18.11.2019 - 12:57 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Ein Gewinn, der auch schmeckt

Nach fünf Jahren Öko-Modellregion Steinwald lassen sich die Erfolge bereits an Zahlen messen. Beim 15. Bio-Bauern-Stammtisch zogen die Verantwortlichen Bilanz und präsentierten beeindruckende Fakten.

Fünf Jahre Öko-Modellregion Steinwald: Die Projektmanager Elisabeth Waldeck und Eva Gibhardt (vorne links und Dritte von links), Günther Erhardt (mittlere Reihe, Zweiter von links) sowie der Geschäftsführer der Friedenfelser Betriebe, Thomas Schultes (rechts), dankten besonders den Bio-Landwirten und Betriebsvertretern sowie den Vertretern von Behörden und Ämtern.
von Bernhard SchultesProfil

Die Projektmanager Elisabeth Waldeck, Günther Erhardt und Eva Gibhardt sowie der Geschäftsführer der Friedenfelser Betriebe, Thomas Schultes, freuten sich bei der kleinen Jubiläumsfeier im Brauereimuseum über interessierte Landwirte, Betriebsvertreter und Verbraucher. In einer kurzen Rückschau erinnerte Elisabeth Waldeck an die Gründungszeit. "2014 ging man mit fünf Öko-Modellregionen an den Start, mittlerweile gibt es in Bayern 27 Modellregionen. Die Landwirtschaft spielt in allen Regionen eine wichtige Rolle. Bio war auch in der Öko-Modellregion Steinwald eher gering." Projektmanager Günther Erhardt wusste: "2014 gab es in der Steinwald-Allianz 36 biozertifizierte Betriebe. 2018 waren es bereits 53. Auch die ökologisch bewirtschaftete Fläche ist von 935 Hektar auf 1493 Hektar angewachsen." Ein erster Erfolg, der die Verantwortlichen sichtbar freute. Doch Günther Erhardt verwies auch auf die steinigen Wege. Als ein großes Projekt bezeichnete er den schwierigen Aufbau einer regionalen Bio-Rindfleisch-Vermarktung. Früher mussten die Bio-Rinder einen weiten Weg bis zum nächsten Bio-Schlachthof zurücklegen. Durch das Engagement der Öko-Modellregion gibt es nun einen regionalen biozertifizierten Metzger, der den Landwirten neue Vermarktungsperspektiven schaffte, so Erhardt.

Bald auch Rinderschinken

Das regionale Bio-Rindfleisch-Sortiment umfasst mittlerweile Bio-Rinderburger, Bio-Beef & -Bacon-Burger, Bio-Hackfleisch und Bio-Gulasch. Geplant ist derzeit weiter, fertiges Gulasch und Hackfleischsoßen in Gläsern, Salami und Rinderschinken anzubieten, wie der Projektmanager informierte. Erhältlich seien all die Produkte im örtlichen Lebensmitteleinzelhandel und im Dorfladen Friedenfels.

Der beim Treffen anwesende biozertifizierte Metzger Josef Ackermann hat seinen Schritt zur Zertifizierung noch keinen Tag bereut, wie er den Besuchern verkündete. Abnehmer für das Rindfleisch aus der Öko-Modellregion Steinwald sind mittlerweile auch mehrere Gastronomiebetriebe. Für eine weitere langfristige Entwicklung haben sich die Bio-Rinderhalter rund um den Steinwald vor kurzem noch enger zusammengeschlossen. Aus dem einst losen Netzwerk der Bio-Rinderhalter der 17 Mitgliedskommunen der Steinwald-Allianz entstand die Erzeugergemeinschaft "Öko-Rinder aus dem Steinwald".

Projektmanagerin Elisabeth Waldeck berichtete: "Mit der Öko-Modellregion kam auch der Bio-Mohn in den Steinwald. Zusammen mit den Friedenfelser Betrieben bescherten hier mehrere Mohn-Aktionen der Öko-Modellregion einen durchschlagenden Erfolg."

