Die Höhere Naturschutzbehörde informierte bei einem "runden Tisch" Kommunen und Grundeigentümer über den Sachstand. Planer, Mitarbeiter von Fachbüros und Referenten der Regierung der Oberpfalz stellten in der Steinwaldhalle den Entwurf des Managementplans vor. Christine Raab von der Höheren Naturschutzbehörde in Regensburg freute sich bei der Begrüßung über das breite Interesse von Landwirten, Bewirtschaftern, Verbänden und Vertreter der Kommunen. "Unter dem Namen Natura 2000 hat der Freistaat Bayern ein europaweit zusammenhängendes ökologisches Netz aus Fauna-Flora-Habitat und Vogelschutzgebieten eingerichtet. Hauptziele von Natura 2000 sind der Erhalt unseres heimischen Naturerbes, aber auch die Sicherung einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Landnutzung durch die Landwirte und Waldbesitzer", so Raab.
Deutlich stellten sie und die weiteren Redner, Tobias Maul von der Höheren Naturschutzbehörde, die Natura-2000-Koordinatorin Helga Veron, der Fischereifachberater der Oberpfalz, Dr. Thomas Ring, die Muschelspezialisten Dr. Robert Vandré und Christine Schmidt vom Büro Schmidt & Partner sowie Robert Mertl das Prinzip der Freiwilligkeit in den Mittelpunkt. Sie wiesen aber auch darauf hin, dass für die Natura- 2000-Gebiete die gesetzliche Verpflichtung gelte, dass sich die Lebensraumtypen und -grundlagen der zu schützenden Tier- und Pflanzenarten nicht verschlechtern dürften.
Maßnahmen aufgelistet
In dem vorliegenden Entwurf des Managementplans für Grenz- und Heinbach sind ganz konkrete Maßnahmen zum Erhalt der Flussperlmuschel aufgelistet. Christine Raab von der Höheren Naturschutzbehörde wusste aber auch, dass die Auswahl der Gebiete und deren Meldung an die EU manche Unsicherheit und Befürchtung über die Auswirkungen ausgelöst hat. "Deshalb möchten wir die Eigentümer und Bewirtschafter informieren, ob Natura 2000 für sie zu Einschränkungen führt. Der Managementplan verschafft Klarheit und Planungssicherheit."
Erste Verbesserungen
Die naturnahe Bewirtschaftung des Waldes und im Offenland hätten bereits zu einen hochwertigen Zustand geführt, meinten die Referenten und gaben leichte Entwarnung: "In den meisten Fällen wird die Bewirtschaftung unverändert fortgesetzt werden können. In den Fällen, in denen Veränderungen notwendig sind, bieten wir Gelegenheit, soweit wie möglich einvernehmlich Lösungen zu finden und Spielräume auszunutzen, damit die Interessen der Grundeigentümer berücksichtigt werden können.".
Christine Raab betonte: "Der Grenzbach und der Heinbach im Steinwald sind ein wichtiger Bestandteil im Natura-2000-Netz und von überregionaler Bedeutung für die Flussperlmuschel. Dies hat auch die Meldung als FFH-Gebiet unterstrichen." Umsetzungsmaßnahmen an diesen Wasserläufen unter der Leitung von Robert Mertl hätten bereits zu Verbesserung geführt. Als Beweis präsentierten die Referenten eindrucksvolle Bilder vom Waldumbau, Entfichtungen und neuen Gehölzen entlang der beiden Fließgewässer. Diese Maßnahmen waren nach Auskunft der Experten für die Flussperlmuschel unbedingt notwendig, da sie extrem sauberes Wasser und ein Flussbett, das frei von Schlamm ist, benötige. "In beiden Wasserläufen gab es 1979 noch einen Bestand von über 2000 Exemplaren, bei der jüngsten Erhebung lag der Bestand bereits unter 250 und zeigte sich sehr veraltet", wusste die Diplom-Biologin. Christine Schmidt.
Auch die Groppe, ein kleiner Süßwasserfisch, der europaweit unter Natura 2000 geschützt ist, wie Fischereifachberater Ring von der berichtete, spielt bei den Überlegungen im Steinwald eine Rolle. "Die Groppe ist ebenfalls auf sehr saubere Gewässer angewiesen und reagiert empfindlich auf Maßnahmen, die den Lebensraum beeinträchtigen können."
Rege nutzten die Besucher die abschließende Diskussionsrunde mit den Behördenvertretern. Einzelne Details die dabei nicht geklärt werden konnten, bat Tobias Maul mit der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt in Tirschenreuth zu klären. "Wir stehen mit den Mitarbeiten in engem Kontakt", meinte der Vertreter aus Regensburg.
Auch Bachforellen sind wichtig
Die anspruchsvolle Flussperlmuschel benötigt nicht nur das richtige Gewässerbett und sauberes Wasser. Sie ist auch auf eine bestimmte Anzahl von Bachforellen im Flussökosystem angewiesen.
Die nur staubkorngroßen Muschellarven sterben, wenn sie sich nicht binnen weniger Stunden, nachdem sie vom Muschelweibchen ins Wasser abgegeben wurden, an die Kiemen einer Bachforelle heften können.
Dort wachsen die Glochidien genannten Larven bis zu zehn Monate lang zu etwa 0,4 mm kleinen Muscheln heran. Dann lösen sie sich von den Kiemen, lassen sich auf den Grund des Flusses sinken und vergraben sich komplett im Sediment.
Erst nach vier bis fünf Jahren kommen die Flussperlmuscheln dann wieder zum Vorschein. (bsc)










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