28.01.2021 - 11:09 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

TSV Friedenfels im Wandel: Coronakrise, Rücktritte und weniger Mitglieder

Der größte Verein in Friedenfels steht vor enormen Herausforderungen. Den Turn- und Sportverein schmerzen Austritte von Mitgliedern und das Ausscheiden von Führungskräften. Eine Neuausrichtung nach der Corona-Pandemie ist unumgänglich.

Seit Wochen geschlossen ist das Sportheim des Turn- und Sportvereins Friedenfels. Vor Corona wurden die Räumlichkeiten vom Hauptverein, den einzelnen Sparten und Abteilungen fast täglich benutzt.
von Bernhard SchultesProfil

Wie kein anderer Verein im Ort war der Turn- und Sportverein (TSV) bis zum Beginn der Corona-Pandemie ein Garant für Aktivitäten, Festlichkeiten, sportliche Veranstaltungen sowie bei der Mitarbeit von regionalen Events. Kein Wochenende verging, ohne dass sich Aktive, Funktionäre und Sportler trafen, bei Training und Wettbewerben maßen oder im schmucken Sportheim Siege, Feste oder Geburtstage feierten.

Zweiter Vorsitzender Helmut Radimerski bedauert: „Der Betrieb im vereinseigenen Sportheim ist seit Wochen lahmgelegt und eingestellt. Wir haben keinen Cent Einnahmen.“ Weiter informiert der stellvertretende TSV-Chef: „Als Anbieter von Bezahlfernsehen – unser Sportheim ist mit der offiziellen Partner-Lizenz ausgestattet – fehlen dem TSV auch die Erlöse der Treffen bei den allwöchentlichen Fußball-Direktübertragungen der Bundesligaspiele und sonstiger Sportveranstaltungen. Zudem schlagen die weiteren Ausgaben für den Unterhalt des Sportheims, wie Gebühren, Steuern, Versicherungen, Strom, Heizung und Pay-TV, zu Buche.“

Damenmannschaft aufgelöst

Vorsitzenden Johannes Härtl schmerzt die Mitgliederentwicklung im Verein, wie er im Gespräch mit Oberpfalz-Medien betont. „Da keine Veranstaltungen stattfinden dürfen sowie Training, Wettkämpfe und Spielbetrieb ausgesetzt sind, schlossen sich im letzten Jahr nur zwei neue Mitglieder dem TSV an.“ Als gravierend bezeichnet er die Austritte von Mitgliedern. „Durch die Auflösung der Fußball-Damenmannschaft, Wohnortwechsel von Mitgliedern, Sterbefälle und anderweitige Gründe haben den TSV im vergangenen Jahr 30 Mitglieder verlassen. Erstmals sind wir deshalb seit fast 20 Jahren unter die magische Zahl von 700 Mitgliedern gesunken.“

Sorge bereitet Johannes Härtl zudem die Neuwahl der Vorstandsmitglieder bei der in diesem Jahr anstehenden Jahreshauptversammlung. Neben Mitgliedern aus dem Hauptvorstand haben einzelne Betreuer, Trainer und Spartenleiter ihren Rücktritt angekündigt, weiß der Vorsitzende. Sobald Zusammenkünfte in größerem Rahmen wieder möglich sind, will Johannes Härtl deshalb in Vorbesprechungen die Weichen für eine gute Zukunft stellen.

Christian Härtl und Daniel Maier, die beiden Verantwortlichen der Sparte Fußball, haben während des mittlerweile langen Stillstands in ihrer Abteilung ein weiteres Problem ausgemacht. „Ein Freizeitsportverein wie der TSV Friedenfels bietet Interessierten einen Ausgleich zur täglichen Arbeit sowie anderweitigen Tätigkeiten. Dies jedoch können wir zurzeit nicht liefern und deshalb haben wir Sorge, ob alle aktiven Fußballer nach dem langen Ausfall wieder zum regelmäßigen Training nach der Pandemie erscheinen“, berichtet Christian Härtl.

Alternativen gesucht

Daniel Maier weiß außerdem, dass einzelne Kicker sich in den letzten Monaten nach alternativen Sportmöglichkeiten umgesehen haben. Übereinstimmend meinen deshalb die beiden Fußball-Spartenleiter: „Die neu gewonnene Freiheit bietet für so manchen neue Möglichkeiten. Eine zeitliche Bindung ist jedoch im Teamsport unbedingt notwendig. Dies gilt für unsere Herrenmannschaften als auch für unsere Junioren.“

„Die letzten Wettkämpfe unserer Mannschaften gingen im Februar und März letzten Jahres über die Bühne."

