Das (kurz) sogenannte „Windkraftbeschleunigungsgesetz“ macht Windräder auch in den Wäldern der Naturparks möglich. Im Gespräch ist eine große Anlage im Teichelberg im Flächendreieck Wiesau/Fuchsmühl/Pechbrunn. Eine vor Monaten gegründete Bürgerinitiative befürchtet die Zerstörung des „Kleinodes“ auf den basaltreichen Höhen.
Detlef Kretschmer kennt sich dort aus. Der 82-jährige Landwirt im Ruhestand habe dort, wie er gegenüber Oberpfalz-Medien berichtet, 45 Jahre lang mit dem Unimog Schnee geräumt. „Wenn ich vorbeifuhr, sind die Rehe stehen geblieben und haben mir zugeschaut“, beschreibt er. „Und jetzt, mir fehlen die Worte, will man hier Windräder bauen. Da stimmt doch was nicht.“ Mit der Landschaft groß geworden ist auch Tochter Christina Kretschmer. Während der Woche lebt sie in Regensburg, an freien Tagen in der Bächermühle, dem elterlichen Anwesen zwischen Fuchsmühl und Triebendorf nahe des Teichelberges. Vater und Tochter sind gegen eine Verschandelung durch Windräder.
Christina Kretschmer ist seit 21. März Sprecherin der Bürgerinitiative (BI) „Wirklich Windkraft im Naturpark?“. "Vielleicht werden wir den Namen ergänzen", meint Kretschmer mit Blick auf die Alternative: "Brauchen wir wirklich Windräder im Naturpark?" – genauer definiert: im angrenzenden Teichelberg. Kretschmers Angaben nach war die Bildung einer BI nicht schwer. "Größtenteils sind wir Freunde und Nachbarn. Hin und wieder begegnen wir uns bei Spaziergängen und kommen ins Gespräch.“ Dabei kristallisierte sich heraus, dass "jeder, auch die Leute in den umliegenden Ortschaften, um den Teichelberg besorgt sind". Für sie und ihre Freunde sollen die Höhen und das Tal rund um die Bächermühle wertvolle Erholungsorte bleiben. Aller Anliegen sei der Erhalt des „erholsamen Charakters" des vorhandenen Naturparadieses.
Sprachrohr für alle in der Region
Ziel sei auch eine sachliche Information, um auf die Veränderungen des Lebensumfeldes Steinwald/Teichelberg hinzuweisen „Immer mehr Neue kommen hinzu“, beschreibt Kretschmer die Mitgliederentwicklung der 30-köpfigen Bürgerinitiative, deren Mitglieder in Triebendorf, Wiesau, Fuchsmühl und Helmbrechts bei Waldershof leben. Eines haben sie gemeinsam: Sie stellen und stemmen sich gegen die Windkraftanlage.
Mitstreiter sind Michael Zuber und Thomas Kamm aus Fuchsmühl. „Unser aller Ziel ist es, die Bewohner von Fuchsmühl, Hurtingöd und Triebendorf, auch diejenigen aus Wiesau, Pechbrunn, Helmbrechts und Schafbruck, auf die Folgen aufmerksam zu machen“, erklärt Kamm gegenüber Oberpfalz-Medien. Die Bürger seien doch die Hauptbetroffenen des Windkraftprojektes. Die Betreiber sollten sich im Klaren sein, ergänzt Zuber, „dass ein sensibles Naherholungsgebiet geopfert und für lange Zeit zerstört wird". "Und wer", schiebt er nach, "kommt für die Schäden auf?" Thomas Kamm klinkt sich ein und fragt, ob die Anlage sinnvoll und rentabel sei. „Falls nein, droht die Stilllegung." Die Natur aber bleibe kaputt. "Wir sehen uns als Sprachrohr; es darf keine Verlierer geben“, versichert Thomas Kamm. „Wir wollen auch denjenigen eine Stimme geben, die sich nicht wehren können. Daher müssen wir noch lauter und größer werden. Wir sind für alle offen, kämpfen für unsere Heimat und eine lebenswerte Zukunft", unterstreicht der Fuchsmühler.
"Bedenkliches Szenario"
Der Dialog mit den Entscheidungsträgern sei genauso wichtig wie unabhängige Gutachten zur Belastung der Bevölkerung und des Ökosystems, verdeutlicht Zuber. Kretschmer spinnt den Faden weiter und spricht von „riesigen Anlagen“ und einem „bedenklichen Szenario": Lärm, Schattenschlag, Infraschall und Mikroplastik, ferner von Gefahren für Trink- und Grundwasser. „Die enorme Schädigung kann doch kein Klimaschutz sein.“ Ungelöst sei nach Kretschmers Ansicht das Recyceln nicht mehr benötigter oder schadhafter Bauteile. Wegen der Windräder drohe die Austrocknung der Böden mit erhöhter Waldbrandgefahr. Ungeklärt sei, wie die Feuerwehren im Ernstfall in den Höhen der Kraftwerke löschen sollen. Nicht nur deshalb würden Kontakte zu Behörden und Gremien gepflegt.
Von Beginn an vernetzte sich die Initiative mit Naturschutzexperten und gleichgesinnten Bürgerinitiativen, wird berichtet. Auf einen Fachmann kann die BI direkt zugreifen: Der Diplomingenieur aus Regensburg ist Mitglied der Gemeinschaft und Fachmann auf dem Gebiet Lärmmessung. Ihr Wissen tragen auch die anderen Mitglieder bei, die in unterschiedlichen Unternehmen, bei Dienstleistern oder im Handel und Handwerk tätig seien.
Appell an Bürgermeister und Gemeinderäte
Beim Treffen wird deutlich, dass man sich auf "wesentliche Lücken, Unklarheiten und zu erwartende Gefahren" stützt. "Die Konzerne werden rasch handeln", um, wie Kretschmer betont, "die Förderungen abzugreifen". Die Pachtsummen seien verlockend, Risiken würden auf die Grundstücksbesitzer abgewälzt, glaubt die Sprecherin.
Die BI lehnt die Bündelung zahlreicher Windkraftanlagen "auf Kosten von Mensch und Natur" ab. Im Fokus stünden Natur- und Artenschutz. "Wir werden die Gutachten der Konzerne prüfen lassen und mit den beteiligten Gemeinden Wiesau, Fuchsmühl und Pechbrunn sprechen“, versichert Sprecherin Kretschmer. Allen wichtig sei die öffentliche Veranstaltung am Freitag, 4. Juli, um 19 Uhr im Hotel „Hackelstein“ in Fuchsmühl.
Der Windpark Teichelberg
- Geplante Fläche: mehr als 400 Hektar
- Lage: im Flächendreieck der Gemeinden Fuchsmühl, Pechbrunn und Wiesau
- Maßnahmenumfang: Anlage mit einer noch nicht bekannten Zahl an Windrädern
- Gesamthöhe eines Windrades: 265 bis 285 Meter Meter
- Vergleichszahl: Türme der Wallfahrtskirche in Fuchsmühl sind 36 Meter hoch
- Abstände: zu den Wohnbebauungen 1000 Meter, im Außenbereich 500 Meter
- Gesetzesgrundlage. Gesetz zur Erhöhung und Beschleunigung des Ausbaus von Windenergieanlagen an Land
Quelle: Flyer der Bürgerinitiative














Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.