23.02.2021 - 14:53 Uhr
FriedenfelsOberpfalz

Zwischen Sorgen und Neuerungen: Kolpingsfamilie Friedenfels in schwierigen Zeiten

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Weitgehend lahmgelegt hat die Corona-Pandemie auch die Aktivitäten der Kolpingsfamilie Friedenfels. Vorsitzender Reiner Gärtner schildert die negativen Folgen, nennt aber auch positive Aspekte.

Das Johannisfeuer gehörte alljährlich zu den großen gesellschaftlichen Ereignissen bei der Kolpingsfamilie Friedenfels. 2020 musste die Veranstaltung coronabedingt ausfallen. Im Bild die Mitglieder bei der Vorbereitung der Feuerstelle im Jahr 2019.
von Bernhard SchultesProfil

„Kein Jahr wie jedes andere und hoffentlich für uns alle ein einmaliges Erlebnis.“ So beurteilt Reiner Gärtner, Vorsitzender der Kolpingsfamilie Friedenfels, das Jahr 2020. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien berichtet er über das weitgehend gestoppte Vereinsleben, zieht Bilanz und blickt auch voraus.

"Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Auflagen und Beschränkungen haben die Kolpingarbeit in Friedenfels voll erwischt und ordentlich durcheinandergebracht", betont Gärtner. Viele geplante Aktivitäten, Mitgliederversammlungen und Vorstandssitzungen hätten verschoben oder abgesagt werden müssen.

Zentrale Fragen geklärt

Bei Telefongesprächen hätten sich die Vorstandsmitglieder frühzeitig mit verschiedenen Fragen befasst. Wie können wir weiterarbeiten? Wie bleiben wir vor Ort mit unseren Mitgliedern in Kontakt? Wie gestalten wir die Zusammenarbeit im Vorstand? Welche Veranstaltungen können wir unter Beachtung der Vorgaben seitens der Bundes- und Landesregierungen auf kommunaler Ebene durchführen?

"Die Kolpingsfamilie Friedenfels ist sich der Fürsorgepflicht gegenüber Mitgliedern und Gästen sowie deren Angehörigen und der Gesellschaft bewusst", so Gärtner. Über Absagen, Änderungen oder Verschiebungen habe man sich stets im Vorstand verständigt. Darüber sei aktuell und zeitnah im Pfarrbrief, auf der Homepage sowie in der Tagespresse informiert worden. "Das werden wir auch in den nächsten Wochen so praktizieren." Der Vorsitzende gibt zu bedenken: "In solchen Krisenzeiten merken wir besonders, wie wir als Menschen doch immer wieder an Grenzen stoßen. Sich schützen und beten sind zurzeit die stärksten Waffen, die wir im Arsenal haben." Gärtner ist überzeugt, dass Verbandsgründer Adolph Kolping in dieser besonderen Zeit ein "guter und treuer Fürsprecher für unsere Gebete bei Gott sein wird".

Verantwortliches Handeln

Die Kolpingsfamilie lebe von den Treffen der Mitglieder vor Ort und den gesellschaftlichen und kirchlichen Aktivitäten. Ganz wichtig sei seit jeher der Zusammenhalt untereinander. Nicht nur die Mitglieder wüssten, dass die Kolpingsfamilie Friedenfels als Teil einer weltweiten Gemeinschaft ein Bewusstsein für ein verantwortliches und solidarisches Handeln habe. "Wir verstehen uns als Weg-, Glaubens-, Bildungs- und Aktionsgemeinschaft und geben Menschen Orientierung und Lebenshilfe", erklärt Gärtner. "Schwerpunkte unseres Handelns sind die Arbeit mit Menschen jeden Alters und mit der Familie, das Engagement in der Arbeitswelt sowie das Interesse für die Welt."

Reiner Gärtner verweist auf das vielfältige Wirken bei der Mitgestaltung von Gesellschaft und Kirche: "Von der kleinsten Feier über Vorträge und Kirchenveranstaltungen bis hin zur großen Altkleidersammlung - wir sind breit aufgestellt und unsere Mitglieder engagieren sich ehrenamtlich bei all diesen Ereignissen." Eine Altkleidersammlung habe die Kolpingsfamilie Friedenfels bereits 52 Mal durchgeführt - auch 2020.

Als schmerzlich empfindet der Vorsitzende jedoch, dass die Pandemie die Pflege zahlreicher Bräuche verhindert habe. Auch Besuche bei erkrankten Mitglieder seien nicht mehr möglich, nach Sterbefällen könne lediglich das Kolping-Banner beim Trauergottesdienst präsent sein. Bei runden Geburtstagen gebe es nur eine schnelle Gratulation auf Abstand an der Haustür.

Dankbar über Neuerungen

Dankbar zeigen sich Reiner Gärtner und seine Vorstandsmitglieder allerdings über so manche Neuerung. "Ein tolles Erlebnis für uns waren beispielsweise Vorbereitung und Durchführung der Nikolausandacht im Dezember zusammen mit den Kindergottesdienstteam." Auch die Möglichkeiten zur Teilnahme an Livestream-Gottesdiensten in der Pfarrkirche zum Osterfest hebt der Vorsitzende hervor. Zudem lobt er die enge und fruchtbare Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und Einheiten in der Pfarrei.

Dennoch seien Mitglieder und Gläubige verunsichert und sorgten sich, weiß Reiner Gärtner und benennt konkret die Kontaktbeschränkungen, die zu Einsamkeit und einer Zunahme von Depressionen führten. "Wir sorgen uns auch um die, deren wirtschaftliche Existenz gefährdet ist, weil sie nicht wie gewohnt den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien und Mitarbeiter verdienen können", so Gärtner. Und man sorge sich auch um jene, die sich im Gesundheitswesen und in öffentlichen Einrichtungen um die Versorgung der Menschen kümmern.

"Viele lernen wieder Rücksicht zu nehmen und nicht nur sich selbst als das Maß aller Dinge zu sehen."

Reiner Gärtner, Vorsitzender der Kolpingsfamilie Friedenfels, zur Corona-Pandemie

"Aber wir sind auch dankbar", meint Gärtner. "Es fallen keine Bomben und die Strom- und Wasserversorgung funktioniert. Finanzielle Rettungsschirme in ungeahnter Höhe scheinen möglich. Wir können vielfältig über Telefon und Internet kommunizieren und manche schreiben sogar wieder Briefe. Viele werden aufmerksam auf hilfsbedürftige Nachbarn. Viele lernen wieder Rücksicht zu nehmen und nicht nur sich selbst als das Maß aller Dinge zu sehen." Abschließend wünscht sich Gärtner, "dass wir baldmöglichst wieder gemeinsam viele schöne Stunden in der großen Kolpingsfamilie verbringen können und dass Mitglieder und Bevölkerung gesund bleiben".

Erfolgreiche Altkleidersammlung der Kolpingsfamilie Friedenfels

Friedenfels
Der Erntedankwagen der Kolpingjugend zum Erntefest war stets ein Hingucker in Friedenfels.
Auch auf junge Familien hatte die Kolpingsfamilie Friedenfels stets ein Augenmerk. Besonders gut kam nicht nur bei den Jüngsten eine Alpaka- und Lama-Wanderung im Herbst 2020 an.
Wandern, Beten und Einkehr. Den alljährlichen Emmausgang führten stets Vorsitzender Reiner Gärtner und Pfarrer Joseph (vorne, Mitte) an.

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