Friedenfels
18.06.2019 - 11:23 Uhr

Viel Handarbeit für Blütenmeer

Zu Fronleichnam opfern sie alljährlich viele Stunden: Für die Prozession im Erholungsort bauen die Familien Bächer und Heider seit mittlerweile rund 90 Jahren zwei der vier Stationsaltäre auf, schmücken sie und legen Blumenteppiche.

An Fronleichnam bereichern die prachtvollen Rosen von Ludwig Schultes (links) dieses Jahr den Blumenteppich des dritten Stationsaltars. Elisabeth und Erwin Bächer (von rechts) sammelten dieser Tage besondere Exemplare. Für die Unterstützung dankten sie den Blumenspendern besonders. Bild: bsc
An Fronleichnam bereichern die prachtvollen Rosen von Ludwig Schultes (links) dieses Jahr den Blumenteppich des dritten Stationsaltars. Elisabeth und Erwin Bächer (von rechts) sammelten dieser Tage besondere Exemplare. Für die Unterstützung dankten sie den Blumenspendern besonders.

Bereits eine Woche vorher beginnen die Vorbereitungen, weiß Erwin Bächer. "Länger halten nämlich die gesammelten Blumen, Blüten und Blätter nicht", meint der agile Rentner, der die kostbaren Schätze nach dem Sammeln in einen Felsenkeller verstaut, um sie frisch zu halten. "Ob vom Straßenrand, von Wiesen und Wäldern, aus den Gärten der Friedenfelser oder von auswärtigen Bekannten, jedes Jahr erhalten wir viele Spenden für den Blumenteppich", dankt Bächer seinen Unterstützern, die das farbenprächtige Kunstobjekt zum Hochfest im Kirchenjahr ermöglichen. "Eine Absage für Blumenspenden haben wir noch nie bekommen, auch wenn die Pflanzen in den Gärten in voller Pracht standen."

Ab 4.30 Uhr geht´s rund

Seit seiner Hochzeit 1968 kümmert sich Bächer zusammen mit Ehefrau Elisabeth um den dritten Stationsaltar vor seinem Anwesen in der Gemmingenstraße. Hilfe bekommt das Ehepaar beim Legen des Blumenteppichs seit vielen Jahren von Sohn Jürgen und Schwägerin Annemarie Maier. "Am Fronleichnamstag ab 4.30 Uhr geht's bei uns rund", lacht Erwin Bächer. Bereits am Vorabend wird der Altar vorbereitet und von Birken umsäumt. Das Motiv des Blumenteppichs wird auf Holzplatten sowie auf die Hofeinfahrt gezeichnet. Je nach vorhandenen Blüten wird dies erst oft kurzfristig entschieden.

Ein dickes Fotoalbum mit den bereits gelegten Blumenteppichen hat sich mittlerweile im Hause Bächer angesammelt. "Man will ja nicht alle Jahre das gleiche Motiv legen", meint Erwin Bächer und dankt seiner Frau, die unzählige Zeichnungen, Bilder sowie Abdrucke vom Pfarrbrief gesammelt hat, um die Ideen stets weiter auszubauen. Ob Kreuz-Darstellungen, Dreifaltigkeit, Brot, Wein, Fische, Lamm Gottes, Eucharistie, Heiliger Geist, viele Motiv-Vorschläge wurden schon umgesetzt und nach der Prozession von Einheimischen, Urlaubsgästen und Durchreisenden gelobt. Die Blumenteppiche sind auch beliebte Foto-Objekte.

Gras und Feldblumen

Elisabeth Bächer kann sich noch genau erinnern, als sie als kleines Mädchen ihren Eltern Wilhelm und Maria Bayerl beim Aufbau des Stationsaltars vor dem Haus geholfen hat. "Damals wurde noch mit viel Gras und Feldblumen gearbeitet. Das Legen der Blumenteppiche begann erst so um 1960." Dies bestätigen Alfons und Annemarie Heider, die den zweiten Stationsaltar bei der Steinwaldhalle aufbauen und vorbereiten.

