29.04.2020 - 15:11 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Corona bringt Maibaumtradition zu Fall

Zum 57. Mal wäre am morgigen Freitag (1. Mai) am Dorfanger in Frauenreuth ein Maibaum errichtet worden - und das ohne Unterbrechung. Die neugewählten Vorstände des Veranstalters hoffen nach der Absage deshalb auf das nächste Frühjahr.

Schon viele stattliche Maibäume wurden in die schwere Bodenverankerung aus Eisen und Beton auf dem Dorfanger in Frauenreuth geschoben – in diesem Jahr bleibt sie wegen der Coronakrise leer. Für die im März neu gewählten Vorstände des Schützenvereins Frauenreuth, Wolfgang Schlicht (rechts) und Adrian Härtl (links) wäre es die erste große gesellschaftliche Veranstaltung unter ihrer Leitung gewesen.
von Bernhard SchultesProfil

Der Mai-Auftakt bedeutete für die Frauenreuther Sportschützen alljährlich eine große Feier. Viele freiwillige Helfer der Dorfgemeinschaft und des Schützenvereins schoben dabei immer einen stattlichen, fast 30 Meter langen Maibaum mit den Schwalben nach und nach in die Höhe. Begleitet von Feriengästen und zahlreichen Besuchern folgte dem Spektakel das erste große Fest im Erholungsort.

Begleitet wurde das Aufstellen des Frühlingssymbols oft von erfreulichen und lustigen Besonderheiten, wie Maibaumkraxeln, sportlichen Wettbewerben, Tanzauftritten, Kinderbelustigungen oder Ballonwettbewerben. Für die vor der Coronakrise am 6. März neu gewählten Vorsitzenden des Frauenreuther Schützenvereins, Wolfgang Schlicht und Adrian Käß, wäre es das erste große gesellschaftliche Ereignis unter ihrer Leitung im neuen Vereinsjahr gewesen. Die Planungen und Vorbereitungen waren bereits terminiert und die Feierlichkeiten für das Maibaumaufstellen geplant.

Noch vor der Jahreshauptversammlung hatte ein Vereinsmitglied einen neuen Maibaum gespendet. Dieser lag abgesägt und gut versteckt zum Schälen im Wald bereit. Doch alles kam anders: Bereits vor drei Wochen reagierten deshalb die beiden Vorsitzenden und informierten Helfer und Mitglieder, dass 2020 kein Maibaum auf dem Dorfanger in Frauenreuth errichtet wird. Übereinstimmend meinten Vorsitzender Wolfgang Schlicht und sein Stellvertreter Adrian Käß: "Wir müssen gegenüber unseren Mitgliedern und Besuchern Verantwortung zeigen. Die Schutzmaßnahmen und der geforderte Mindestabstand bei der Coronakrise kann beim Aufstellen mit den Schwalben unmöglich eingehalten werden." Ausfallen wird wegen der Pandemie deshalb in diesem Jahr auch das Bewachen des Maibaums in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai durch die Schützenjugend. Denn der Maibaum war nicht immer vor "Attentätern" sicher. Vor einigen Jahren wurde dieser schon einmal angesägt und zweimal sogar gestohlen, während die Schützenjugend und Maibaumaufsteller fröhlich feierten. Erst ein flüssiger Obolus stimmte die Diebe milde.

Deshalb wird der Maibaum streng bewacht und erst am 1. Mai gegen Mittag aus seinem Versteck geholt und auf dem Dorfanger mit der Maifeier begonnen. "Das Vereinsjahr 2020 wird in der Vereinschronik des Schützenvereins eine besondere Erwähnung finden und in der langen erfolgreichen Vereinsgeschichte einen besonderen Platz einnehmen", meinen die Verantwortlichen. Die Veranstalter hoffen nach der Absage deshalb auf das nächste Frühjahr.

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