und dort für Menschen nahezu unsichtbar verendeten. Erweitert wurde das Szenario durch die Einbeziehung eines Kadaver-Suchhundes. Neben den speziell ausgerüsteten Mitarbeitern des Veterinäramtes leistete Jacob Keller, Wildtiermanager und Ranger am Landratsamt Tirschenreuth, mit seinem Jagdhund Crixus wertvolle Dienste. Noch bevor Suchtrupps das steil abfallende Gelände durchstreiften, beauftragte Keller seinen Jagdhund, das im Dickicht vermutete Schwarzwild aufzuspüren. Keller: "Crixus ist dafür ausgebildet, tote Wildschweine aufgrund ihres Leichengeruchs aufzufinden."

Unterdessen bereitete in sicherer Entfernung die stellvertretende Leiterin des Veterinäramts Tirschenreuth, Amtstierärztin Dr. Elisabeth Prölß, die Such- und Bergetrupps auf ihren Einsatz vor. Das Ausfüllen benötigter Formulare wurde dabei genauso geklärt wie das Anlegen von Schutzkleidung und der Einsatz benötigter Hilfsmittel. Zur Ausrüstung der Bergeteams gehörten zudem verschiedene Desinfektions- und Hygienematerialien, Werkzeug, Schubkarren und Wannen.

Mit Wanne den Berg hinauf

Bei der Bergung nach dem Auffinden der Kadaver standen zunächst umfangreiche Hygieneschutzmaßnahmen an. Dazu zählte das Anziehen von Hygieneanzügen, Schutzhandschuhen und Gummistiefeln. Erst dann durfte der Kadaver verpackt und abtransportiert werden. Auch musste unmittelbar nach dem Auffinden des ersten Wildschweins die Umgebung nach weiteren verendeten Tieren abgesucht werden. Gehörig ins Schwitzen kamen bei der Aktion vor allem die Bergetrupps. "Zum Glück war es nur ein Frischling", meinte ein Helfer, als er mit seinen Kameraden den verpackten Kadaver in einer Wanne den steilen Berg hinauftrug.

Wertvolle Dienste leiste bei der Bekämpfung der Tierseuche mittlerweile das ASP-Monitoring Wildschwein, informierte Klemens Dötsch an anderer Stelle: "Jedes verendete Wildschwein, bei dem die Todesursache unklar ist, muss zur Untersuchung gebracht werden." Regelmäßig meldeten Jäger und Polizei Sichtungen toter Wildschweine. "Wir sorgen dann dafür, dass die Tiere am Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen untersucht werden", so Dötsch. Am Ende zeigten sich die Verantwortlichen des Veterinäramts zufrieden. Amtstierärztin Dr. Elisabeth Bernklau: "Angesicht des schwierigen Geländes verliefen Zusammenarbeit und Ablauf einwandfrei."

Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg fordert ein Umdenken

Friedenfels

"Jedes verendete Wildschwein, bei dem die Todesursache unklar ist, muss zur Untersuchung gebracht werden."

Dr. Klemens Dötsch, Leiter des Veterinäramts Tirschenreuth

 

 

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