Friedenfels
13.01.2019 - 10:09 Uhr

Der Habichtskauz ist zurück in Bayerns Wäldern

Bereicherung bei der Luchstagung: Neben Pinselohr und Wolf informiert der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern über das Projekt „Wiedereinbürgerung Habichtskauz“.

Wenn alte, starke Hochstümpfe nicht zur Verfügung stehen, nimmt der Habichtskauz gerne auch künstliche Nisthilfen (wie hier im Bild) an. Bild: bsc
Wenn alte, starke Hochstümpfe nicht zur Verfügung stehen, nimmt der Habichtskauz gerne auch künstliche Nisthilfen (wie hier im Bild) an.

Vereinsvorsitzender Johannes Bradtka und Projektleiterin Michaela Domeyer präsentierten dabei umfangreiches Wissen sowie Ziele des Projekts und brachten durch das Einspielen von Tonaufnahmen dem interessierten Publikum die Rufe des Habichtskauzes näher. Nicht ganz ohne Hintergedanken, wie Johannes Bradtka schmunzelnd meinte: „Helfen Sie mit, dass dieses Projekt ein Erfolg wird. Habichtskauze sind sehr zutraulich, man kann sie tagsüber beobachten an Ortsrändern, entlang von Wiesen und an Kirrungen. Sollten Sie Ringe, Federn und Gewölle finden oder Beobachtungen machen oder sogar die eingespielten Tonaufnahmen wiedererkennen, nehmen Sie mit uns Kontakt auf.“

Johannes Bradtka: „Die ersten Vorbereitungen zur Wiederansiedelung des Habichtskauzes in Nordbayern begannen im Jahr 2015. Im Juni 2017 war es dann endlich so weit. Die ersten sechs in zoologischen Gärten nachgezüchteten Jungeulen wurden im Naturpark Steinwald rund vier Wochen lang in einer Eingewöhnungsvoliere auf ihr Überleben in freier Natur vorbereitet. Im Juli wurden sie bei bester Kondition und entwöhnt vom Menschen endgültig in die Freiheit entlassen. Sie sollen sich künftig in den Wäldern Nordostbayerns bis hin nach Sachsen, Thüringen und in unser Nachbarland Tschechien ausbreiten und eine stabile Habichtskauz-Population bilden.“

Der Vereinsvorsitzende verwies hierbei auf ein gutes Züchternetz. Johannes Bradtka: „Wichtig für die Jungtiere ist der unmittelbare Kontakt zu den Eltern während der Aufzuchtphase für das spätere Sozial- und Reproduktionsverhalten. 70 Tage nach der Geburt erfolgt die Abholung, dann 30 Tage Eingewöhnung in unseren Volieren. Der beste Zeitpunkt für die Auswilderung ist nämlich etwa 100 Tage nach der Geburt.“ Stolz machte Bradtka auch, dass die ersten Reviernachweise im Steinwald im vergangenen Jahr ein Beweis für die umfangreichen Bemühungen waren. Um einen noch besseren Nachweis über eine erfolgreiche Wiedereinbürgerung zu erlangen, hatte Johannes Bradtka jedoch ein besonderes Anliegen. „Wir wünschen uns eine GPS-GSM-Telemetrie“, ähnlich wie beim Luchs, nur muss hier der Sender natürlich erheblich leichter sein. "Wir sind bereits mit Herstellern in Kontakt.“

Hintergrund:

Selten und imposant

Noch im 19. Jahrhundert brütete der Habichtskauz im Bayerischen und Oberpfälzer Wald sowie im Böhmerwald, im Fichtelgebirge und Vogtland. Ein kleines isoliertes Restvorkommen in Deutschland ist aktuell nur noch aus dem Bayerischen Wald bekannt. Der Habichtskauz zählt zu den seltensten Eulen in ganz Mitteleuropa und ist streng geschützt. Mit einer Größe von rund 60 Zentimetern und einer Spannweite von bis zu 125 Zentimetern ist er der größte Kauz Mitteleuropas. Er lebt monogam und erreicht ein Höchstalter von über 20 Jahren. Im Unterschied zum Waldkauz ist er kontrastreicher gefärbt, deutlich größer und fast doppelt so schwer. Seine Paarungszeit ist meist im März oder April. Die Brutzeit beträgt 27 bis 29 Tage. Er legt zwei bis sechs Eier, aus denen durchschnittlich zwei bis drei Jungkäuze hervorgehen.

Seine Hauptlebensräume sind große und ruhige Wälder, durchsetzt mit Gewässern und Wiesen, auf denen er gerne seine Hauptnahrung, Mäuse alter Art, erbeutet. Große Baumhöhlen, abgebrochene vermodernde Baumstümpfe, aber auch verlassene Greifvogelhorste sind seine natürlichen Brutplätze. Sehr gerne nimmt er auch künstliche Nisthilfen (Brutkästen) an.

Das Projekt „Wiedereinbürgerung Habichtskauz“ verfolgt keinen einseitigen, nur auf Artenschutz ausgelegten, sondern einen vielfältigen Ansatz. Im gesamten Projektgebiet werden über Jahre hinweg Biotopbäume und Totholz gefördert, kleinere Waldwiesen geschaffen und naturnahe stehende Kleingewässer neu angelegt. Davon werden zahlreiche andere Artengruppen, wie beispielsweise Insekten, Moose, Pilze, Flechten und Amphibien, profitieren. Umweltbildung und Umweltpädagogik stellen einen weiteren Projektschwerpunkt dar. Kinder und Jugendliche sollen in die Wiederansiedlung eingebunden werden und die Kompetenz erlangen, künftig eine persönliche Verantwortung für den Schutz der Natur und ihrer Lebensvielfalt zu übernehmen. Das gesamte Projekt ist über einen Zeitraum von zehn Jahren geplant. Jedes Jahr sollen bis zu maximal 20 junge Habichtskäuze in die Freiheit entlassen werden. Dies ist außerhalb eines Nationalparks für Deutschland bisher einmalig. Die Wiedereinbürgerung stößt auf eine breite gesellschaftliche Akzeptanz. Alle notwendigen natur- und tierschutzrechtlichen Genehmigungen wurden hierzu erteilt, informiert Johannes Bradtka. (bsc)

 
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