Direkt am Meer, den Sand der Ostsee vor den Füßen, verbrachten die Mitglieder der Künstlervereinigung "focus-europa" mit Sitz in Neudrossenfeld (Landkreis Kulmbach) mit russischen Kunstschaffenden zehn wundervolle Tage mit irisierendem Wellenspiel, ständig wechselnden Meeresfarben, atemberaubenden Sonnenuntergängen und einem Sternenhimmel so klar und intensiv, als wäre er gemalt. Die Art-Vitland-Residence, wo die Deutschen nächtigten, war genau die richtige Galerie und Bühne, um die inspirierende Einsamkeit, die pure Naturnähe, einen fast unbegrenzten Horizont und eine nicht mehr gewohnte Stille zwischen Wald und Baltic Sea in die Werke einfließen zu lassen.
Robin Seur, der gebürtige Niederländer aus Amsterdam, seit längerer Zeit in Friedenfels wohnhaft und dort im eigenen Atelier tätig, hatte seine Schülerin Corinna Jungnikl aus Nagel mitgebracht. Beide schufen bei dem Symposium zahlreiche Unikate. Die Umgebung regte die Kreativität an, die unmittelbar in die Bilder einfloss. Seur, der gelernte Malermeister, Porträtist und Restaurator mit Malschule in Marktredwitz, ließ sich zu Landschaften im Deco-Stil verführen, denen er monströse Farbigkeit aus seiner langen Zeit in der Karibik und in Afrika hinzufügte, vorwiegend in Oel auf Leinwand.
Es entstanden Unikate im Realismus und Surrealismus, in einer selten gesehenen Geistesutopie, dazu eine Serie in purem Schwarz und Weiß. Schatten von Frauenfiguren gleiten ins Mysteriöse, Wolkengebirge und Sonnenuntergänge verschmelzen miteinander. Seur: „Ich war noch nie in Russland, das frühere Ostpreußen mit seinen weiten Stränden und dem besonderen Licht hat großen Eindruck bei mir hinterlassen.“
Die 19-jährige Corinna Jungnikl ist ganz begeistert von dem Auslandsaufenthalt: „Ich war wie verwandelt, stand ständig im lichtdurchfluteten Atelier mit Blick aufs Meer, experimentierte sogar mit Schwamm.“ Ihren ganz individuellen Stil habe sie noch nicht gefunden, sagt sie. Sie arbeite viel mit Acryl und Öl. Die Abiturientin mit Note eins im Kunstunterricht hat jetzt eine Ausbildung zur Produkt-Designerin in Selb aufgenommen, will mit ihrem Lehrer Robin Seur zu neuen Wurzeln finden. In Vitland versuchte sie, Gefundenes an der Küste auf der Leinwand festzuhalten, uralte Holzstücke, Muscheln. Steine und Sand vermischte sie zu teils mystischen Fragmenten. Eben Natur in Kunst verwandelt. Beide Künstler freuen sich schon, wenn die russischen Kunstfreunde, zu denen eine herzliche Freundschaft über alle Sprach- und Denkgrenzen hinweg entstand, nächstes Jahr zum Gegenbesuch nach Neudrossenfeld kommen. Lutz-Benno Kracke, lange Jahre Vorsitzender von "focus-europa", will vier Künstler aus Kaliningrad 2019 in die Galerie Eishaus einladen.















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