05.10.2018 - 18:39 Uhr

Der Friedensnobelpreis ist eine kluge Wahl und eine Mahnung

Nadia Murad wurde von der Terrormiliz "IS" verschleppt. Seit ihrer Befreiuung versucht die 25-jährigeauf das Schicksal der Jesiden aufmerksam zu machen. Der Nobelpreis an sie und an den Arzt Denis Mukwege ist ein zweifaches Signal.

Kommentar von Alexander Pausch
Die Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad Basee Taha erhält den Friedensnobelpreis 2018. Bild: Julian Stratenschulte/dpa
Die Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad Basee Taha erhält den Friedensnobelpreis 2018.

Völkermord, Vertreibung, Versklavung, massenhafter Missbrauch und Vergewaltigung sind auch im 21. Jahrhundert an der Tagesordnung. Eine bittere Wahrheit. All die feierlichen Schwüre der Weltgemeinschaft, sie wolle aus ihrem mehrfachen Versagen im vergangenen Jahrhundert lernen und es besser machen, haben sich als leeres Gerede erwiesen.

In Kriegen und innerstaatlichen Konflikten sind bis heute systematischer Missbrauch und Vergewaltigung ein Mittel aller Konfliktparteien. Männern, Frauen und Kindern im Irak, in Syrien und im Kongo ergeht es nicht besser als Männern, Frauen und Kindern während der Balkan-Kriege.

"R2P" - zwei Buchstaben und eine Zahl - stehen für "Responsibility to Protect" (Verantwortung zu schützen). Ein Konzept, wonach die internationale Gemeinschaft gefordert ist, wenn es ein Staat versäumt, seine Bevölkerung vor Menschenrechtsverletzungen zu schützen. Tatsächlich schaut die Welt regelmäßig zur Seite.

Es kommt noch immer auf den beherzten Einsatz einzelner Menschen und der Zivilgesellschaft an. Vor diesem Hintergrund ist der Friedensnobelpreis an zwei Aktivisten, die gegen sexualisierte Gewalt kämpfen, sich den Opfern zuwenden und diesen eine Stimme geben, eine kluge Wahl.

Die Jesidin Nadja Murad wird als UN-Botschafterin überall gefeiert, doch das Schicksal ihres Volkes wird längst wieder von der Welt ignoriert. Dabei gibt es für Jesiden bis heute keinen Frieden. Auch Denis Mukwege steht Opfern sexualisierter Gewalt bei. Sie leiden unter einem ungelösten Konflikt, der auch tobt, weil die Welt aus seinem Heimatland Kongo Rohstoffe wie Coltan bezieht. Diese werden etwa in Smartphones verwendet, wie das katholische Hilfswerk Missio betont. Es unterstützt Mukweges Arbeit seit langer Zeit.

Der Friedensnobelpreis 2018 ist deshalb auch eine Mahnung, die Arbeit Murads und Mukweges und der vielen anderen, die sich Opfern der Kriege zuwenden, zu unterstützen. Wenn es die Staatengemeinschaft nicht macht, jeder Einzelne kann es.

Der kongolesischen Arzt Denis Mukwege erhält den Friedensnobelpreis 2018. Bild: Patrick Seeger/dpa
Der kongolesischen Arzt Denis Mukwege erhält den Friedensnobelpreis 2018.
 
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