"Früher war der Altar bei uns direkt in der Hofeinfahrt und am Eingang zur Werkstatt. Die Leute standen deshalb direkt auf der Hauptstraße. Nach dem Bau des Musikpavillons und der steten Zunahme des Straßenverkehrs wurde der Altar auf dem direkt angrenzenden neuen Standort errichtet und jeweils festlich mit Birken und viel Blumenschmuck ausstaffiert", informiert Alfons Heider.

Früher grünes Band

Auch er hat den Brauch um den Aufbau eines Stationsalters zu Fronleichnam mit seiner Ehefrau von seinen Eltern übernommen. "Ein Bruder meines Vaters war Pfarrer und deshalb war es Ehrensache, dass im Elternhaus der Fronleichnamstag umfangreich unterstützt wurde." Heider weiß, dass die Prozessionswege früher auch von den Nachbarn besonders herausgeputzt wurden. "Am Straßenrand und in der Mitte wurde die Ausstaffierung mit einem Streifen, der meist aus Gras und kleinen Blumen bestand, nahtlos angesetzt. Ein richtiges grünes Band schlängelte sich durch die Straßen von Friedenfels", erzählt Alfons Heider im Gespräch mit den Oberpfalz-Medien.

Annemarie Heider kann sich noch an das Sammeln von vielen Maiglöckchen erinnern, die mit Nadeln an der Rückwand des Stationsaltars angebracht werden mussten. "Dies ist heute nicht mehr notwendig", fährt Alfons Heider fort, möchte aber eins auch als bereits 80-Jähriger nicht vermissen: "Das Schlagen und Aufstellen von Birken zur Ausschmückung des Altars gehört einfach zum Blumenschmuck." Und so war er auch in diesem Jahr unterwegs und besorgte das festliche Beiwerk.

Glücklich über das breite Engagement zu Fronleichnam zeigen sich auch stets die Ortsgeistlichen. Pfarrer Joseph sowie die früheren Priester der Pfarrgemeinde Maria Immaculata konnten sich neben den beiden Familien stets auf weitere Helfer aus den Kirchenkreisen verlassen. Eingebürgert hat sich dabei, dass ein Altar jeweils von den Kommunionkindern mit ihren Eltern sowie der letzte Stationsaltar an der Kirche von Mesner Tobias Megies festlich ausstaffiert werden.

Viel Lob spendet Pfarrer Joseph schon im Vorfeld des Fronleichnamstages den freiwilligen Helfern für ihr Engagement. Am Donnerstag sind die Gläubigen sowie die Friedenfelser Vereine mit ihren Fahnen ab 8.15 Uhr wieder dabei und ziehen mit dem Geistlichen unter dem goldenen "Himmel" und der Monstranz zu den vier aufwendig geschmückten Stationsaltären mit ihren Blumenteppichen. Musikalisch begleitet wird der Kirchenzug von der Blaskapelle "Buchberg-Echo".

Das Motiv des Blumenteppichs entwirft Erwin Bächer auf Holzplatten und positioniert sie vor dem Belegen im Zentrum der späteren Kunstwerke. Bild: bsc
Das Motiv des Blumenteppichs entwirft Erwin Bächer auf Holzplatten und positioniert sie vor dem Belegen im Zentrum der späteren Kunstwerke.
Mesner Tobias Megies erhielt in den vergangenen Jahren viel Lob für seine Meisterwerke. Auch in diesem Jahr wird an Fronleichnam ein Blumenteppich von ihm die Prozession bereichern. Im Bild das Glanzstück von 2018 am vierten Stationsaltar. Bild: bsc
Mesner Tobias Megies erhielt in den vergangenen Jahren viel Lob für seine Meisterwerke. Auch in diesem Jahr wird an Fronleichnam ein Blumenteppich von ihm die Prozession bereichern. Im Bild das Glanzstück von 2018 am vierten Stationsaltar.
 
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