29.07.2021 - 09:56 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Die Tage des Friedenfelser Jugendtreffs Exile scheinen gezählt

In einer Sitzung des Vereinsausschusses war der einst beliebte Friedenfelser Jugendtreff wieder einmal ein Thema. Vermutlich ist das Exile bald Geschichte. Auch die einst Verantwortlichen winken ab.

In die Jahre gekommen ist der einst beliebte Jugendtreff Exile. Sanieren oder Abriss - darüber muss in naher Zukunft entschieden werden.
von Bernhard SchultesProfil

Das Exile in Friedenfels war lange Zeit für viele Jugendliche Anlaufpunkt nach Schule oder Arbeit. Die "coole Location" mitten im Ort wurde von den jungen Leuten selbst eingerichtet, verwaltet und betrieben. Der derzeitige Stillstand im Friedenfelser Jugendtreff ist aber nicht alleine Corona geschuldet, wie die früher Verantwortlichen Thomas Trottmann und Maximilian Steinkohl übereinstimmend bei der Zusammenkunft mit Gemeindevertretern betonten.

Bürgermeister Oskar Schuster hatte die ehemaligen Betreiber zu der Sitzung eingeladen, nachdem schon mehrmals bei Zusammenkünften und Besprechungen von Gemeindegremien und Parteien im Ort das in die Jahre gekommene Gebäude auf der Tagesordnung stand. Das Gemeindeoberhaupt lobte Thomas Trottmann und Maximilian Steinkohl für ihr jahrelanges Engagement. Schuster wusste auch „von dem weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannten guten Ruf des Gebäudes bei Jugendlichen und nur von ganz wenig Kritik aus der Bevölkerung“, wie er sagte.

Bausubstanz marode

Für Oskar Schuster und die Mitglieder des Vereinsausschusses ging es bei dem Gespräch darum, wie mit der Immobilie weiter verfahren werden soll, zumal sie mittlerweile umfangreich renovierungsbedürftig sei und eine marode Bausubstanz aufweise. Thomas Trottmann und Maximilian Steinkohl erinnerten eingangs an die Übernahme des Gebäudes im Jahr 2007. „Von Jürgen Kohl hatten wir einen Tipp erhalten, dass das leer stehende Gebäude zu erwerben war. Umgehend setzten wir uns deshalb mit der Besitzerfamilie in Verbindung, die aber zu diesem Zeitpunkt auf einer Weltreise war. Nachdem wir sie endlich erreicht hatten, schilderten wir am Telefon unser Vorhaben."

Weiter berichtete Thomas Trottmann: „Riesig war bei uns und unserer damaligen Jugendclique die Freude, als die Antwort kam und es hieß, die Gemeinde hat das Gebäude von der Familie geschenkt bekommen, mit der Auflage, es den Jugendlichen zur Verfügung zu stellen.“ Nachdem alles notariell abgeschlossen war, wurde zwischen der Gemeinde und den Jugendlichen eine Nutzungsvereinbarung getroffen. Besonders die freie Entfaltung in den Räumlichkeiten, die sonst in keinem anderen Gebäude in Friedenfels möglich gewesen wäre, entfachte bei den Jugendlichen außerordentliche Kreativität, Ideenreichtum und Schöpferkraft, ließen bei der Zusammenkunft gleich mehrere Anwesende anklingen.

Dank an Unterstützer

Thomas Trottmann: „Wir hatten zum Beispiel eine Wand weiß gestrichen, doch als es uns nicht gefiel, strichen wir sie kurzerhand schwarz. Dies war aber nur möglich, weil wir keinen fragen brauchten und uns die Räumlichkeiten gehörten.“ Maximilian Steinkohl fügte einen großen Dank an die Friedenfelser Firmenwelt an: „Egal ob Baufirmen oder Schreiner, unser Wunsch nach Sachspenden und Baumaterial wurde damals großzügig unterstützt. Durch das große Engagement und die breite Mitarbeit konnten wir schon bald die ersten größeren Treffen darin abhalten.“ Thomas Trottmann erinnerte die Versammlung auch an die vielen Geburtstage von Jugendlichen, an Konzerte und Partys, die es in sich hatten. „Wir hatten einfach Bock, dies zu machen und jeden Tag im Exile zu sein“, meinte Maximilian Steinkohl.

Durch die vielen ehrenamtlichen Stunden Arbeit, angefangen mit dem Um- und Ausbau der Immobilie, über die Bewirtung bis hin zum täglichen Öffnen und Zusperren, sei natürlich viel Herzblut mit dem Exile verbunden, meinte Thomas Trottmann. Deutlich machte er aber auch, dass er und die damaligen Verantwortlichen aufgrund des fortgeschrittenen Alters nicht mehr weitermachen wollen und können. Übereinstimmend betonten Thomas Trottmann und Maximilian Steinkohl: „Es wäre schön, wenn sich jemand finden würde, der das gleiche Interesse hat wie wir damals. Auch die Suche nach einem anderen geeigneten Ort für die Jugend sollte man nicht außer Acht lassen.“

Sanierung prüfen lassen

Unbestritten war auch für Bürgermeister Oskar Schuster und die anwesenden Gemeinderäte, „dass Räumlichkeiten für die Friedenfelser Jugend gebraucht werden“. Beim Jugendtreff Exile will man deshalb vorerst zweigleisig verfahren, wie das Gemeindeoberhaupt hervorhob. Zum einen wurde der Vorschlag von Gemeinderat und Ausschussmitglied Johannes Härtl aufgegriffen, die Immobilie durch das Landratsamt auf Instandsetzungsmöglichkeiten prüfen zu lassen und nach dessen Beurteilung im Gemeinderat weitere Entscheidungen zu treffen. Zum anderen möchte man im Fall eines Abrisses Ausschau nach anderen Räumlichkeiten halten. Diese müssten den Bedürfnissen der Jugend gerecht werden und zur Jugend passen, war man sich einig.

Dass kein Übergang gelungen sei und Nachfolger für das Exile-Team gefunden werden konnten, bedauerten neben den bis jetzt Verantwortlichen auch die Mitglieder des Vereinsausschusses. Lisa Rau verwies auf den Rückgang der Jugendlichen; zum anderen richtete sie den Blick auf die bereits gut aufgestellten weiteren Jugendgruppen in Friedenfels. „Egal ob Ministranten oder Jugendliche in den Vereinen, für sie steht ein breites Angebot zur Verfügung.“

Die Anerkennung des Vereinsausschusses fanden die abschließenden Dankesworte von Thomas Trottmann. Er würdigte die Gemeinde Friedenfels für die jahrelange Unterstützung und Bereitstellung des Gebäudes. Augenzwinkernd entschuldigte er sich, „wenn es bei der einen oder anderen Party mal etwas zu laut wurde oder am nächsten Morgen leichte Spuren rund um das Exile von einer fröhlichen Jugendfeier zeugten“.

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Friedenfels
Maximilian Steinkohl, Thomas Trottmann und der Zweite Vorsitzende der Jugendorganisation Stoawaldlerer, Gerhard Kastner (von rechts), wussten in der Sitzung des Vereinsausschusses viel über das einst beliebte Exile-Gebäude zu berichten.

„Wir hatten einfach Bock, dies zu machen und jeden Tag im Exile zu sein.“

Maximilian Steinkohl

 

 

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