14.07.2021 - 14:39 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Wolf bei Friedenfels gesichtet: Traktorfahrer dreht Video

Eine Begegnung der unerwarteten Art hatte ein junger Mann aus dem Landkreis Tirschenreuth: Das Tier, das sich neugierig dem Traktor näherte, war eindeutig ein Wolf. Aber kein Grund zur Panik, meint ein Experte für den großen Beutegreifer.

Der Wolf umrundet im gemächlichen Trab den Traktor und verschwindet im Wald, wenige hundert Meter von Voitenthan bei Friedenfels entfernt.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Seit 6. Juli kursiert ein Video im Internet. Ein schäferhundeartiges Tier steht auf einer Wiese, ein Traktor fährt langsam heran. Das Tier umkreist das Gefährt im vorsichtigen Abstand und verschwindet im Wald. Es ist offensichtlich ein Wolf, der da wenige Kilometer von Friedenfels entfernt gesichtet und gefilmt wird.

"Ich dachte erst, es ist ein Fuchs", sagt der 24-Jährige, der mit dem Besitzer der Wiese gegen 18 Uhr bei Voitenthan mit Silage-Arbeiten beschäftigt war und allein auf dem Traktor saß. Er fuhr näher ran und aktivierte die Handykamera, als sich sein Verdacht bestätigte: "Sonst glaubt es mir ja keiner." Nach ein paar Minuten ließ sich der Wolf, der gemächlich in den Wald getrabt war, noch einmal kurz blicken und verschwand endgültig.

Film verbreitet sich im Internet

"Ich fühlte mich sicher, weil ich ja auf dem Traktor war", beschreibt der junge Mann seine Begegnung. Wie sich herausstellte, war das Tier schon beim Mähen auch dem Landwirt aufgefallen. Der leitete das Video an die Fachstelle für Wolf-Monitoring weiter. Derweil fand der halbminütige Film auch im Internet sehr schnell Verbreitung.

"Ich kenne das Video. Alles ist echt", urteilt Eberhard von Gemmingen-Hornberg, als Vorsitzender des Fachausschusses große Beutegreifer im Bayerischen Jagdverband ein fachkundiger Ansprechpartner. Der Baron, der auch Vorsitzender der Jäger im Landkreis ist, warnt vor Panik und bittet um pragmatischen Umgang mit dem Thema: "Man muss vor Wölfen keine Angst haben. In den letzten 50 Jahren ist kein Mensch in Europa von einem Wolf verletzt worden." Im Vergleich dazu gebe es jährlich massenhaft Verletzte und einige Tote durch Hunde allein in Deutschland.

Wahrscheinlich männliches Tier

Das Video wurde am 7. Juli an das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) übermittelt und von Fachleuten verifiziert, bestätigt ein Sprecher: "Es handelt sich um einen Wolf." Eberhard von Gemmingen-Hornberg ergänzt, dass es wahrscheinlich ein männliches Tier ist, etwa 14 Monate alt. "Solche jungen Rüden sind gescheit, unerfahren und neugierig. An der Körperhaltung, an den Ohren und dem Schwanz sieht man, dass dieser Wolf neugierig und ängstlich gleichzeitig ist. Er betrachtet dieses ihm offenbar unbekannte Ungetüm Traktor. Wenn der Fahrer ausgestiegen wäre, wäre der Wolf ziemlich sicher geflüchtet." Möglicherweise wurde das Tier 2020 im Veldensteiner oder Manteler Forst geboren, vermutet der Experte. In diesen Gebieten ist Nachwuchs belegt.

