Es ist ein fantasievoll geschriebenes Buch. „Und begonnen habe ich damit im heißen Sommer 2018“, lacht der Autor. Sichtlich erleichtert ist der Fuchsmühler, dass sein Werk jetzt fertig vor ihm liegt und für Lesungen sowie zum Verkauf bereit ist. Wenn auch die Anspannung bei den umfangreichen Vorbereitungen eines Buches, das insgesamt in seinem Erscheinungsbild sehr schön geworden ist, für Werner Robl nun vorbei sind, geht die wirkliche Spannung erst los. Wie werden die Leser Robls Weihnachtsgeschichte in Reimform aufnehmen? Werden sie offen dafür sein oder das Buch gleich wieder weglegen mit wirschem Gemurmel, wie „so ein Quatsch“?
Alles kann passieren, denn Werner Robl hat es sich erlaubt, die Weihnachtsgeschichte umzuschreiben und nach Wiesau zu versetzen. Das hätte überall geschehen können, ist seine Meinung. Animiert dazu, erzählt er, habe ihn eine Lesung in der Waldsassener Basilika, wo Willi Pröls die Weihnachtsgeschichte von Ludwig Thoma vorgetragen hat. Werner Robl hat der Ehrgeiz gepackt. Und es hat ihn sofort unheimlich gereizt, eine eigene Weihnachtsgeschichte zu schreiben.
Nun hat der Fuchsmühler nicht alles verändert. Die Handlung bleibt. Dennoch ist Vieles in Robls Weihnachtsbilderbuch, wie er es bezeichnet, anders. Der Autor hat die Schauplätze und das Zeitfenster verändert. Maria und Josef wohnen am Kreuzberg in Wiesau, wo der späteren Gottesmutter der Erzengel Gabriel erscheint. Alles findet um 1900 statt. Keine Frage, dass sich die Wiesauer Klatschweiber über den Besuch eines fremden Mannes, des Erzengels Gabriel, bei der ledigen Jungfrau Maria die Mäuler zerreißen. Maria wohnt in Robls ehemaligem Elternhaus.
Schwierig, sagt dieser, sei es für ihn gewesen, einen Geburtsort zu finden. Die Krippe sollte, da Werner Robl die Geschichte an sich nicht wesentlich verändern wollte, weiter weg von Wiesau liegen. Schließlich sollte auch das Heilige Paar aus dem Steinwald zur Volkszählung gehen. Bei einer Brotzeit im Glasschleif-Biergarten bei Pullenreuth seien ihm die Augen aufgegangen, erzählt Robl lachend. „Hier“, habe er dem Wirt zugerufen, „kann’s geschehen“. Der Glasschleifwirt wisse bis heute nicht, wie ihm geschehen sei. Robl hat seinen spontanen Ausruf nicht aufgeklärt.
Liebevoll und in schöner Sprache im Dialekt erzählt der Fuchsmühler seine Version von Maria, dem Engel und dem erbosten Josef, der natürlich sehr eifersüchtig ist. Da geht es nicht immer bierernst zu. Robl lässt lustige Passagen zu, wie zum Beispiel die Freude der „Härtl Anna“ darüber, dass ihr Laden zum Treffpunkt der Ratschweiber wird. Die lassen sich ausgiebig über den fremden Mann bei Maria aus, und die Ladenkasse klingelt doppelt. Auch in Robls Version hält der heilige Josef zu seiner Maria. Er begleitet die Hochschwangere zur Volkszählung nach Pullenreuth.
„Übern Stoawald scheint grad der Mou/Der Nebel steigt, der Herbst ist bald dou/Vom Teichelberg schneidt a eisiger Wind/als Maria mit dem Packen beginnt“: Nur ein bisschen Fantasie braucht es da, um Maria und Josef vor dem geistigen Auge zu sehen, wie sie sich im tiefen Schnee bei eisiger Kälte aneinanderklammern, um sich zu wärmen und nicht zu verlieren.
Anschaulich ist Robls Weihnachtsbilderbuch in jeder Hinsicht. Für das Layout und die Bebilderung hat er sich professionelle Hilfe aus eigenen Familienkreisen geholt. Sein Sohn Michael und dessen Freundin Isa Kautnik arbeiten in München als Grafikdesigner. Die jungen Leute haben sich viel Mühe gegeben, das Buch nach den Wünschen Werner Robls zu gestalten. Ein kleines Schmuckstück ist es geworden, sogar mit Lesebändchen versehen und richtig gebunden.
„Die Krippe am Schützweiher – Jesu Geburt im Steinwald“ nimmt man gerne in die Hand, um drin zu blättern, zu lesen und sich in den Illustrationen oder dem Text zu verlieren. Seine Lese-Premiere hat Werner Robl bald. Obwohl es bis Weihnachten eine Weile hin ist, liest er das erste Mal am 22. Oktober bei einer internen Seniorenveranstaltung aus seinem Werk vor. Die erste öffentliche Lesung findet am 6. Dezember im Waldershofer Leseclub im Alten Rathaus statt.
„Die Krippe am Schützweiher“ hat gut 70 Seiten, wurde in Eigenregie herausgegeben in einer Erstauflage von 250 Stück und ist bei Werner Robl und im Rathaus Wiesau erhältlich. Das Buch kostet 15,90 Euro.













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