26.03.2020 - 11:46 Uhr
FuchsmühlOberpfalz

"Beten, dass es nicht noch schlimmer wird"

Ein Virus verändert die Welt. Veranstaltungen sind abgesagt. Deutlich eingeschränkt ist auch das kirchliche Leben im Wallfahrtsort Fuchsmühl. Viele Gläubige bitten die Mutter Gottes um Beistand und beten um Schutz vor einer Erkrankung.

Die Wallfahrtskirche „Maria Hilf“ bleibt tagsüber auch weiterhin geöffnet. Öffentliche Gottesdienste aber finden derzeit dort nicht statt.
von Werner RoblProfil

Um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, werden auch in der Wallfahrtskirche "Maria Hilf" alle Messen ohne Gläubige gefeiert. Während der Woche finden sie in der Hauskapelle statt. Dort werden sie stellvertretend für die Gemeinde und unter Ausschluss der Öffentlichkeit von Pfarrer Joseph und Pater Martin gelesen. Requiems wurden auf den engsten Familienkreis beschränkt. Endgültig abgesagt sind geplante Veranstaltungen, wie zum Beispiel der Jugendkreuzweg oder das Fastenessen. Nicht stattfinden werden auch die Jahreshauptversammlung der KAB und ein bereits angekündigter Vortrag.

Zudem bedauert Pfarrer Joseph, dass auch das Taizé-Gebet, das ursprünglich für den 3. April angesetzt war, nicht stattfinden wird. Beichten kann man nur in Notfällen. Wie die bevorstehenden Ostertage gefeiert werden, erfahren die Gläubigen in den kommenden Tagen. Von den Schutz-Maßnahmen betroffen ist auch der Kirchenchor, der sich normalerweise Donnerstagabend im Jugendheim trifft. Nach Angaben einer Chorsängerin wurden die Chorproben bis auf Weiteres ausgesetzt.

Kirchentüre bleibt offen

"Wir müssen lernen, mit der aktuellen Situation umzugehen", mahnt der Vinzentiner-Geistliche Pfarrer Joseph, der wie sein Mitbruder Pater Martin aus Kerala in Südindien stammt. "Unsere Kirchentüre bleibt offen, bleiben Sie auch im häuslichen Gebet in diesem Anliegen mit uns verbunden", kann man derzeit auf der Internetseite der Wallfahrtspfarrei lesen.

"Unser Angebot, weiterhin - wenn auch nur zum stillen Gebet oder um eine Kerze anzuzünden - in die Kirche zu kommen, wird gut angenommen", beleuchtet Pfarrer Joseph die derzeitige Situation bei einem Telefonat mit Oberpfalz-Medien. "Es sind schon mehr Leute geworden, die alleine beten", schildert Pfarrer Joseph seine Beobachtungen, die er in der Wallfahrtskirche "Maria Hilf" in den zurückliegenden Tagen machte.

Immer schon gut besucht waren und seien vor allem jetzt die Ritakapelle und die wenige Schritte entfernte Gnadenkapelle mit dem von Votiv-Tafeln umgebenen Marienaltar. In der Gebetsstätte steht seit einigen Jahren ein hoher Tonkrug mit der Aufschrift "Füllt den Krug mit Euren Anliegen". Davor, auf einer Bank, liegen ein Buch zum Hineinschreiben, Fürbitten und Andachtsbildchen. Zudem findet man auf einem Tischchen leere Papierblätter und einen Kugelschreiber, damit man Gedanken notieren kann, um die Zettel danach in den Krug zu werfen. Die Notizzettel sind laut Pater Joseph aber jetzt öfter vergriffen als sonst. Wegen der Ansteckungsgefahr bleiben die Weihwasserkessel leer.

Um weiter in Kontakt zu bleiben, greift Pfarrer Joseph hin und wieder zum Telefon, um sich bei den Kirchgängern zu melden. "Aber sonst ist es im Pfarrbüro still." Dort wurde der Parteiverkehr eingestellt. Messintentionen können aber trotzdem bestellt werden. Dafür liegen bedruckte Umschläge auf, die dann - mit dem entsprechenden Betrag und der Intention versehen - im Klosterbriefkasten landen. "Wir sind machtlos, darum können wir nur beten, dass es nicht noch schlimmer wird", sagt Pfarrer Joseph und appelliert an die Vernunft der Menschen, Schutz-Maßnahmen einzuhalten.

"Wir können die Zeit nutzen, um Gott wieder näher zu kommen. Zudem sollten wir im Gebet verbunden bleiben", mahnt der Pfarrer und betont: Das Coronavirus und die damit verbundene Krise seien Mahnungen, die uns alle angehen. In der Ratlosigkeit sieht er einen Appell, über manche Dinge nachzudenken. Wie es mit den Wallfahrten, die normalerweise Anfang Mai starten, heuer weitergeht, lässt Pfarrer Joseph noch offen. "Wenn die Krise überstanden ist, überlassen wir die Entscheidung den Leuten, ob sie kommen möchten."

Vor dem Marienaltar liegen Gebetsbücher, Fürbitten und Andachtsbilder auf. Zudem findet man dort ein kleines Buch und (rechts auf dem Tischchen) Zettel, um Anliegen aufzuschreiben. Aufbewahrt werden sie in einem Krug, der hinter dem Gitter steht.
"Hilf, Maria hilf, bitte!":

In den Anliegen-Büchern, die in der Rita- beziehungsweise vor der Gnadenkapelle offen aufliegen, finden sich Einträge wie:

"Beschütze und bete für uns, Heilige Rita."

"Heilige Maria, Mutter Gottes! Halte Deine schützenden Hände über meine Familie, behüte sie und beschütze sie vor der Coronakrise. Danke Dir Heilige Maria, in Ewigkeit. Amen."

"Hilf, Maria hilf, bitte!"

"Heilige Maria Mutter Gottes, bitte für uns. Verschone uns bitte vom Corona-Virus. In Dankbarkeit."

Im Vinzentiner-Kloster leben Pfarrer Joseph und Kaplan Pater Martin. Im Haus befinden sich auch der Klosterladen und das Pfarrbüro. Ein Parteiverkehr findet derzeit aber nicht statt.
Der Marienaltar ist ein viel besuchter Ort, um in Stille zu beten.
Immer wieder legen Gläubige Kerzen in die Schale, die von einem Engel getragen wird. Die Opfergaben werden nach und nach entzündet.
Seit einigen Jahren steht in der Marienkapelle ein Tonkrug. Darin werden die Zettel mit Anliegen der Gläubigen gesammelt. Zurzeit ist er gut gefüllt.
Auch ein beliebter Zufluchtsort ist die Kapelle mit der Statue der heiligen Rita, die als Vermittlerin bei ausweglosen Situationen gilt.
Die Pfarreiengemeinschaft Fuchsmühl/Friedenfels betreut Pfarrer Joseph aus Kerala in Südindien. Mit Sorge verfolgt er die derzeitige Krise.

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