13.01.2020 - 11:53 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Besucher strömen zum Neujahrsempfang

Es war sein letzter Neujahrsempfang als Gastgeber. Bürgermeister Gottfried Härtl, der nicht mehr kandidiert, nutzte das Treffen, um sich zu bedanken und Bilanz zu ziehen.

Weit über 150 Gäste lauschen beim Neujahrsempfang den Worten von Bürgermeister Gottfried Härtl.
von Bernhard SchultesProfil

Prall gefüllt war die Steinwaldhalle, als das Gemeindeoberhaupt viele Friedenfelser Bürger, darunter Unternehmer und Gewerbetreibende, Pfarr- und Gemeinderäte, Sportler, und Abordnungen der Vereine begrüßte. Die Wünsche für ein glückliches Jahr 2020 galten auch seinem Bürgermeisterkollegen aus Wiesau, Toni Dutz, sowie und der Bezirks- und Kreisrätin Brigitte Scharf. Musikalisch umrahmt wurde der vierte Neujahrsempfang des Erholungsortes von Manuel Schmidt am Akkordeon und dem Männergesangverein „Frohsinn“.

„Ich freue mich, dass Sie sich heute Zeit nehmen, mit mir zurückblicken und vorausschauen“, begann Gottfried Härtl seine Ansprache. „Eigentlich geht es uns in Europa, Deutschland, Bayern, der Oberpfalz, im Steinwald und der Gemeinde Friedenfels immer noch sehr gut, trotz mancher pessimistischer Prognosen von Bundespolitikern und Wirtschaftsexperten im ersten Halbjahr 2019. Bayern ist wohlhabend, bei uns ist es sicher und schön“, betonte der Sprecher. „Wir haben ein gutes Miteinander im Ort, in der Region Steinwald und Stiftland. Bayern und zwischenzeitlich auch Ostbayern, die Oberpfalz, sind für viele ein Vorbild." In der nördlichen Oberpfalz kämen ländliche Idylle und High-Tech zusammen. Die Erholungs- und Tourismusregionen träfen auf Unternehmen wie Siemens in Kemnath, Witron in Parkstein, IGZ in Falkenberg oder Hamm in Tirschenreuth.

Im Interkommunalen Industriegebiet in Wiesau, an dem sich Friedenfels mit rund drei Prozent beteiligt habe, seien Unternehmen wie Ziegler-Logistik und Schott-Vertrieb im Aufbau. Jedoch dürften diese positiven wirtschaftlichen Entwicklungen nicht durch die Festlegung einer „Richtgröße“ für den Flächenverbrauch im Landesplanungsgesetz verhindert werden, sagte Härtl. Eine Festschreibung des Status Quo zementiere die Aufteilung Industrie- und Gewerbegebiete in den Ballungsräumen und eine „Unter-Naturschutz-Stellung“ des gesamten ländlichen Raumes. Dies sei ungerecht, ökologisch und ökonomisch nicht sinnvoll. „Die Arbeitsplätze müssen zu den Wohnplätzen kommen und nicht umgekehrt“, forderte der Bürgermeister.

In der nördlichen Oberpfalz sei das Stellenangebot in den vergangenen Jahren im Vergleich zum bayerischen Durchschnitt überproportional gewachsen, die Arbeitslosenzahlen gesunken. Es gebe einen regelrechten Werbewettkampf unter den Arbeitgebern um Mitarbeiter. Mit dem Breitbandausbau und der 5-G-Technologie würden besonders im ländlichen Raum wie in Friedenfels die Voraussetzungen für eine weiterhin positive Entwicklung geschaffen. Der wachsende Zuzug nach Bayern zeichne sich in der nördlichen Oberpfalz noch nicht so deutlich ab. Allerdings sei eine Abnahme der Einwohnerverluste festzustellen: „In Friedenfels sind die Einwohnerzahlen von 2012 bis 2018 um 22 gesunken, von 1263 auf 1241 Einwohner." 2019 sei die Geburtenzahl um 50 Prozent angestiegen, was voraussichtlich auch 2020 anhalten dürfte. "Somit scheint unser Grundschulstandort auch künftig gesichert."

Ein Vorteil im ostbayerischen Raum seien die niedrigen Mieten, Grundstückspreise und Lebenshaltungskosten. „Auch bei uns hat sich in den vergangenen Jahren die Nachfrage nach Wohnbaugrundstücken verdoppelt", sagte der Bürgermeister. In Friedenfels wurden 2019 die Telefon- und EDV-Anlage im Rathaus erneuert, ein neues Streusalzsilo angeschafft, mit der Außenabdichtung die Komplettsanierung des Wasserhochbehälters auf dem Schusterberg begonnen und die Sanierungen in der Grenzbach- und Schönfußstraße sowie am Mehrzweckplatz abgeschlossen. Die Hauptthemen für 2020 würden der Neubau einer Pflanzenbeetkläranlage und die Sanierung der Steinwaldhalle sein. "Nach vielen Jahren der finanziellen Klammheit ist es uns durch Sparsamkeit und ein erhöhtes Steueraufkommen gelungen, solide Finanzgrundlagen zu schaffen", betonte Gottfried Härtl. Die Gemeinde erhalte nun keine Stabilisierungshilfen des Freistaates mehr. „Der Weg der Haushaltskonsolidierung und der Modernisierung mit Verstand und dem nötigen Augenmaß ist jedoch fortzusetzen.“

Zum Schluss nutzte das Gemeindeoberhaupt die Gelegenheit, um Dank zu sagen und auch Abschied zu nehmen. „Seit dem Besuch der Friedenfelser bei unserer Partnergemeinde Raggal in Vorarlberg im August 2019 steht mein Entschluss fest, bei der Kommunalwahl 2020 nicht mehr als Bürgermeisterkandidat anzutreten. Nach 24 Jahren im Amt werde ich mich nicht noch einmal dafür bewerben.". Bei allen Mitarbeitern, den Mitgliedern des Gemeinderats, den Unternehmern und Mitbürgern bedankte sich Härtl für die Unterstützung und das entgegengebrachte Vertrauen über diesen langen Zeitraum hinweg. Der Bürgermeister stellte die Zusammenarbeit mit den Vereinsvertretern heraus. „Unser Ort lebt davon, dass viele mehr machen, als sie müssten. Stellen wir uns vor, es gäbe einen Tag lang niemanden, der sich engagiert: Wir würden ziemlich alt aussehen. Was Sie alle leisten, das ist für unsere Gesellschaft, für unsere Gemeinde unbezahlbar“, unterstrich Gottfried Härtl.

Bürgermeister Gottfried Härtl nutzte das Treffen, um sich zu bedanken. Es war sein letzter Neujahrsempfang als Gastgeber.
Musikalisch umrahmt wurde der vierte Neujahrsempfang des Erholungsortes vom Männergesangverein „Frohsinn“.
Auch Manuel Schmidt am Akkordeon begleitete den Neujahrsempfang.
Für das leibliche Wohl war beim Neujahrsempfang ebenfalls bestens gesorgt.
An den Stehtischen kam es nach dem offiziellen Teil des Neujahrsempfangs zu einem zwanglosen Austausch.
Bürgermeister Gottfried Härtl (Zweiter von links) freute sich beim Neujahrempfang auch über die Anwesenheit von seinem Freund und Bürgermeisterkollegen aus Wiesau, Toni Dutz (links).
Die Vereinsabordnungen bekamen beim Neujahrempfang viel Lob von Bürgermeister Gottfried Härtl.
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