20.09.2019 - 18:43 Uhr
Friedersreuth bei PressathOberpfalz

"Die Wirtshauskultur in der Oberpfalz ist einmalig"

Martin Höck stammt aus Hessen und lebt seit elf Jahren in der Oberpfalz. In unserer Rubrik "Zugroast" schwärmt er von seiner neuen Heimat - vor allem von der Zoiglkultur.

Martin Höck lebt seit 2008 in der Oberpfalz.
von Julian Trager Kontakt Profil

Martin Höck (46) ist in Kirchhain Stausebach im Marburger Land aufgewachsen. Seit 2008 lebt er in Friedersreuth bei Pressath (Kreis Neustadt/WN). Der gebürtige Hesse arbeitete zunächst als angestellter Geschäftsführer bei der Firma Windschiegl Maschinenbau in Windischeschenbach. 2011 kaufte er das Unternehmen mit 85 Mitarbeitern. Heute ist Höck froh, den Schritt in die Oberpfalz gewagt zu haben. Besonders angetan ist er von der Bodenständigkeit und Hilfsbereitschaft in der Region. Er sagt: "Ich habe mich hier von der ersten Minute an wohl gefühlt."

ONETZ: Der Oberpfälzer ist ein Grantler und Sturkopf. Stimmt’s?

Martin Höck: Das kann ich verneinen. Grantler und Sturköpfe gibt es überall, auch in meiner alten Heimat.

ONETZ: Mit welchen Vorurteilen und Erwartungen sind Sie in die Oberpfalz gekommen? Und wie lautet jetzt Ihr Fazit?

Ich hatte keine Vorurteile. Ich war neugierig und motiviert auf das, was unmittelbar bevorstand. Schließlich hatte ich beruflich eine neue Herausforderung angenommen. Mein Fazit kann ich mit einem hohen Maß an Zufriedenheit beschreiben. Meine Familie und ich fühlen uns in der Oberpfalz sehr wohl. Wir sind hier angekommen und fühlen uns sowohl privat als auch beruflich ‚zu Hause‘.

ONETZ: Spielen Sie oft mit dem Gedanken, in Ihre alte Heimat zurückzukehren? Wie oft fahren Sie tatsächlich zurück?

Diesen Gedanken habe ich nicht, da wir hier alles haben, was uns als Familie glücklich und zufrieden stellt. In die alte Heimat komme ich immer seltener, da unser Lebensmittelpunkt hier ist. Ein bis zweimal im Jahr besuche ich dennoch meine alte Heimat, um meine Verwandten und Freunde zu treffen.

ONETZ: Was erzählen Sie dort von Ihrer neuen Heimat? Was würden Sie Ihren Verwandten oder Freunden zuerst zeigen, wenn die zu Besuch in die Oberpfalz kommen?

Thema Nummer eins ist da natürlich die Zoiglkultur in Neuhaus und Windischeschenbach. Ein Besuch in einer Zoiglstube ist ein absolutes Muss. Diese Wirtshauskultur ist einmalig und habe ich woanders so noch nie erlebt. Generell mag ich hier im Besonderen das traditionelle Miteinander von Jung und Alt. Ich besuche möglichst viele ‚regionale‘ Veranstaltungen. Die Oberpfalz ist reich an Kultur, und man ist verkehrstechnisch sehr gut angebunden. Die Oberpfalz ist kein luftleerer Raum, sondern eine Region der Perspektive, welche auch der Nachwelt eine modere Zukunft bietet. Ich komme viel herum und doch freue ich mich immer wieder, wenn ich zurück in meiner Oberpfälzer Heimat bin.

ONETZ: Verstehen Sie Ihre Oberpfälzer Kollegen, wenn Sie mit ihnen nach Feierabend ein Bier trinken?

Da habe ich mittlerweile keine Probleme. Ganz im Gegenteil: Ich genieße so manche längere Sitzung beim „Zoigln“.

ONETZ: Fühlen Sie sich bereits als Oberpfälzer?

Ja, das kann ich von mir sagen. Wenn Geschäftspartner oder Freunde aus der alten Heimat zu mir kommen, dann sagen Sie, dass ich den Dialekt und die Oberpfälzer Kultur angenommen habe. Trotzdem vergesse ich meine hessischen Wurzeln nicht, die sind schließlich Teil meines Lebens.

Serie "Zugroast":

In der Kolumne "Zugroast" stellen wir jede Woche Menschen vor, die aus Hamburg, dem Ruhrpott oder Kasachstan in die Oberpfalz gezogen sind - und hier eine neue Heimat gefunden haben.

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