30.04.2020 - 10:27 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Pflichtaufgaben haben Vorrang

Nach 24 Jahren gibt es an der Spitze im Friedenfelser Rathaus ein neues Gesicht. Oskar Schuster löst Gottfried Härtl als Gemeindeoberhaupt auf dem Chefsessel ab.

Oskar Schuster tritt am 1. Mai offiziell sein Amt als Erster Bürgermeister im Erholungsort an.
von Bernhard SchultesProfil

Gemeindepolitik betreibt Oskar Schuster bereits seit Mai 2008. Seit diesem Zeitpunkt gehört der 65-Jährige dem Gemeinderat an und fungierte in der abgelaufenen Periode als Zweiter Bürgermeister der Gemeinde. Dabei sammelte er Erfahrung und kennt bereits zahlreiche Abläufe. Was der neue Rathauschef sonst noch alles vorhat und was er nach der Pandemie wieder in Schwung bringen will, verrät er in einem Interview mit Oberpfalz-Medien.

ONETZ: 2014 waren Sie bereits einmal für das Bürgermeisteramt angetreten, scheiterten damals jedoch knapp. Wann sind Sie zu dem Entschluss gekommen, sich für das Amt erneut zu bewerben?

Oskar Schuster: Am Wahlabend 2014, nachdem fest stand wie knapp das Ergebnis ausfiel war mir klar, dass viele Friedenfelser eine Veränderung wollen. Bereits vor sechs Jahren fasste ich den Entschluss die Amtsperiode zu nutzen um 2020 noch mal zur Bürgermeisterwahl anzutreten.

ONETZ: Sie waren in der vergangenen Amtsperiode als Zweiter Bürgermeister im Einsatz. Was wird für Sie anders werden, wenn Sie ab 1. Mai Chef sind?

Oskar Schuster: Die Verantwortung! Als Zweiter Bürgermeister erledigt man die Aufgaben, welche der Erste Bürgermeister delegiert und man vertritt ihn in seiner Urlaubszeit. Als Rathauschef trage ich künftig die Verantwortung für eine positive Entwicklung der Gemeinde. Ferner für das Wohl der Bürger von Friedenfels, das die Vereine kreativ das kulturelle Leben bereichern, die Infrastrukturen der Gemeinde zuverlässig funktionieren, die Investitionen unsere Zukunft sichern und die Finanzen in Ordnung sind. Dies kann jedoch nur gelingen, wenn die eigene und die Kreativität des Gemeinderates gebündelt und so das Beste für Friedenfels erreicht wird.

ONETZ: Offiziell treten Sie am 1. Mai ihr neues Amt an. In Zeiten von Corona läuft jedoch alles ein bisschen anders – wie wird die Übergabe verlaufen?

Oskar Schuster: Kurz und unspektakulär. Durch die Einschränkungen wegen Corona ist eine umfassende Übergabe nicht möglich. So wird sie sich auf die wenigen wirklich wichtigen Dinge beschränken. Die knappe Zeit muss genutzt werden. Es besteht die dringende Notwendigkeit bis zur Sitzung am 6. Mai einen Haushaltsentwurf aufzustellen, diesen zu beraten und dann am 20. Mai zu verabschieden.

ONETZ: Ihr Wahlsieg bei den Kommunalwahlen war deutlich: 85,8 Prozent der Stimmen entfielen auf Sie. Gibt Ihnen das für Ihr neues Amt zusätzliche Motivation?

Oskar Schuster: Meinen Wahlkampf habe ich geführt unter dem Motto „Bürgermeister für Alle“! Diese Aussage war offensichtlich so überzeugend, dass ich ohne Gegenkandidaten zur Wahl antreten musste. Außerdem habe ich mit dem festen Vorsatz kandidiert, in den nächsten sechs Jahren das Beste für Friedenfels zu erreichen. Unbestritten ist es jedoch ein gutes Gefühl, wenn 85,8 Prozent der Friedenfelser Wähler mit mir als ihren Bürgermeister einverstanden sind. Die Höhe des Wahlergebnisses ist aber nicht entscheidend für meine Motivation.

ONETZ: In Friedenfels stehen viele Projekte und besondere Aufgaben, wie etwa der Bau der Kläranlage, Sanierung des Lehrerwohnhauses und des Freibades sowie zahlreiche Straßenausbesserungen an. Was wollen Sie als erstes in Angriff nehmen?

Oskar Schuster: Die Pflichtaufgaben unserer Gemeinde haben absoluten Vorrang. Bei alle Projekten benötigen wir finanzielle Förderung. Da weder die Höhe der Förderung noch die Höhe der Einnahmen der Gemeinde wegen des wirtschaftlichen Einbruchs durch Corona geklärt sind, kann ich zurzeit keine zuverlässige Aussage machen über neue Projekte.
Zudem sind vorrangig die begonnenen Projekte – Sanierung Steinwaldhalle, Sanierung Hochbehälter und die Altlastsanierung „Tankstelle“ – abzuschließen. Eine weitere Pflichtaufgabe ist die in die Jahre gekommene Kläranlage. Somit kann 2020 eventuell nur eine Straßensanierung durchgeführt werden.

