Friedenfels
18.03.2025 - 10:16 Uhr
OnetzPlus

Zusätzliches Nest soll weitere Störche nach Friedenfels locken

Mit Unterstützung einer Drehleiter ist ein komfortabler neuer Storchenhorst auf dem Dach des Verwaltungsgebäudes der Friedenfelser Betriebe installiert worden. Das hat nicht nur den Grund, ein weiteres Storchenpaar heimisch zu machen.

Überraschend kam der Einsatz für die Feuerwehren aus Friedenfels und Erbendorf nicht. Blaulicht war nicht nötig beim Anrücken. Nach langer Ankündigung des Vereins Kulturlandschaft südlicher Steinwald (KusS) fuhren die Wehrmänner am Freitag auf dem Schloßberg im Naturerlebnisdorf vor, sperrten Straßen und positionierten die Drehleiter vor der Schloßschänke, Abzweigung Otto-Freundl-Straße.

Der Einsatz war von den beiden Feuerwehren und den Vorstandsmitgliedern des Vereins Kulturlandschaft südlicher Steinwald abgesprochen worden. Die Friedenfelser Wehr übernahm unter der Leitung der beiden Kommandanten Jürgen Schultes und Claudia Zeitler die Verkehrssicherung. Der Feuerwehr Erbendorf oblag bei diesem nicht alltäglichen Einsatz unter der Leitung des Zweiten Kommandanten Wolfgang Grundler der Transport des neuen Storchenhorstes auf das alte Schlößl, wie das Gebäude von den Friedenfelsern auch genannt wird.

Erstmals Nest am Haken

Für den erfahrenen Drehleitermaschinisten Roland Kaiser, der schon viele Kameraden im Drehleiterkorb bei Brandeinsätzen nach oben brachte und Verletzte aus mehrstöckigen Gebäuden rettete, war es das erste Mal, dass er ein Storchennest am Haken unter dem Drehleiterkorb hatte, wie er auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien wissen ließ. „Das ist eine schöne Abwechslung“, meinte der Drehleiterfahrer, wie sein Job kurz auch genannt wird.

Weiter verwies Roland Kaiser darauf, dass bei diesem Einsatz der Winkel der Drehleiter zum Dach einigermaßen stimmen sollte, damit seine Kameraden im Drehleiterkorb am Dachfirst den Storchenhorst in die bereits vorhandene Halterung leichter und passgenau einlassen können. Die große Anzeige an der Drehleiter für das Gewicht im Korb hatte er zudem im Auge. „Zwei Personen und der Storchenhorst sind hier auf dieser Länge kein Problem“, schilderte Roland Kaiser die Situation, während er seine Feuerwehrkameraden Max Winkler und Bastian Kaiser im Drehleiterkorb langsam nach oben beförderte.

Immer wieder Attacken

Für die Friedenfelser Storchenfreunde im Verein Kulturlandschaft südlicher Steinwald ging mit der Errichtung des Storchennestes ein Wunsch in Erfüllung. Vor allem hat man die Hoffnung, dass durch eine weitere Nistmöglichkeit die zahlreichen Attacken auf das Storchennest auf dem Brauereischlot durch fremde Störche eine Ende haben oder zumindest weniger werden, wie Robert Mertl gegenüber Oberpfalz-Medien berichtet.

Außer im vergangenen Jahr, wo fremde Störche mehrmals im Frühjahr den Brauereischlot ansteuerten und das Brutgeschäft des Friedenfelser Standortpaares massiv störten, kam es erst vor wenigen Tagen wieder zu einem derartigen Vorfall, erzählt der Schriftführer des Vereins Kulturlandschaft südlicher Steinwald, Robert Mertl. Nachdem ein Fremdstorch immer wieder den Brauereischlot umkreiste und landen wollte, ergriff dieses Mal aber einer der Störche im Nest die Initiative und verjagte nach einem kurzen Kampf in der Luft den Angreifer Richtung Grötschenreuth, weiß Robert Mertl.

