Der Ausbildungsweg von angehenden Försterinnen und Förstern ist lang und verlangt den Nachwuchskräften einiges ab. Zu diesem Personenkreis zählt momentan Sophia Sackmann aus der rund 3700 Einwohner zählenden Stadt Tegernsee in Oberbayern. Nach ihrem Studium an der Hochschule Weihenstephan bereitet sich die junge Forstanwärterin im Zuge eines Trainee-Programms der Bayerischen Staatsforsten derzeit auf ihre spätere verantwortungsvolle Tätigkeit vor. Dass dabei ein Teil der Ausbildung fern ihrer Heimat auch das Gebiet des Steinwalds umfasst, hat verschiedene Gründe, wie sie augenzwinkernd im Gespräch mit Oberpfalz-Medien erklärt.
Sophia Sackmann: „Neben der Unterrichtung an der Forstschule in Lohr am Main müssen Praxisabschnitte in Revieren bei den Bayerischen Staatsforsten sowie beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten absolviert werden.“ Der Ort des praktischen Einsatzes in einem Revier kann dabei selbst mit ausgesucht werden, informiert die junge Forstanwärtern aus der touristischen Hochburg Tegernsee.
Urlaub bei Mähring
Wie im Gespräch mit Oberpfalz-Medien weiter deutlich wird, hat die sympathische Angestellte der Bayerischen Staatsforsten in früherer Zeit schon öfter in der Gegend um Mähring ihren Urlaub verbracht. Das Gebiet nahe der Grenze zu Tschechien und des angrenzenden Steinwalds behagt der jungen Frau besonders. „Die Wälder hier sind nicht so überlaufen wie in meiner Heimat“, meint Sophia Sackmann und schiebt hinterher: „Es hat mir im Urlaub hier schon immer gefallen. Deshalb wollte ich mir das Gebiet auch forstlich einmal näher anschauen.“
Unterstützt wird sie dabei von Ausbildungsleiter Carsten Klöble aus Friedenfels. Der Förster und Revierleiter steht ihr seit Dezember besonders bei ihrer Projektarbeit mit Rat und Tat zur Seite. Dabei stellt Forstanwärterin Sophia Sackmann dar, wie wichtig Waldumbau im Zuge des Klimawandels ist. Im Rahmen dieser Projektarbeit wurden Versuchsflächen im Revier von Carsten Klöble angelegt, um in Zukunft Baumarten auswählen zu können, die dem Steinwald zu einem klimastabilen Wald verhelfen können, unterstreicht Sophia Sackmann gegenüber Oberpfalz-Medien.
Standortansprüche geprüft
Die vier Flächen, die ausgesucht wurden, besitzen unterschiedliches geologisches Ausgangsmaterial (Granit und Phyllit) und befinden sich auf verschiedenen Höhenstufen, damit das Wuchsverhalten der verschiedenen Baumarten nicht nur innerhalb einer Fläche, sondern auch untereinander verglichen werden kann. Bei den gepflanzten Baumarten verweist Sophia Sackmann auf Atlaszeder, Baumhasel, Edelkastanie, Elsbeere, Küstentanne, Libanon-Zeder, Speierling und Walnuss. Diese Baumarten gelten als klimatolerant. Sie seien deswegen für die zukünftigen klimatischen Veränderungen besonders interessant. Die ausgewählten acht Baumarten seien auf ihre Standortansprüche geprüft und gemäß dem „4-Baum-Konzept“ der Bayerischen Staatsforsten auf den jeweiligen Flächen eingebracht worden.
Alternativen im Blick
Sowohl Forstanwärterin Sophia Sackmann als auch Ausbildungsleiter Carsten Klöble wissen, das es zu den genannten Baumarten bereits Erfahrungen an anderen Forstbetrieben der Bayerischen Staatsforsten gibt, jedoch noch nicht im Steinwald. Wie die beiden Forstfachleute weiter hervorheben, sollen neben den seltenen heimischen Baumarten wie Speierling und Elsbeere künftig auch versuchsweise alternative Baumarten gepflanzt werden, um das Baumartenportfolio des Steinwalds zu erweitern.
Nachhaltig wirtschaften
Ziel sei, nachhaltiges Wirtschaften zu ermöglichen und die Ökosystemleistung zu erhalten, unterstreicht Sophia Sackmann. Wichtig für sie ist auch, dass der aktive Waldumbau hin zu einem klimastabileren, stärker gemischten Zukunftswald entsprechend der strategischen Ausrichtung der Waldbaugrundsätze und Nachhaltigkeitskonzepte noch weiter intensiviert werden müsse. Um das langfristige Ziel klimatoleranter Mischwälder zu erreichen, werde die Umsetzung des "4-Baum-Konzepts" - abgesehen von Sonderstandorten - flächendeckend angestrebt. Sophia Sackmann: „Je Waldbestand werden mindestens vier Baumarten in angemessenen Anteilen erhalten oder eingebracht, wovon mindestens drei Baumarten klimatolerant sein müssen.“ Für die Forstanwärterin ist dabei klar, dass der aktiven Einbringung verschiedener geeigneter Baumarten künftig eine Schlüsselrolle zuteil wird, wenn der Klimawald im Steinwald gemeistert werden soll.
Biologische Vielfalt
Die biologische Vielfalt zu erhalten, sei dabei das vorrangige Ziel. Deshalb sollen seltene heimische Baumarten besonders gefördert und alternative Herkünfte heimischer Baumarten sowie nichtheimische Baumarten in angemessenem Umfang beigemischt werden. Die Chancen und Risiken für den Naturhaushalt und die vielfältigen Waldfunktionen seien dabei gründlich zu bewerten und abzuwägen, betont Sophia Sackmann.
Schutz gegen Verbiss
Einen großen Dank richtet die Forstanwärterin außer an Ausbildungsleiter Carsten Klöble auch an die Waldarbeiter Wolfgang Popp, Christian Schneider, Peter Schraml und Michael Pscherer, die mittels Lochpflanzung ihre Arbeit unterstützt haben. Neben den Pflanzungen errichtete die Forstanwärterin im Rahmen ihrer Projektarbeit auch Infotafeln für Waldbesucher. Hierauf wurden den verschiedenen Baumarten bestimmte Farben zugeordnet, um sie einfacher erkennen zu können. Zu weiteren arbeitsintensiven Maßnahmen gehörte das Anbringen von Gitterhüllen, um jede Neupflanzung gegen Verbiss von Rehwild und Fegeschäden von Rotwild zu schützen.
Die Frage von Oberpfalz-Medien, ob sie in ein paar Jahren einmal die Person sein wird, die das Ergebnis ihrer Pflanzung bewertet, bringt die 27-jährige Tegernseerin zu einem breiten Lächeln und der Aussage: „In diesem Revier nicht, da Carsten Klöble noch einige Zeit bis zum Rentenalter hat. Ich kann mir aber gut vorstellen, eine freie Stelle in Nordbayern anzutreten.“
Praxisanbauversuch mit neuen Baumarten im Steinwald
- Organisation: im Rahmen einer Projektarbeit von Forstanwärterin Sophia Sackmann
- Ausbildung: Sophia Sackmann machte das Abitur in Bad Tölz und studierte an der Hochschule Weihenstephan
- Unterstützung: durch Ausbildungsleiter Carsten Klöble und Waldarbeiter auf verschiedenen Versuchsflächen
- Revier: 2100 Hektar umfasst das Revier der Bayerischen Staatsforsten von Revierleiter Carsten Klöble, 1700 Hektar davon gehören zum Steinwald
















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