20.03.2019 - 09:55 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Direktanflug auf Friedenfels

Große Freude bei den Storchenfreunden in Friedenfels. Vier Wochen früher als im vergangenen Jahr ließ sich heuer ein Storch auf dem Brauereischlot nieder.

Zielstrebig steuerte in diesem Jahr ein Storch den Friedenfelser Braueischlot an. Am Dienstagnachmittag landete er um 14.10 Uhr nach seiner Rückkehr aus dem Winterquartier in 30 Meter Höhe mitten im Erholungsort.
von Bernhard SchultesProfil

Hans Lenk, der am Dienstagnachmittag von seinem Haus zum Ortszentrum blickte, sah Meister Adebar um 14.10 Uhr aus Süden kommend im direkten Anflug auf das 2016 errichtete Nest in 30 Meter Höhe. Umgehend informierte er seine Freunde aus der Unterabteilung des Vereins Kulturlandschaft südlicher Steinwald.

Einige Mitglieder des Vereins mit der eigens errichteten Untergruppierung Storchenfreunde bemühen sich seit Jahren um eine Wiederansiedlung im Erholungsort. Neben Hans Lenk sind Bernhard Kellner, Siegfried Steinkohl, Hildegard Harms, Vereinsvorsitzender Matthias Schlicht und Robert Mertl dabei. Die Storchenfreunde dokumentieren die Aufenthaltsorte der Störche mit Fotos, schreiben Tag und Uhrzeit auf und melden den Besuch von weiteren Störchen im Raum Friedenfels.

Für Robert Mertl sind die Schilderungen von Hans Lenk ein kleiner Beweis, dass es sich um den Storch aus dem vergangenen Jahr handeln könnte. „Der direkte Anflug, ohne viel zu kreisen, und die anschließende Futtersuche beim Biotop und in den feuchten Wiesen an der Grenzbachstraße sprechen dafür“, meint der Storchenexperte. Meister Adebar hatte im zurückliegenden Jahr nach seinem Eintreffen am 17. April umgehend mit dem Nestbau begonnen. "Aber leider fand sich keine Storchendame ein."

Dabei hatten die Storchenfreunde im Vorfeld kräftig nachgeholfen und das Nest richtig in Szene gesetzt. Grassoden, Äste und Moos waren mit der Feuerwehr-Drehleiter nach oben befördert worden. Die Vereinsmitglieder statteten die Brutstätte so noch wohnlicher aus. Die darunter liegenden Dächer wurden mit weißer, wasserfester Farbe bespritzt, um die Hinterlassenschaften von Störchen vorzutäuschen. Eine Nisthilfe, die schon einmal „in Betrieb“ war, wird nämlich eher angenommen als eine, die noch nie bewohnt war, sagte damals Robert Mertl.

Der Storch der am Dienstagnachmittag eintraf, könnte auch einer der drei Jungstörche sein, die 2017 beim Frauenreuther Weiher in die Freiheit entlassen wurden. „Nach drei Jahren wären sie nämlich geschlechtsreif“, weiß Robert Mertl. Für diese Tiere wurde im Sommer 2017 extra eine weitere mögliche Brutstätte beim Frauenreuther Weiher geschaffen. Besonders die Feuchtwiesen rund um den Frauenreuther Weiher hatten es den stattlichen Tieren nach ihrer Freilassung angetan. Mehrmals gesellten sich in diesem Sommer auch weitere Jungtiere, die auf dem Durchzug waren, zu den Friedenfelser Störchen und suchten mit ihnen Nahrung.

Neben den Storchenfreunden machten in diesem Sommer Wanderer und Spaziergänger von der kleinen Kolonie unzählige Fotos und Aufnahmen. Die Nächte verbrachten die drei freigelassenen Störche damals zum großen Teil in Frauenreuth auf Häusern und Scheunen. Die Störche haben durch das Engagement der Storchenfreunde die Qual der Wahl, welchen Horst sie im Erholungsort beziehen möchten. Die weitere Entwicklung sehen die Storchenfreunde nach der ersten Euphorie aber durchaus realistisch. „In der Regel kehren Männchen und Weibchen nicht gemeinsam zurück, sondern das Männchen etwas früher." Die nächsten Tage werden zeigen, ob das Glück in diesem Jahr vollkommen wird und mit der Familienplanung im Horst begonnen werden kann, so der einhellige Tenor am Dienstagnachmittag unter den Storchenfreunden.

Majestätisch gleitet der Storch vom Brauereischlot zu den nahen Feuchtwiesen am Ortsrand von Friedenfels.

 

 

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