20.05.2020 - 11:21 Uhr
FuchsmühlOberpfalz

Feenhäuser am Hackelstein

Der Hackelstein ist ein beliebtes Ausflugsziel. Seit Kurzem lockt dort auch ein Zwergen-Dorf mit Kirche. Eine reizvolle Streusiedlung. Die Idee stammt von einem jungen Fuchsmühler.

von Werner RoblProfil

Mitten im Wald, westlich von Fuchsmühl, erhebt sich das Naturdenkmal Hackelstein. Den Gipfel des imposanten Granitberges erreicht man bequem über eine Besteigungsanlage. Ganz in der Nähe befinden sich zwei Unterstellhütten und Ruhebänke. Vor wenigen Wochen entstand dort auch ein Dorf aus Holz und Stein. Das Rätsel um den Erbauer wurde durch einen Hinweis aus der Bevölkerung vor einigen Tagen gelöst.

Der 28-Jährige heißt Michael Höcht und lebt in Fuchsmühl. Von Beruf ist er Anlagenmechatroniker. "Das Dorf, bestehend aus rund 40 Häusern und einer Kirche, habe ich ganz alleine gebaut", gesteht er auf telefonische Anfrage. Höcht - überrascht vom Anruf von Oberpfalz-Medien- fügt hinzu: "Ich bin positiv erstaunt darüber, dass meine Idee die Runde macht und freue mich über den großen Anklang." Inzwischen hat es sich nämlich herumgesprochen, dass das Miniatur-Dorf aus seiner Werkstatt stammt. "Man hat mir auch erzählt, dass die Leute begeistert sind." Kinder seien felsenfest überzeugt, dass am Hackelstein Zwerge oder Feen eingezogen sind, sagt Höcht.

Märchenhaft

Tatsächlich: Beim Besuch am Naturdenkmal stellt man eine fast märchenhafte Stimmung fest. Auf einem der Felsvorsprünge steht ein kleines Häuschen, auf einem anderen eine Kirche. Immer wieder entdeckt man weitere Stein- und Holzgebäude, die - wie Michael Höcht aber betont - "nur" bewohnte Vogelhäuschen sind, die er am Felsen verteilte. Wie die von manchen auch als "cool" bezeichnete Idee in ihm reifte, beleuchtet der 28-Jährige in einem kleinen Rückblick. "Ich habe mir schon oft überlegt, was mir Spaß machen, aber zugleich auch für einen Blickfang sorgen könnte." Bei seiner Internet-Recherche stieß er auf Bilder, wo die Vogelhäuschen vorgestellt wurden. Sie animierten ihn, ein Dorf zu bauen. Höcht entschied sich für den Standort Hackelstein, um dort die ins Auge gefasste Siedlung entstehen zu lassen. Die Begeisterung war groß. Sogleich ergänzte er seinen Werkzeugkasten, besorgte sich ausreichend Material für die Holzkonstruktion, um die Anregung in die Tat umzusetzen.

Am Hackelstein findet zu Weihnachten stets eine stimmungsvolle Waldweihnacht statt

Fuchsmühl

Seit Anfang Februar entstanden rund 50 Gebäude. Die meisten beklebte Höcht mit kleinen Steinen. Zehn Häuser verschenkte er an seine Eltern und Nachbarn, der Rest war für den Steinwald bestimmt. Zudem entstand aus vielerlei Materialen eine Ritterburg, mit der er Mutter Christine überraschte. "Damit, so glaubte ich, könnte ich den Leuten ein Lächeln ins Gesicht zaubern." Die fertigen und für den Wald bestimmten Häuschen und Mini-Holzstöße wurden danach - in Absprache mit dem zuständigen Revierförster - zum Hackelstein transportiert. "Gemeinsam mit einem Bekannten, der mich dabei unterstützte, habe ich sie dort aufgestellt, um die Natur zu bereichern." Ausdrücklich betont der Fuchsmühler, dass er aus den Schmuckstücken keinen finanziellen Nutzen ziehen will. "An einen Verkauf der Häuschen oder des geplanten Insektenhotels, das mir derzeit vorschwebt, denke ich dabei nicht."

Keine "Souvenirs"

Vor wenigen Tagen war Höcht erneut vor Ort, um nach dem Rechten zu sehen. Zu seinem Bedauern aber stellte er fest, dass das Hackelstein-Dorf etwas kleiner geworden ist. "Offenbar verschwanden einige Gebäude als Andenken", vermutet Höcht und gesteht: "Die kleinen Bauwerke tragen aber ein persönliches Schutz-Symbol. Ich würde sie auf Anhieb wiedererkennen, sollte ich per Zufall eines in einem fremden Garten entdecken." Höcht lacht aber und bittet darum, dass man von weiteren "Souvenirs" Abstand nehmen sollte. "Viele lassen sich mit den Häuschen im Hintergrund fotografieren oder machen Selfies, um die Bilder auch ins Internet zu stellen", erzählt er beim Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Durch solch einen Eintrag in einem sozialen Netzwerk, zufällig auch durch einen Tippgeber erfuhren wir vom Erbauer. "Ich habe noch weitere Ideen, mit denen ich die Menschen überraschen und den Naturpark Steinwald bereichern möchte", fasst Höcht zusammen. Dazu gehört auch ein ungewöhnliches Schmuckstück in seinem Garten. Höchts Grundstück ziert ein nicht zu übersehendes Fischerboot. Derzeit aber ist Michael Höcht damit beschäftigt, seine Hochbeete fertig zu bauen. "Daher werde ich - was die Ideenschmiede betrifft - eine kleine Pause einlegen müssen. Aber lasst euch überraschen", verspricht der Fuchsmühler, dass er an neuen Einfällen bereits arbeite.

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Kommentare

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Tanja Härtl

Wunderschön, was Herr Höcht hier geleistet hat! Vielen Dank dafür!
Bedauerlich, dass es doch schon wieder Zeitgenossen gibt, die "lange Finger" gemacht haben. Ich verstehe solche Leute nicht. Bitte bringen Sie die Häuschen wieder zurück, damit sich alle Wanderer daran freuen dürfen!
Ich würde mich jedenfalls sehr freuen, die kleinen Kunstwerke im geplanten Herbsturlaub auf unserer nächsten Hackelstein-Wanderung besichtigen zu dürfen!

20.05.2020