25.10.2018 - 16:16 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Klärendes zur Kläranlage

Das Thema erhitzt die Gemüter seit geraumer Zeit. Nach intensiver Debatte erklärt Bürgermeister Gottfried Härtl: "In der nächsten Gemeinderatssitzung fällt die endgültige Entscheidung, welche Kläranlage in Friedenfels gebaut wird."

Die Tage der alten Kläranlage in Friedenfels sind gezählt. In der nächsten Gemeinderatssitzung fällt die endgültige Entscheidung zum Neubau. Bei einer konventionellen Anlage würde der Standort beibehalten. Der Bau einer Biokläranlage würde in geringem Abstand realisiert.
von Bernhard SchultesProfil

Der Zusicherung des Bürgermeisters ging am Mittwochabend eine intensive Debatte der Gemeinderäte voraus. Edeltraud Kaßeckert, Oskar Schuster und Otmar Zeitler (alle Freie Wähler) forderten, die geplanten Tagesordnungspunkte "Bau einer Kläranlage mit Beratung über die verschiedenen Alternativen" und "Wasserversorgung Friedenfels, Einbau einer UV-Anlage" aus der nichtöffentlichen in die öffentliche Sitzung zu verlegen. Edeltraud Kaßeckert zitierte dabei Artikel 52 der Gemeindeordnung, nach der die Sitzungen öffentlich zu führen sind, soweit nicht Rücksicht auf das Wohl der Allgemeinheit oder auf berechtigte Ansprüche Einzelner zu nehmen sei.

Die Freien Wähler wollten damit eine Unterrichtung der Öffentlichkeit im Hinblick auf die lange Planungsphase bei der Kläranlage und zu Stammtischparolen beim Thema Trinkwasser erwirken. Mit einer allgemeinen Information zur Kläranlage konnte sich Bürgermeister Gottfried Härtl anfreunden. "Einzelne Details werde ich jedoch in der Öffentlichkeit diesmal noch nicht behandeln. Jeder von euch weiß, warum die Planung so lange gedauert hat", sagte er sichtlich verstimmt. Somit wurde nach Zustimmung aller Räte der Tagesordnungspunkt Kläranlage in einen öffentlichen und einen nichtöffentlichen gesplittet. Bürgermeister Härtl erläuterte den derzeitigen Planungsstand zur Kläranlage. Die Schlossbrauerei, die eine Biokläranlage favorisiere, habe im September 2018 eine Neuberechnung zur Kläranlage vorgelegt. "Die Gemeinde hat diese Berechnung an das Wasserwirtschaftsamt und die Fachstellen weitergeleitet." Ferner habe er mit allen Fraktionssprechern über das weitere Vorgehen gesprochen, so der Bürgermeister.

Mehrere Varianten

"Mit Planungsbüros für Biokläranlagen und dem Wasserwirtschaftsamt wurden bereits im Vorfeld die verschiedenen Modelle erörtert. Mit dem Landesamt für Umwelt konnte man sich auf eine zulässige Variante einigen", fuhr Härtl fort. Neben einer herkömmlichen konventionellen Anlage auf dem Standort der jetzigen Kläranlage wäre eine Pflanzenkläranlage in zwei Formen möglich.

Edeltraud Kaßeckert sah bei einer Biokläranlage Unwägbarkeiten und wollte deshalb von Bürgermeister Gottfried Härtl wissen, wer denn dem Bürger die Kosten der gestiegenen Baupreise durch die mittlerweile lange Planungszeit ersetzt, wenn es doch zu einer klassischen Variante kommen sollte. Außerdem erkundigte sie sich, welcher Fachmann sicherstellen kann, dass eine Biokläranlage genauso lange funktioniere wie eine herkömmliche. Bürgermeister Härtl entgegnete: "Welcher Bürger zahlt uns etwas nach, weil wir weniger Gebühren verlangt haben." Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg (CSU), der sich seit vielen Monaten für eine Biokläranlage engagiert, stellte klar, dass die Entscheidung beim Gemeinderat liege. Er sagte: "Wenn man sich für eine Biokläranlage entscheiden sollte, werden die Friedenfelser Betriebe der Gemeinde ein Angebot über ein Betreibermodell vorlegen." Die benötigte Fläche werde er kostenlos zur Verfügung stellen. Die Funktionstüchtigkeit der Kläranlage würden das Wasserwirtschaftsamt und das Landratsamt wie bei einer klassischen Kläranlage überwachen, so Freiherr von Gemmingen-Hornberg weiter, der noch hinzufügte: "Mit diesem Modell würden die Gemeinde und die Hausbesitzer viel Geld sparen." Lisa Rauh (Bündnis 90/Die Grünen) entgegnete: "Für mich persönlich ist es ein Problem, die Abwasserentsorgung aus den gemeindlichen Händen zu geben. Wir sind dann abhängig von einem Wirtschaftsbetrieb und haben dadurch keinen Einblick mehr." Transparenz und die Unterrichtung der Bürger verlangten die Freien Wähler am Mittwoch auch zum Thema "Wasserversorgung Friedenfels." Hintergrund: Bei der wöchentlichen Kontrolle und Messung des Trinkwassers traten im April erstmals Belastungen durch coliforme Keime auf. Da der Gesetzgeber bei der Trinkwasserverordnung den Grenzwert null vorschreibt und feststellbare Konzentrationen auch bei nachfolgenden Messungen aufgetreten sind, wurde in Absprache mit dem Gesundheitsamt nur noch Wasser aus Tiefbrunnen in das Leitungsnetz eingespeist. Die Restversorgung erfolgte über die Steinwaldgruppe.

Keine Gefahr für Bürger

In Griff bekommen will man das Problem in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt durch den Einbau einer mit UV-Licht arbeitenden Desinfektionsanlage, wie das Gemeindeoberhaupt ankündigte. Eine kontinuierliche Desinfektion des Trinkwassers sei damit gewährleistet. "Eine Gefahr für die Friedenfelser Bevölkerung bestand jedoch zu keinem Zeitpunkt", betonte Bürgermeister Gottfried Härtl. Er informierte weiter, dass benachbarte Gemeinden und Städte ebenfalls durch UV-Anlagen die Keimfreiheit ihres Trinkwassers sicherstellen.

Einstimmig wurde deshalb die Verwaltung ermächtigt, die vom Gesundheitsamt geforderte UV-Anlage zu realisieren. Den Zuschlag soll der Anbieter erhalten, der neben dem Preis auch die zügigste Umsetzung gewährleisten kann.

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