15.11.2019 - 11:17 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Kritischer Seelsorger spricht Klartext

Acht Fahnenabordnungen aus den Ortsverbänden des Kolping-Bezirksverbandes umrahmen den Hochaltar bei einem feierlichen Gottesdienst. Bei der Bezirksversammlung lauschten die Besucher im Anschluss einem Vortrag mit deutlichen Worten.

Mit einem feierlichen Gottesdienst eröffneten (von links) Pfarrer Matthias Fischer, Bezirkspräses Pfarrer Martin Besold aus Erbendorf und Ortspräses Pfarrer Joseph die Versammlung des Kolping-Bezirksverbandes Tirschenreuth in Friedenfels. Mit dabei acht Fahnenabordnungen aus den Ortsverbänden.
von Bernhard SchultesProfil

Zusammen mit den Ortsverbänden und ihren Bannern zogen Bezirkspräses Pfarrer Martin Besold aus Erbendorf, Ortspräses Pfarrer Joseph und der gebürtige Friedenfelser Pfarrer Matthias Fischer unter Orgelklängen in die Pfarrkirche Maria Immaculata ein.

"Es ist schön, dass sich die Kolpingsfamilien mit dem Priestersein und dem priesterlichen Leben auseinandersetzen und beschäftigen", meinte Pfarrer Martin Besold zu Beginn des Gottesdienstes. "Adolph Kolping hat dies in seinem Leben nämlich sehr oft gemacht." Pfarrer Besold erinnerte in einer kurzen Predigt zudem an den Gründer des Kolpingwerkes und lobte sein soziales Engagement.

Im Vereinslokal "Goldener Engel" der gastgebenden Kolpingsfamilie Friedenfels hieß der Friedenfelser Vorsitzende Reiner Gärtner eine beachtliche Zahl an interessierten Besuchern willkommen. Gekommen waren die Kirchenbesucher und Gäste vor allem, um dem angekündigten Vortrag des Treuchtlinger Pfarrers Matthias Fischer zu lauschen - "Warum heute Priester werden und sein". Ein weiterer Grund war das eine oder andere erhoffte persönliche Gespräch. Denn viele kennen den 1972 geborenen Friedenfelser und erinnerten sich an das große Fest der Primiz am 5. Juli 1998 im Erholungsort.

Ihr Kommen brauchten weder Einheimische noch Auswärtige bereuen. Der redegewandte Geistliche hatte für alle Fragen ein offenes Ohr. Auch nahm Pfarrer Matthias Fischer kein Blatt vor den Mund und prangerte an, was ihm derzeit an "seiner Kirche" nicht gefällt und was sich darum herum abspielt. Pfarrer Fischer wörtlich: "Ich bedauere die Finanzaffäre der Diözese Limburg. Ich schüttle den Kopf über den Finanzskandal der Diözese Eichstätt."

"Ich bin entsetzt"

Fischer weiter: "Ich bin wütend auf Mitbrüder, die über Jahre, gar Jahrzehnte hinweg Kinder und Jugendliche missbraucht haben. Mir stockt der Atem, wenn ich lese und in den Nachrichten erfahre, dass selbst Ordensleute - vor allem Schwestern - in ihren Klöstern von Priestern im Beichtstuhl missbraucht wurden. Ich bin entsetzt über die ,Sprachlosigkeit' mancher Bischöfe zum Thema ,Kommunion für konfessionsverschiedene Ehepaare', über Bischöfe, die sich anscheinend keine Entscheidung fällen trauen, weil sie in der eigenen Diözese zu großen Widerspruch befürchten. Über Bischöfe und Priester, die am liebsten wieder vor das Konzil zurück wollen und die Messe am liebsten in lateinischer Sprache und mit Rücken zum Volk feiern würden. "Ich könnte explodieren", so Matthias Fischer, "wenn ich dann wieder von einer Gruppe der ,Wahren Katholiken' anonyme Briefe erhalte, in denen sie mir vorwerfen, ich sei nicht katholisch genug - und ich solle Buße tun, damit ich von Gott nicht verworfen werde".

Diener der Freude

"Und trotzdem bin ich überzeugt von der Botschaft, die ich verkünde, von dem, was ich tue - nicht als Herr des Glaubens, sondern als Diener der Freude - wie ich es mir in meinem Primizspruch aus dem Korintherbrief ausgesucht habe", sagte Pfarrer Matthias Fischer. Er sprach auch über seine Kinder- und Jugendzeit. "Wenn ich auf meinen eigenen Weg schaue, dann war der von Kindesbeinen an geprägt von der Nähe zur Kirche. Ob als Ministrant, als Mesner und im Kirchenchor. Meine Friedenfelser Pfarrer - Pfarrer Dotter, Pfarrer Meier und Pfarrer Haußmann - waren keine Fremden für mich und unsere Familie. Und so ist der Wunsch schon früh da gewesen, diesen Beruf einzuschlagen. Besser gesagt, dieser Berufung nachzugehen", erzählte der Geistliche.

Jederzeit wieder

Schon als Kind habe er zu Hause "Kirche gespielt" - ob das heute noch Kinder tun, fragte er die Versammlung. Durch seine Jugendzeit waren die Voraussetzungen gegeben, diesen Berufungsweg einzuschlagen, meinte Pfarrer Fischer und betonte im Anschluss sofort: "Ich würde auch heute jederzeit wieder diesen Weg einschlagen."

Mit bemerkenswerten Worten beendete er den Vortragsabend: "Ich komme zum letzten Punkt, zum eigentlichen Hauptteil dieses Vortrags. Warum also heute noch Priester werden?" Pfarrer Matthias Fischer: "Weil es für mich, auch fast 22 Jahre nach meiner Weihe, keinen anderen Beruf gibt, bei dem ich eine solche Spannbreite an Begegnungen mit Menschen in verschiedenen Situationen des Lebens begleiten darf und ihnen den Glauben als Stütze und Halt anbieten kann."

Ein langer Applaus war das deutliche Zeichen von Zustimmung und Einklang mit dem Publikum. Kolpingvorsitzender Reiner Gärtner überreichte dem Priester abschließend eine kleine Stärkung (regionale Lebensmittel aus der früheren Heimat) und dankte Pfarrer Matthias Fischer für sein Kommen.

Für seinen lebendigen und interessanten Vortrag erhielt Pfarrer Matthias Fischer viel Applaus.
Gut besucht war das Vereinslokal der Kolpingsfamilie Friedenfels bei der Bezirksversammlung.
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