22.10.2018 - 10:14 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Witzige Szenen einer Ehe

Mit einem bemerkenswerten Kleinkunstangebot im Friedenfelser Brauereimuseum legt die Mitterteicher Tafel um Vorsitzende Nicki Fürst ein neues "Sparbuch" an. Beim Einzahlen helfen in unnachahmlicher Weise Kirstin Rokita und Hubert Treml.

Kirstin Rokita hat rasch ein „Opfer“ ausgemacht. Schließlich sitzen ja auch Kollegen aus den Reihen der Fuchsmühler Laienspielgruppe (von rechts: Helena und Michael Bäumler sowie Andreas Robl) unter den Gästen.
von Werner RoblProfil

Vom Lampenfieber, das Kirstin Rokita und Hubert Treml dialektreich auf der Brauereibühne besingen, ist freilich nichts zu spüren. Noch aber hat das Publikum am Benefizabend der Mitterteicher Tafel keine Ahnung, was kommen wird. „Nachdem die Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten in den Räumen unserer Tafel abgeschlossen sind, wagen wir uns an ein weiteres Projekt“, informiert Nicki Fürst mit Blick auf die Neuanschaffung eines Kühlautos. Dessen Vorgänger sei über zehn Jahre alt.

Die Zuschauer haben es sich im historischen und um 1890 errichteten Gebäude des Brauereimuseums, das ursprünglich als Getreideboden diente, gemütlich gemacht. Tische und Sitzplätze sind genug vorhanden. Falls sie nicht reichen, müsse man nur Bescheid sagen, bietet Brauerei-Geschäftsführer Thomas Schultes nach dem Anzapfen eines Bierfasses seine Unterstützung an. Historische Bilder, nicht mehr verwendete Brauereiwerkzeuge und Instrumente schmücken die Museumswände. Aus den Zapfhähnen fließt im Haus gebrauter Zoigl. Backfrische Brezen aus dem Fuchsmühler Dorfladen werden herumgereicht.

Urgemütlich ist es im Brauereimuseum, das rund zwei Stunden lang Theater ist. Die Eheleute Rampensauer sind Mittelpunkt des humorvollen Kleinkunstabends. Eine neun Quadratmeter kleine Bühne und nicht zu übersehende Requisiten, die zudem auch noch augenfällig beschriftet sind, müssen reichen. Rokitas niederbayerischer und Tremls oberpfälzischer Dialekt ergänzen sich, wenigstens behaupten sie das. Die Künstler arbeiten seit rund zwölf Jahren zusammen und verstehen sich blind, was man von Gerti und Bertl Rampensauer, die sie einen hintersinnigen Abend lang verkörpern, nicht immer behaupten kann.

Bereits nach den ersten Dialogen wird klar: in dieser Ehe läuft alles „normal“. Sie – eine Kellnerin - liebt ihre Arbeit. Sie bedauert aber, dass man sie nur „Frau Wirtshaus“ ruft. Ihr Steckenpferd ist die Schauspielerei. Er genießt die Ruhe. „Passt scho.“

Die Schauplätze wechseln. Einen wichtigen Part spielt auch Provinzregisseur Max, den Treml, weil kein weiterer Darsteller mitgereist ist, dann halt selber spielt. Ab und zu greift er zur Gitarre, manchmal kommt die Begleitmusik auch aus dem Off. Die dazu passenden Lieder, die sie singen, steuert Hubert Treml bei. Die Bühnendialoge stammen aus der Feder von Burgl Wittmann. Eingebunden wird auch das Publikum, das sich gefallen lassen muss, ungefragt zu Nebendarstellern zu werden. Am Ende stellt man fest: „Das schönste Theater hat man alle Tage daheim.“

Dass Treml nach dem Schlussvorhang lieber Blumen möchte und seiner Kollegin das Bier-Tragerl überlässt, überrascht Nicki Fürst, die sich das umgekehrt ausgedacht hatte, eigentlich dann doch ein wenig.

Hubert Treml in einer Doppelrolle. Der Regensburger spielt den Bertl, in einigen Szenen aber auch den Regisseur des Provinztheaters.
Das Publikum genießt den Benefizabend.
Gerti Rampensauer (Kirstin Rokita, links) ist mit Leib und Seele Kellnerin. Dass man sie aber nur „Frau Wirtshaus“ nennt, stört sie schon sehr.
Gedacht war es eigentlich umgekehrt. Nicki Fürst (Bildmitte) hatte nämlich die Blumen für Kirstin Rokita, das Biertragerl für Hubert Treml besorgt.
Beim Benefizabend der Mitterteicher Tafel wird nicht nur Theater gespielt. Auch der Alltag wird musikalisch beleuchtet.
Die Morgengymnastik, der sich Gerti Rampensauer (Kirstin Rokita) täglich widmet, muss noch einmal wiederholt werden. Die Technik sei daran schuld, bedauert Hubert Treml, der auch die Regler schob.
"'Passt scho". Nur ungern lässt sich Bertl Rampensauer (Hubert Treml) von Gerti (Kirstin Rokita) in seiner Morgenlektüre stören.

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