ONETZ: Werden Sie auch ab und zu mal einen Rat bei Ihrem Vorgänger Gottfried Härtl einholen, der 24 Jahre die Gemeinde geleitet hat?

Oskar Schuster: Es ist immer gut, wenn man weiß wen man fragen kann. Ich als Bürgermeisterneuling habe ganz bestimmt keine Scheu bei Bedarf nachzufragen. Ich bin sicher, das Gottfried Härtl nach 24 Dienstjahren als auch Otmar Zeitler nach 12 Dienstjahren, mir kompetente Auskünfte geben können.

ONETZ: Der Bürgermeister-Job wird im Erholungsort im Ehrenamt geführt. Wann werden Sie im Rathaus anzutreffen sein?

Oskar Schuster: Bis Ende Oktober 2020 bin ich noch beruflich montags und dienstags in Teilzeit tätig. Die restliche Zeit stehe ich für das Bürgermeisteramt zur Verfügung. Den genauen Zeitaufwand kann ich jedoch hierfür noch nicht genau einschätzen. Die Bürgersprechzeiten werden im „Gemeinde aktuell“ veröffentlicht, außerdem werde ich telefonisch erreichbar sein.

ONETZ: Wie geht es unter Ihrer Regie mit den großen gesellschaftlichen Ereignissen in Friedenfels – wie dem Bürgerfest, den Traditionsfesten oder dem Weihnachtsmarkt – weiter?

Oskar Schuster: Ich habe mir vorgenommen nichts zu verändern, was ich nicht verbessern kann. Das trifft vor allem auf die Feste und Veranstaltungen zu. Doch nun ist alles ganz anders. Alle Veranstaltungen sind auf unbestimmte Zeit abgesagt, was ich sehr bedauere. Das Vereinsleben ist fast auf Null reduziert. Wenn die Kontakt-Einschränkungen vorbei sind, werde ich mich mit den Vereinen an einen Tisch setzen, um das kulturelle Leben und die Veranstaltungen wieder zu beleben.

ONETZ: Sie sind in vielen Vereinen in Friedenfels Mitglied. Wie lässt sich Ihr Engagement mit Ihrem neuen Posten vereinbaren?

Oskar Schuster: In der Vergangenheit habe ich immer betont, dass die vielen Vereine mit ihren Aktivitäten für Friedenfels enorm wichtig sind und das kulturelle Leben bereichern. Meine Mitgliedschaft in den Vereinen soll vor allem die Wertschätzung und Unterstützung zeigen. Die Gespräche, der Gedankenaustausch und die Impulse aus den Vereinen haben mit Sicherheit einen positiven Einfluss auf meine Arbeit als Bürgermeister.

ONETZ: Ihre Schwester Lisa Rauh ist Fraktionsvorsitzenden der Grünen. Inwieweit beeinflusst Sie das politische Engagement Ihrer Schwester im Gemeinderat? Sprechen Sie sich öfters über anstehende Probleme und Aufgaben in der Gemeinde im Vorfeld ab?

Oskar Schuster: Ich bin Sternzeichen Steinbock und nur sehr schwer zu beeinflussen. Politische und familiäre Dinge versuche ich stets strikt zu trennen. Allerdings ist die politische Diskussion und das Gespräch mit allen anderen Fraktionen und dem Gemeinderat besonders wichtig, um bei den anstehenden teils komplexen Aufgaben, die beste Lösung und eine breite Zustimmung herbeizuführen.

ONETZ: Was schätzen Sie am meisten an ihrem Heimatort und was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?

Oskar Schuster: Friedenfels ist etwas ganz Besonderes! Ich bin beruflich sehr viel unterwegs, auch in großen Städten. Wenn dann die Termine erledigt sind und ich mich auf der Rückfahrt befinde, freue ich mich auf meine Familie, auf die Menschen in Friedenfels, auf die Natur und Landschaft, auf die Ruhe und mein Zuhause. Für mich ist Friedenfels der geographische Mittelpunkt meines Lebens.
In meiner Freizeit bin ich gerne mit meiner Frau und meinen Enkelkindern in der Natur unterwegs. Wandern, Radfahren, Spielen oder Basteln. Wintersport sowie Camping am Meer gehören ebenfalls dazu.

Info:

Zur Person:

Oskar Schuster ist 65 Jahre alt und lebt mit seiner Ehefrau Zita im Ortsteil Öd der Gemeinde Friedenfels. Er hat einen Sohn (Maximilian, 33 Jahre) und eine Tochter (Sylvie), die bereits 2017 mit nur 37 Jahren verstorben ist. Vier Enkel gehören zur Familie. Der 65-Jährige arbeitet noch bis im Herbst 2020 in Teilzeit als Betriebsleiter und Prokurist in einem Metallbauunternehmen. Seit 2008 ist er Mitglied im Gemeinderat, die vergangene Amtsperiode war er Zweiter Bürgermeister von Friedenfels.

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