18.07.2018 - 15:48 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Luchse Fee und Hotzenplotz fühlen sich wohl im Steinwald

„Noch ist es viel zu früh um zu spekulieren“, meinte Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg zur künftigen Entfaltung und einer dauerhaften Ansiedelung der freigelassenen Luchse im Steinwald.

Der im April freigelassene Luchs ist dem Steinwald treu geblieben. Die aus großer Entfernung geschossenen Bilder lassen die Annahme zu, dass sich der Luchs in der Region gut eingelebt hat.
von Bernhard SchultesProfil

(bsc) Im Saal der Schlossschänke zog der Vorsitzende des Naturpark Steinwalds vor Jägern Naturfreunden, Förstern, Landwirten und sonstigen Interessierten ein erstes Resümee nach der Aussetzung des zweiten Luchses. Von Gemmingen-Hornberg, seit vielen Jahren Förderer und Befürworter der Wiederansiedelung von Luchsen im Steinwald, präsentierte mit Manfred Wölfel und Sarah Schölzel vom Landesamt für Umwelt zudem fachkundige Referenten.

Negative Einflüsse

Wölfel betonte, dass die Population des Luchses in Bayern von einer Reihe negativer Einflüsse bedroht werde. Der Mann vom Landesamt: "Das Hauptziel unserer Arbeit und des Projekts ,3Lynx'' ist ein besserer Schutz dieser Tiere durch die Kooperation von Fachleuten und Experten. Ein weiteres Ziel des Projekts ist die Verbesserung der Kommunikation zwischen dem staatlichen Naturschutz, Jägern, Förstern und Wissenschaftlern." Sie alle könnten zum Schutz der Population dieses seltenen Raubtieres beitragen. Es sei nötig, dass sie sowohl Forschungsdaten als auch Erfahrungen austauschen und gemeinsam nach Lösungen für Probleme suchen, meinte Wölfel.

Ausführlich ging Wölfel in einer faszinierenden Dokumentation auf die Aufzucht und Pflege von verwaisten Jungen aus dem Bayerischen Wald und die Wiederfreilassung im Steinwald ein. Unterstützt wurden diese Maßnahmen von der Sachbearbeiterin im Wildtiermanagement, Sarah Schölzel. Mit Bildern, Zahlen und Hinweisen präsentierte sie auf Großleinwand das Leben von "Fee" und "Hotzenplotz", wie die beiden im Steinwald freigelassenen Raubkatzen getauft worden sind.

Der erst vor einigen Wochen ausgesetzte Luchskuder ist mit einem Sender-Halsband bestückt, das später einmal von alleine abfallen wird. Detailliert ist deshalb bekannt, wo er sich vom 30. April bis 15. Juni herumgetrieben hat. Durch die radiotelemetrische Überwachung mittels Antenne kann Sarah Schölzel alle Aktivitäten nachweisen, ohne das scheue Raubtier zu stören. Ihr Fazit nach der siebenwöchigen "Begleitung": ",Hotzenplotz' fühlt sich wohl im Steinwald." Den Besuchern zeigte sie auf der Landkarte das großräumige Streifgebiet des Jung-Luchses. Auch die Tageslager konnte sie ausfindig machen und sogar fotografieren. Da sich der Jungluchs tagsüber nicht von der Stelle bewegte und nur faul in der Sonne lag, konnte sie diese Stellen genau orten.

Einzigartige Aufnahmen aus sicherem Versteck oder mit Fotofallen gelangen der Mitarbeiterin des Landesamts für Umwelt in den vergangenen Wochen. Auch die abendlichen und nächtlichen Aktivitäten konnte sie fotografisch dokumentieren, darunter das erste erbeuteten Reh und das Zerlegen der Beute.

Schölzel ist überzeugt, dass sich die Luchsdame, die bereits 2016 im Steinwald freigelassen worden ist, und das Männchen bereits begegnet sind. "In diesem Jahr jedoch noch ohne ernste Folgen", wie Manfred Wölfel wusste. ",Hotzenplotz' war in diesem Jahr noch zu jung für eine Paarung. Außerdem war die Ranzzeit schon vorbei, als er freigelassen wurde." Die Unterstützer des ehrgeizigen Luchsprojekts hoffen, dass die Paarung im nächsten Jahr klappt und eine Population der Pinselohren in der Region entsteht.

Das Landesamt für Umwelt strebt nun anstelle der täglichen Überwachung eine wöchentliche Ortung des Luchses an. In der Ranzzeit soll diese intensiviert werden. Langfristig sollen noch mehr Fotofallen das Telemetrieren ablösen. Dazu zählt anhand der bekannten Streifgebiete des Luchses die Suche nach geeigneten Fotofallen-Standorten und eine noch engere Zusammenarbeit mit den jeweiligen Revierpächtern. Besonders das Fotofallen-Monitoring mit mittlerweile vielen Kameras sorgt für wichtige Informationen.




Positive Erfahrungen

Die Ergebnisse zeigten dabei, dass der Steinwald mit seinem hohen Rehwildbestand ein geeigneter Lebensraum sein könnte. Auf die 2016 in die Freiheit entlassene "Fee" reagierte die Bevölkerung sehr positiv. Die Organisatoren sind zuversichtlich, dass sich dies bei "Hotzenplotz" wiederholt. Alle Maßnahmen bei der Freilassung des Luchs-Männchens in diesem Jahr wurden mit den Betroffenen erörtert und abgesprochen. Jäger, BJV-Kreisgruppen, Landwirte, die Staatsforstbetriebe Waldsassen und Fichtelberg sowie die beiden Naturparke Steinwald und Fichtelgebirge stimmten zu. Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg: "In den vergangenen zwei Jahren wurden keine schlechten Erfahrungen mit den freigelassenen Luchsen an uns herangetragen."

Mit großem Fachwissen beeindruckten bei der ersten Informationsversammlung zum Ansiedelungsprojekt „Luchse im Steinwald“, Manfred Wölfel und Sarah Schölzel vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (von links). Der Vorsitzende des Naturparks Steinwald, Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg (rechts), dankte den Referenten für die umfangreiche Aufklärung.
Luchs sitzend
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