Der Abend zur Gründung eines "Runden Tisches" mit dem Ziel "ein Arzt für Friedenfels" war gut besucht. Otmar Zeitler, Vorsitzender der Siedlergemeinschaft Friedenfels, informierte im Gasthof "Goldener Engel": "Mehrfach wurde ich darauf hingewiesen, dass unsere Mitglieder im Verein immer älter werden und deshalb immer häufiger auf einen Arzt angewiesen sind. Dieses Problem lässt sich auf den ganzen Ort übertragen." Die momentane Situation, ohne Arzt, sei nicht akzeptabel.
Zeitler war es wichtig, die Wünsche der Bürger zu diesem Thema zu hören, um weitere Schritte einleiten zu können. Unmissverständlich zeigte Otmar Zeitler jedoch auch auf, dass es sehr schwierig ist, einen Allgemeinarzt oder Internisten nur für den Erholungsort allein als Nachfolger für den bisherigen Hausarzt zu finden. Mehr Chancen sah Zeitler in einer Gründung von Zweigpraxen - in Verbindung mit Gemeinden wie Krummennaab oder Fuchsmühl. Otmar Zeitler: "Einen Grund für den Hausärztemangel sahen junge Allgemeinmediziner bei einer Podiumsdiskussion allgemein im schlechten Image, das dem Beruf des Hausarztes nach wie vor anhaftet." In Unikliniken werde immer noch auf die Allgemeinmedizin herabgesehen. "Deshalb sind auch die Gemeinden gefordert, um jungen Ärzten die Berufswahl Hausarzt attraktiv zu machen."
Mit Projekten wie Ärztehäusern, in denen junge Ärzte mit Kollegen zusammenarbeiten können und in denen sich auch Teilzeitmodelle verwirklichen lassen, seien manche Gemeinden bereits erfolgreich. Zeitler: "Mit einem Ärztehaus und dem Angebot, dort in der Startphase mietfrei praktizieren zu können, hat man junge Ärzte überzeugen können, sich im ländlichen Raum niederzulassen." Der Siedler-Vorsitzende nannte dafür auch Beispiele. Zeitler wusste aber auch, dass das Umfeld in der Stadt und Gemeinde passen müsse. "So müssen Berufsmöglichkeiten für den Partner, oft ebenfalls Akademiker, vorhanden sein. Und es muss eine gute Infrastruktur mit Kindertagesstätten und Schulen vor Ort geben, damit der Zuzug für eine junge Arztfamilie attraktiv ist."
Mit Verweis auf den Koalitionsvertrag der neuen bayerischen Regierung sagte Zeitler: "Es bestehen Chancen und neue Lichtblicke für Landärzte." Denn die wohnortnahe medizinische und pharmazeutische Versorgung solle gestärkt werden. Die Zahl der Studienplätze solle um über 2000 erhöht werden. Weiter zitierte der Siedler-Vorsitzende aus dem Koalitionsvertrag: "Wir sorgen dafür, dass auch in den ländlichen Regionen Bayerns die medizinische Versorgung gesichert bleibt. Hierzu führen wir eine Landarztquote und eine neue Landarztprämie ein. Bei der Vergabe von Medizin-Studienplätzen schöpfen wir alle Möglichkeiten für eine Landarztquote aus. Das Landarztstipendium gewähren wir auch Fachärzten. Wir wollen Kommunen dabei unterstützen, einen Beitrag für die medizinische Versorgung in ihrer jeweiligen Gemeinde zu leisten."
Nachdem er der Versammlung noch verschiedene Fördermaßnahmen vorgestellt hatte, gab Otmar Zeitler die Diskussion frei. Hierbei zeigte sich, dass sich nach der altersbedingten Schließung der letzten Arztpraxis im Erholungsort vor elf Monaten vor allem motorisierte Arztbesucher mit dem Zustand abgefunden haben. "Ich bin ja mit dem Auto schnell in Erbendorf und Wiesau und hab hier gleich noch die Apotheke für die Rezepte. Und verbinde dann meinen Arztbesuch mit dem Einkaufen", war einer der Hinweise. Ob das Vorhaben zur Ansiedlung eines Arztes überhaupt noch gelingen kann, stellten weitere Anwesende infrage: "Mittlerweile haben sich viele Friedenfelser einen Hausarzt in den Nachbargemeinden gesucht. Wenn die alle zufrieden sind, kommt keiner mehr zurück", waren die Bedenken.
Für die älteren und alleinstehenden Menschen ohne Fahrmöglichkeiten jedoch, gibt es keine Alternative. Sie wünschten sich unbedingt einen Arzt im Ort, wenn auch nur in einer Zweitpraxis oder in tageweiser Besetzung. "Der öffentliche Nahverkehr besteht aus einer Früh-, einer Mittags- und einer Abendverbindung", meinte eine ältere Dame. Dieser Hinweise brachte Otmar Zeitler auf die Idee, Arztbesuche nach Erbendorf oder Wiesau für die ältere Generation eventuell mit dem Gemeindebus durchzuführen. "Dies wäre zumindest eine kleine Hilfe, bis wir wieder einen Arzt haben", so Otmar Zeitler. Eine mögliche Umsetzung will der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft umgehend prüfen. Er versprach. "Ich werde mich für Ihre Anliegen einsetzen und sie dann im Gemeinderat vorbringen."














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