Eberhard von Gemmingen-Hornberg plädiert für eine sachliche Auseinandersetzung mit dem großen Beutegreifer Wolf. Er scheut sich nicht vor deutlichen Aussagen, die am Ende auch eine Bejagung nicht ausschließen. Derzeit unterliegt der streng geschützte Wolf in Bayern nicht dem Jagdrecht. Fakt sei, dass eine deutliche Mehrheit der Deutschen die Rückkehr der Wölfe begrüße. Das müsse nicht jedem gefallen, aber man habe sich damit zu arrangieren. Grob geschätzt beträfen 80 Prozent der Probleme, die Wölfe in der Kulturlandschaft verursachen können, die Nutztierhaltung, 15 Prozent Wildtiere. Die restlichen 5 Prozent lägen in anderen Bereichen: "Emotionen, Angst, Großmütter, Rotkäppchen", umreißt der Baron seinen Eindruck.

Bestand durch Jäger regulieren

Es gebe erst sehr wenig Wölfe in Bayern. "Deshalb sind auch die Probleme noch klein und sehr lokal", ordnet der Landwirt, Jäger und Waldbesitzer die Lage ein. Grundsätzlich gelte: "Je mehr Wildtiere die Wölfe als Nahrungsangebot haben, desto weniger werden sie sich an Nutztieren vergreifen." Wenn der sogenannte günstige Erhaltungszustand der Population erreicht sei, könne und solle der Wolfsbestand durch die Jäger reguliert werden: "Wölfe müssen in unserer dicht besiedelten Kulturlandschaft Todesangst vor Menschen haben, was mit Bejagung erreicht würde."

Eberhard von Gemmingen-Hornberg weist auch auf die Diskrepanz hin, dass der Wolf außerhalb des Jagdrechts dem Bayerischen Umweltministerium unterstehe, aber das Landwirtschaftsministerium zuständig sei, weil die meisten Schäden Nutz- und Wildtiere beträfen. Pikanterweise würden die beiden Häuser von unterschiedlichen Koalitions-Parteien geführt. "Der sogenannte Managementplan Wolf der Ministerien hinkt der Entwicklung hinterher und ist bis jetzt ziemlich unbrauchbar", lautet ein weiteres Fazit des Barons.

Kein standorttreuer Wolf

Die Zahl der Einzelnachweise von Wölfen in Bayern steigt, sei es durch Wildtierkameras oder genetische Belege durch Losungen und Risse. Auch Sichtbeobachtungen nehmen zu, wie ein Sprecher des LfU bestätigt. Allerdings ist bislang noch kein standorttreuer Wolf im Landkreis Tirschenreuth dokumentiert. Das wäre erst der Fall, wenn im Monitoring ein einzelnes Individuum über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten nachgewiesen oder eine Reproduktion belegt ist.

Wenn sich Wölfe ein neues Territorium suchen, könnten sie 50 Kilometer pro Nacht oder mehr zurücklegen, weiß Eberhard von Gemmingen-Hornberg. "Vielleicht ist er inzwischen schon ganz woanders. Die Rehe in diesem Gebiet in Friedenfels verhalten sich jedenfalls vollkommen normal."

Gesichert sind bereits Spuren zweier Wölfe im Landkreis Tirschenreuth

Mitterteich

Am 4. Juli hat eine Wildtierkamera bei Pirk einen Wolf aufgenommen

Pirk
Hintergrund:

Begegnung mit dem Wolf: So verhalten Sie sich richtig

Der Wolf reagiert auf den Anblick von Menschen vorsichtig, ergreift aber nicht immer sofort die Flucht. Bei Begegnungen hat das Landesamt für Umwelt einige Empfehlungen:

  • Respekt vor dem Tier zeigen, sich langsam zurückziehen. Nicht weglaufen.
  • Hunde in jedem Fall anleinen und nah bei sich halten.
  • Bei zu großer Nähe zum Wolf auf sich aufmerksam machen, laut sprechen, gestikulieren.
  • Dem Wolf nicht folgen.
  • Wölfe nie füttern. Sie lernen sonst, die Nähe von Menschen zu suchen.

Zum aktuellen Wolf-Monitoring des LfU

"Man muss vor Wölfen keine Angst haben. In den letzten 50 Jahren ist kein Mensch in Europa von einem Wolf verletzt worden."

Eberhard von Gemmingen-Hornberg

 

 

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