Nest nicht genutzt

Gegenüber den intensiven Arbeiten früherer Storchen- und Nestaktionen war es dieses Mal aber erheblich leichter, das Storchennest auf dem Dach des Verwaltungsgebäudes der Friedenfelser Betriebe anzubringen, informiert Matthias Schlicht. Wie der Vorsitzende des Vereins Kulturlandschaft südlicher Steinwald weiter berichtet, bestehen die Halterung und das Untergestell für das Storchennest bereits seit dem Jahr 2000. Damals hatten die Storchenfreunde die Horstunterlage auf das Dach aufgebaut und mit einem Weidenkorb ausgestattet. Störche ließen sich daraufhin in den folgenden Jahren zwar immer wieder in dem errichteten Nest nieder, flogen dann aber zu einer weiteren Rast auf den nahe gelegenen Kamin der Schlossbrauerei. Da dieser Kamin nur mehr sporadisch betrieben wurde, errichtete man 2016 auf dem Schlot ein stabiles Nest.

Dem Nest auf dem Verwaltungsgebäude der Friedenfelser Betriebe hatte seither Wind und Wetter enorm zugesetzt. Und in den zurückliegenden Jahren thronte deshalb nur noch die Halterung am alten Schlößl. Und so haben die Verantwortlichen des Vereins Kulturlandschaft südlicher Steinwald vorgesorgt und bei Dieter Brandl in Tirschenreuth ein wetterfestes Nest in Auftrag gegeben.

Kosten noch nicht bekannt

Wie Vorsitzender Matthias Schlicht weiß, fertigte der erfahrene Nestbauer aus insgesamt 480 Metern Blitzableiterdraht in einer Stärke von acht Millimetern die neue Wohnstube für eine Storchenfamilie. „Ineinander verzweigt und eng verflochten, hält das einen Meter und sechzig Zentimeter breite Nest künftig jedem Wetter stand“, sagt schmunzelnd Matthias Schlicht. Zu den Kosten der gesamten Aktion können Matthias Schlicht und Robert Mertl noch nichts Genaueres sagen. „Wir müssen die Kosten der Feuerwehren abwarten, bevor wir im Verein darüber weiter beraten“, betont Mertl. Zugesagt sei jedoch schon eine finanzielle Unterstützung durch die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Tirschenreuth, weiß der Schriftführer.

Für den abschließenden Feinschliff im und rund um das neue Storchennest war Dr. Siegfried Steinkohl zuständig. Drehleitermaschinist Roland Kaiser beförderte das engagierte Mitglied des Vereins Kulturlandschaft südlicher Steinwald, ausgestattet mit Grassoden und Moos sowie einem Kübel weißer wetterfester Farbe, zusammen mit einem Feuerwehrkollegen zum bereits installierten neuen Storchennest. Nach dem Aufbringen der Grassoden und des Mooses auf die bereits vorher eingebundenen Äste und das Reisig bespritzte Steinkohl das Dach mit der weißen Farbe, um die Hinterlassenschaften von Störchen vorzutäuschen. Eine Nisthilfe, die schon einmal „in Betrieb“ war, werde nämlich eher angenommen als eine, die noch nie bewohnt war, erläutert Matthias Schlicht.

OnetzPlus
Friedenfels25.02.2025
Hintergrund:

Friedenfelser Storchenchronik

  • 2000: Errichtung einer Horstunterlage auf dem Dach des Verwaltungsgebäudes der Friedenfelser Betriebe
  • 2001 bis 2015: immer wieder werden Störche in Friedenfels gesichtet; nach einer Inspizierung der Horstunterlage fliegen sie aber meist weiter auf den benachbarten Brauereischlot
  • 2015: Planungen durch den Verein Kulturlandschaft südlicher Steinwald für einen neuen Storchenhorst auf dem Kamin der Friedenfelser Brauerei
  • 2016: Errichtung eines Storchenhorstes auf dem Kamin der Friedenfelser Brauerei
  • 2017: drei aufgepäppelte Jungstörche werden beim Frauenreuther Weiher in die Freiheit entlassen
  • 2017: ein weiterer Storchenhorst wird im Ortsteil Frauenreuth beim Frauenreuther Weiher aufgestellt
  • 2018 bis 2022: immer wieder fliegen Störche die beiden Horste in Friedenfels an, es kommt aber nie zur Brut
  • 2020: Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg plant eine Auffangstation für verletzte Störche, die aber an Auflagen scheitert
  • Winter 2022/23: ein Sturm lässt den Holzmast, auf dem das Storchennest beim Frauenreuther Weiher befestigt war, abbrechen
  • 2023: ein Storchenpaar zieht im Horst auf dem Brauereikamin die ersten Friedenfelser Jungstörche (zwei) auf
  • 2024: ein Storchenpaar hat auf dem Brauereikamin vier Jungstörche
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.