02.05.2021 - 14:22 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Rehkitzrettung aus der Luft

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Zur Kitzsuche im Grünland setzte der Verein Rehkitzrettung Tirschenreuth im vergangenen Jahr „fliegende Wildretter“ ein. Über 300 Kitze entkamen dadurch dem sicheren Tod. Auch heuer will man mit den Drohnen möglichst viele Rehkitze retten.

Jedes gerettete Rehkitz freut auch die Helfer. Im Bild Sören Nimsch bei einem Rettungseinsatz 2019.
von Bernhard SchultesProfil

Auf etwas weniger Schlaf müssen sich die Mitglieder des Vereins Rehkitzrettung Tirschenreuth in den nächsten Wochen einstellen. Zweite Vorsitzende Annette Gleißner weiß, wovon sie spricht: „Unsere Mitglieder und Unterstützer, vom Drohnenpiloten bis zum Helfer, sind in den frühen Morgenstunden meist vor ihrer Arbeit und nach Feierabend bis in die Nacht hinein unterwegs. Doch wir alle machen es gerne, denn es geht um eine große emotionelle Sache.“

Überhaupt haben die Leidenschaft und das Engagement des Vereins im vergangenen Jahr in der Bevölkerung für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Die beiden Vorsitzenden, Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg und Annette Gleißner, wissen dies und freuen sich im Gespräch mit Oberpfalz-Medien darüber, auch ein weiteres Vereinsziel erreicht zu haben. „Durch unsere Drohneneinsätze konnten wir weitere Landwirte, Jagdpächter und Nachbarlandkreise für die Kitzrettung sensibilisieren."

Netzwerk aufgebaut

Neben der Hilfe für die Landwirte im Landkreis Tirschenreuth eröffnete sich nämlich ein großes Netzwerk um die Kitzrettung zusammen mit den Kreisen Neustadt und Amberg-Sulzbach sowie der Stadt Weiden. Ein besonders inniges Verhältnis pflegt man zum Verein Rehkitzrettung Amberg-Sulzbach wie Gleißner betonte. „Man steht hier in ständigem Erfahrungsaustausch.“

Dass das vorzeitige Aufspüren und damit die Rettung von Rehkitzen vor dem grausamen „Mähtod“ in den Wiesen seit der Vereinsgründung im Herbst 2019 gerne angenommen wurde, bestätigt der Vorsitzender Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg: „Im Grunde ist es die Aufgabe des Landwirts, vor der Mahd die Wiese nach Kitzen abzusuchen. Die Kitzrettung ist nicht nur im Sinne des Tierschutzes notwendig, sondern auch für die Landwirte selbst von großer Bedeutung. Vermähte Kitze im Futter können bei Kühen eine Vergiftung hervorrufen und somit zu Krankheit oder sogar zum Tod führen.“

Gericht: Strafe für Landwirt

Zudem verweist er auf einem Gerichtsurteil von 2020: Ein Landwirt musste mehrere Tausend Euro Strafe zahlen, weil er vor der Mahd eine Absuche nach den Kitzen auf seiner Wiese unterlassen hatte. „Unser Verein macht diese Dienstleistung fast ehrenamtlich. Lediglich drei Euro pro Hektar auf Spendenbasis fallen für das intensive Suchen an", so der Vorsitzende. Der geringe Betrag werde für die Unterhaltung und Versicherung der teuren Flugobjekte verwendet. Zwischen 6000 und 12.000 Euro muss man mittlerweile für eine professionelle Drohne, ausgerüstet mit einer Infrarot- und einer Videokamera, deren Bilder in Echtzeit zur Bodenstation gefunkt werden, aufbringen, um die Wiesen effektiv nach Rehkitzen absuchen zu können.

Es gebe auch keine Alternative, die eine ähnlich erfolgreiche Suche ermöglichen würde. „Während bei einer Flughöhe von 50 Metern ein Hektar Wiese innerhalb von rund vier bis fünf Minuten abgesucht werden kann, dauert die Absuche durch Menschen und ausgebildete Jagdhunde um ein vielfaches länger.“ Dass sich immer mehr Landwirte die besondere Dienstleistung des Vereins zu Nutze machen, weiß auch Gleißner. Sie spendete hierbei den Landwirten von Matzersreuth ein ganz besonderes Lob, denn alle hatten sich im vergangen Jahr beteiligt und damit viele Rehkitze vor dem „Mähtod“ bewahrt.

Umfangreich eingebunden sind mittlerweile auch die Mitglieder des Maschinenrings Tirschenreuth, die Mähgemeinschaft Tirschenreuth sowie die Kreisgruppe Tirschenreuth des Bauernverbandes. Wichtig ist den beiden Vorsitzenden, dass die Landwirte und Jagdpächter den Verein in diesem Frühjahr wieder mindestens ein bis zwei Tage vor der Mahd informieren, um rechtzeitig ein erfahrenes Team zusammenstellen zu können. Zudem müsse nach dem Absuchen und dem Bergen der Kitze unbedingt zeitnah durch den Landwirt gemäht werden, damit die Tiere nicht zu lange von der Geiß getrennt sind.

Suche nach Unterstützern

Weiter vorangetrieben werden soll in diesem Jahr auch die Suche nach Spendern und Förderern. Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg: „Bis jetzt kamen immer nur Drohnen von Unterstützern und Gönnern bei all unseren Aktivitäten zum Einsatz. Die große Resonanz durch die Landwirte erfordert aber weitere und vor allem eigene Drohnen für den Verein." Zumal mittlerweile unter den 80 Mitgliedern auch ausgebildete Drohnenpiloten zur Verfügung stünden.

Die Bilanz des Vereins Rehkitzrettung nach einem Jahr

Friedenfels
Hintergrund:

Der Verein Rehkitzrettung Tirschenreuth

  • Aufgabe: Unterstützen von Jägern und Landwirten vor der Mahd beim Absuchen der Wiesen nach Kitzen.
  • 2020: Über 300 Rehkitze vor dem "Mähtod" bewahrt.
  • Vorgehen: Ortung mit Hilfe einer Drohne mit Wärmebildkamera
  • Mitgliederzahl: 80
  • Kontakt: www.rehkitzrettung-tir.de oder E-Mail info[at]rehkitzrettung-tir[dot]de
  • Spendenkonto: IBAN: DE 09 7539 0000 0000 3902 08, Volksbank Raiffeisenbank Nordoberpfalz

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