Farbenfroh

Besucherscharen erfreuten sich an dem farbenfrohen Schauspiel, als Anfang Juli die rosa, lila, pink und weiß blühenden Mohnfelder in und um Friedenfels leuchteten", so Waldeck. "Der Steinwald kann sich mittlerweile durchaus als Hochburg im bayerischen Bio-Mohn-Anbau bezeichnen. Allein auf elf Hektar wurde dieses Jahr durch die Güterverwaltung Friedenfels angebaut. Grund genug für viele Veranstaltungen rund um die alte Kulturpflanze, die mit einem großen Mohnblütenfest endeten." Nicht leugnen wollte der Geschäftsführer der Friedenfelser Betriebe, Thomas Schultes, dass der Weg hin zur Bio-Produktion teilweise sehr schwierig war. Schultes schilderte den Besuchern die vielfältigen Maßnahmen und die teils schwierigen Bemühungen bei der Umstellung auf ökologischen Landbau. "Doch durch die mittlerweile zahlreichen Erfolge und die Auszeichnung ,Bayerns beste Bio-Produkte' auf der Grünen Woche in Berlin durch Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und LVÖ-Vorsitzenden Hubert Heigl", war sich der Geschäftsführer sicher, "dass der eingeschlagene Weg richtig ist". Schultes dankte seinen Mitstreitern und ganz besonders Biobauer Josef Schmidt für ihre stete Unterstützung.

Zwei Kühlhäuser

Vertrieben werden die Bio-Lebensmittel der Öko-Modellregion Steinwald mittlerweile auch in einem Naturlogistiklager der Friedenfelser Betriebe. Thomas Schultes: "Über 600 Kunden im Bereich Roh- und Naturkost zählen hier zu unseren Abnehmern. In zwei Kühlhäusern und auf über 500 Quadratmetern Lagerfläche stehen 250 Produkte zur Verfügung. Zu unseren Kunden zählen Firmen wie Rewe, Basic, Dennree, Tegut und zahlreiche bekannte Naturkostläden." Der Anteil der Waren, die ins Ausland gehen, betrage mittlerweile über 15 Prozent. Ziele seien Polen, Tschechien, Italien, Schweiz und Ungarn, informierte der Geschäftsführer.

Hintergrund:

Ausflüge in die herrliche Natur

Ergänzend zu regelmäßigen Angeboten organisierte die Öko-Modellregion auch ein abwechslungsreiches, touristisches Freizeitprogramm, wie Projektmanagerin Eva Gibhardt schilderte. Unter dem Namen "Bio erleben" startete man ein Wochenprogramm, das sich regelmäßig wiederholte und viele Interessierte anlockte. Vereint wurden dabei die Aktivitäten in den Bereichen Abenteuer, Natur und Lebensqualität. So wurde auf dem Pferderücken beim "berittenen Cowboy-Dienstag" vielen Urlaubern und auswärtigen Besuchern die einzigartige Landschaft des Naturparks Steinwald mit seinen vielen Felsen präsentiert.

Auf dem Quad führten Touren zu den Bio-Höhepunkten im östlichen Steinwald. Das Land der 1000 Teiche sowie markante Ziele im Naturpark Steinwald wurden dabei angefahren. Bei einer jeweils abschließenden Rast mit Bio-Brotzeiten konnte man das Abenteuer auf sich wirken lassen. Begeisterten Radlern aller Altersstufen bot man einen Ausflug, der kreuz und quer durch das östliche Gebiet der Steinwald-Allianz führte. Auf der Tour wurden Stopps an blühenden Mohnfeldern, bei Landwirten, Milchvieh- und Hühnerhaltern sowie bei Ackerbaubetrieben eingelegt. "Die Brotzeiten zwischendurch bei biozertifizierten Bäckern bescherten genüssliche Momente", fasste Eva Gibhardt zusammen.

Ergänzend zu regelmäßigen Bemühungen und Angeboten organisierte die Öko-Modellregion Steinwald in den zurückliegenden Jahren auch zahlreiche Bio-Aktivitäten. Die Angebote wurden dankend angenommen.
Stets ausgebucht war der „berittene Cowboy-Dienstag“. Urlaubern und auswärtigen Besuchern wurde, geführt von den „Reitermädels Grenzmühle“ (Bild), die einzigartige Landschaft des Naturparks Steinwald auf dem Rücken der Pferde präsentiert.

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