Martin Bischof, Leiter der TSV-Sparte Kegeln

Nicht komplett eingestellt war im vergangenen Jahr das sportliche Leben bei der Sparte Eisstock, wie deren Leiter Martin Streim und sein Sohn Andy Streim berichten. „Obwohl coronabedingt die üblichen Wettbewerbe ausgesetzt waren, konnten wir während der Lockerungen unter Einhaltung der Hygienebedingungen unseren Trainingsbetrieb auf der Sommeranlage vor der Steinwaldhalle einige Zeit durchführen.“ Gefreut haben sich die Sparten-Verantwortlichen dabei, dass die Mitglieder auch in schwierigen Zeiten zur Eisstock-Abteilung standen. Martin Streim: „Der gute Besuch der allwöchentlichen Trainingsabende unter freiem Himmel sowie der Wechsel von jungen Akteuren aus der Abteilung Fußball zur Sparte Eisstock gibt viel Hoffnung für die Zeit nach der Corona-Pandemie.“

Schwierigkeiten hingegen befürchtet die Sparte Kegeln, wie Abteilungsleiter Martin Bischof berichtet. „Die letzten Wettkämpfe unserer Mannschaften gingen im Februar und März letzten Jahres über die Bühne. Seitdem haben unsere Aktiven keine einzige Kugel auf der Wettkampfbahn geschoben. Altersbedingt werden zudem einzelne Akteure bei einem Neustart nach der Pandemie nicht mehr zur Verfügung stehen.“

Von ähnlichen Problemen berichtet Rita Steinkohl von der Sparte Klettern. „Der erste Lockdown hat unsere Abteilung wenig betroffen, weil ab April die Kletterwand sowieso geschlossen war. Unsere Aktiven waren hier bereits in freier Natur unterwegs und versuchten, die Kletterfelsen im Naturpark Steinwald zu erklimmen.“ Den derzeitigen Lockdown hingegen bezeichnet Rita Steinkohl als hart. „Bis April wäre Hochsaison an der Kletterwand. Wie es nach einer Öffnung weitergeht, muss man aber abwarten. Seile, Griffe und Kletterzubehör müssten nach jeder Benutzung desinfiziert werden“, erläutert Rita Steinkohl.

Keine Aktivitäten finden derzeit bei den Sparten Laufen und Tischtennis statt, wie die Verantwortlichen Claudia Paukner und Gerhard Konz mitteilen.

Förderzusagen

Doch nicht nur negative Nachrichten und Vorkommnisse bestimmten das Vereinsleben des TSV nach der letzten Telefonkonferenz, wie Verantwortliche übereinstimmend berichteten. Hoffnung, Zuversicht und Aufbruchsstimmung vermitteln die bereits schriftlich vorliegenden Förderzusagen zu der geplanten Aufwertung der Sportanlage in der Roten Lohe. Dabei wird der vor dem Sportheim gelegene B-Platz noch in diesem Jahr saniert und mit einer modernen neuen LED-Flutlichtanlage ausgestattet. Bewusst waren sich die Vorstandsmitglieder bei der telefonischen Besprechung auch, dass man sich nach dem Ende der Corona-Pandemie den veränderten Rahmenbedingungen stellen muss. Dabei steht man auch einer Neuausrichtung des Vereins mit weiteren und auch neuen Sportarten, sofern diese von Mitgliedern gewünscht würden, offen gegenüber. Man würde dies unterstützen, erklären die beiden Vorsitzenden Johannes Härtl und Helmut Radimerski.

Mitglieder der Sparte Eisstock feierten nachträglich den Weltmeister-Titel ihres Mitglieds Reinhold Beyerlein

Friedenfels

Großzügig zeigte sich der Förderverein des Turn- und Sportvereins

Friedenfels
Wegen der Corona-Pandemie herrscht Ruhe auf den Sportplätzen des TSV Friedenfels. Normalerweise wäre der Platz bereits geräumt und die Mannschaften der Sparte Fußball würden sich auf die Rückrunde vorbereiten.
Auf eine baldige Rückkehr zur Normalität hoffen die Eisstock-Freunde. Ob bei Ortsmeisterschaften (wie auf unserem Bild im Jahr 2019) auf dem Frauenreuther Weiher oder beim Spielbetrieb und Pokalturnieren – Sport und Geselligkeit sind den Mitgliedern des TSV wichtig.

 

 

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