16.06.2019 - 14:59 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Aus für zwei Vereine

Die Vereinslandschaft im Erholungsort ist ein Stück ärmer: Den Schützenverein „Weißenstein“ Friedenfels und den Volks- und Gebirgstrachtenverein „Stamm“ - einst groß und bekannt - gibt es nicht mehr.

Traurig über die Vereinsauflösungen, aber glücklich über den künftigen Ehrenplatz ihrer Vereinsfahnen im Brauerei-Museum zeigten sich die verbliebenen früheren Vorstandsmitglieder vom Schützenverein „Weißenstein“ Friedenfels und Volks- und Gebirgstrachtenverein „Stamm“. Ehemaliger erster Vorsitzender Meinhard Rückerl (vorne links) dankte für den Aufbewahrungsort (hinten von rechts) Thomas Schultes (Geschäftsführer der Friedenfelser Betriebe) und der Besitzerfamilie des Brauerei-Museums, Eberhard und Adelheid von Gemmingen-Hornberg. Mit im Bild der Ehrenvorsitzende des Trachtenvereins, Johann Sperber, und Fahnenbraut Rosa Bauer (vorne von rechts).
von Bernhard SchultesProfil

Nach dem Auflösungsbeschluss der Vereine in einer Mitgliederversammlung und der Abwicklung über Amtsgericht, Finanzamt und Vereinsregistergericht wurden nun als letzte Aktion die wertvollen Vereinsfahnen dem Brauerei-Museum übergeben. Meinhard Rückerl, langjähriger erster Vorsitzender der beiden Vereine, begrüßte bei der Zusammenkunft mit einem lachenden und einem weinenden Auge, wie er wörtlich sagte, Mitglieder der beiden Vorstandsteams, Ehrenmitglieder sowie weitere Vereinsvertreter aus Friedenfels und Ehrengäste.

Traurig stimmte ihn, zumal der Schützenverein "Weißenstein" der älteste Verein im Erholungsort war und bereits 1897 gegründet worden war, die unausweichliche Auflösung. "Wir haben viele Bemühungen und Anstrengungen unternommen, um einen Fortbestand zu sichern. Letztendlich jedoch fand sich in beiden Vereinen niemand, speziell aus der jüngeren Generation, der Verantwortung übernommen und aktiv am Vereinsleben teilgenommen hätte.

Ehrenplatz

Glücklich zeigte sich Rückerl hingegen, dass die wertvollen Vereinsfahnen und manches Vereinsinventar künftig einen Ehrenplatz erhält. Sein besonderer Dank galt deshalb dem Geschäftsführer der Friedenfelser Betriebe, Thomas Schultes, der bei einer der vielen Zusammenkünfte der Vereine, den Aufbewahrungsort den Mitgliedern zur Diskussion stellte. Dank sagte Meinhard Rückerl auch der anwesenden Besitzerfamilie des Brauerei-Museums, Adelheid und Eberhard von Gemmingen-Hornberg.

Rückerl blickte bei der Zusammenkunft auch in die Vereinsgeschichte und erinnerte an viele Höhepunkte. "Es waren Idealisten, die sich 1930 zusammengesetzt haben, um unseren Trachtenverein zu gründen. Max Dostler, Hans Denz, Heiner Trottmann und Georg Dietrich seien die Männer der ersten Stunde gewesen. "Nach der Gründung wurde der Verein der Trachten-Vereinigung links der Donau in Nürnberg zugeschlagen. Während des Zweiten Weltkrieges kam die Vereinsarbeit zum Erliegen, doch bereits 1951/52 wurde die erste Kindertanzgruppe ins Leben gerufen", erinnerte Meinhard Rückerl. "Eingekleidet mit selbst gefertigten Dirndln und einer Tracht begannen die Erwachsenen mit dem Schuhplattln, das den Vereinsmitgliedern viel Spaß bereitete", so Rückerl.

Bezirkstrachtenfest

Als Höhepunkt in der Vereinsgeschichte schilderte Rückerl das Bezirkstrachtenfest 1957 in Friedenfels. Hier wurde die bis heute gut erhaltene Fahne angeschafft, gesegnet und ihrer Bestimmung übergeben. Welchen Stellenwert das damalige Fest hatte, zeige die Anwesenheit der zahlreichen Trachtenvereine aus der ganzen Oberpfalz sowie die Anreise einer Abordnung aus Amerika und dem Schwarzwald. Bestätigen konnte dies die damalige Fahnenbraut und Ehrenmitglied Rosa Bauer.

Schmunzeln bei den anwesenden Mitarbeitern der Brauerei und Geschäftsführer Thomas Schultes sowie bei zahlreichen Anwesenden löste die anschließende Aussage von Meinhard Rückerl aus: "Laut den Protokollbüchern war der Besuch bei diesem Fest so zahlreich, dass der Friedenfelser Brauerei bereits am ersten Festtag das Bier ausging und für den zweiten Tag Ersatz aus Kulmbach beschafft werden musste." Auch eine eigene Blaskapelle hatte der Verein damals, deren Musiker von vielen anderen Vereinen bestellt wurden.

Meinhard Rückerls Dank galt bei seiner kurzen Rückschau auch der Fahnenmutter Helga Freifrau von Gemmingen-Hornberg für die stete Unterstützung. Bis zu 40 Kinder und Jugendliche standen früher hinter dem Verein und beteiligten sich an den weithin bekannten Heimatabenden. "Während der Blütezeit des Fremdenverkehrs wurde in den Sommermonaten für die Feriengäste aus Berlin und Nordrhein-Westfalen im Turnus von zwei Wochen jeweils ein solcher Abend abgehalten", so Rückerl. Ferner gehörten damals das Maibaum- und Christbaumaufstellen zu den Aufgaben des Trachtenvereins. Mit Zeltfesten sei auch noch 1980 und 1990 das 50- und 60-jährige Bestehen des Vereins gefeiert worden. Dann aber sei es ruhiger um den Verein geworden, berichtete Rückerl. "Besonders drastisch war das Ende des Vereinslebens beim Schützenverein", informierte der ehemalige Vorsitzende. Trotz einer gesicherten Heimat und des vereinseigenen Schützenhauses, das beide Vereine beherbergte, hätte man keine neuen Mitglieder, die Interesse am Schießsport gehabt hätten, gewinnen können. "Ein Punkt war hierbei sicherlich auch, dass der Schießsport in Friedenfels noch von zwei weiteren Vereinen betrieben wird und deshalb eine Mitgliedergewinnung besonders schwer war", wusste Meinhard Rückerl. "Letztendlich blieb uns deshalb nur die Auflösung der beiden Vereine." Meinhard Rückerl wusste aber auch, dass dies nicht nur ein reines internes Problem ist: "Viele Vereine, egal welcher Art, werden in den nächsten Jahren um Mitglieder kämpfen. Die Zeit hat sich einfach geändert."

Fahnenschränke in Arbeit

Ein letzter Akt war abschließend dem Geschäftsführer der Friedenfelser Betriebe, Thomas Schultes, vorbehalten. Er präsentierte den Anwesenden die künftigen Plätze der Fahnen im Brauerei-Museum. "Hierzu sind derzeit zwei große Fahnenschränke mit Glasfront in Arbeit und werden in den nächsten Tagen im Museum befestigt."

Einig waren sich dabei alle Besucher, dass kein besserer Platz in Friedenfels an die einst glorreichen Zeiten der beiden Vereine erinnern könnte. Zwischen vielen Utensilien, Raritäten und Werkzeugen bis hin zu Schutzpatronen in Menschengröße spiegeln künftig auch die Vereinsfahnen vom Schützenverein "Weißenstein" Friedenfels und Volks- und Gebirgstrachtenverein "Stamm" das breite Leben im Erholungsort wider.

Viele Jahre Heimat des Schützenvereins „Weißenstein“ Friedenfels und Volks- und Gebirgstrachtenvereins „Stamm“: Das ehemalige Schützenhaus mit angebauter Kegelbahn (rechts) war ein gern besuchtes Vereinsheim.
In einem Fahnenschrank im Brauerei-Museum werden künftig die wertvollen Vereinsfahnen des Schützenvereins „Weißenstein“ Friedenfels sowie die des Volks- und Gebirgstrachtenvereins „Stamm“ Friedenfels aufbewahrt.
In einem Fahnenschrank im Brauerei-Museum werden künftig die wertvollen Vereinsfahnen des Schützenvereins „Weißenstein“ Friedenfels sowie die des Volks- und Gebirgstrachtenvereins „Stamm“ Friedenfels aufbewahrt.

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