31.08.2020 - 15:05 Uhr
FuchsmühlOberpfalz

Mehr Wertschätzung für den Karpfen

Selbst für Insider war der Vortrag von Martin Oberle über die "Binnenfischerei weltweit und in Bayern" sehr interessant. Gehört haben ihn 20 Studierende der Slow-Food-Akademie Berlin in Fuchsmühl.

Aufmerksam lauschten die Slow-Food-Anhänger im Vortragsraum des Fuchsmühler Schlosses dem Referenten zum Thema Binnenfischerei und Karpfenzucht.
von Ulla Britta BaumerProfil

Diplom-Agraringenieur Martin Oberle vom Institut für Fischerei an der Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft stammt selbst aus einer Fischbauernfamilie. Sein Wissen über die Binnenfischerei hat er vervollständigt als Sachverständiger für die Binnenfischerei. Davon profitiert haben 20 junge Erwachsene von der Slow-Food-Akademie Berlin. Im Schloss Fuchsmühl lauschten die 20 Teilnehmer eines Wochenendseminars gemeinsam mit Seminarkoordinatorin Elia Carceller aufmerksam, was Oberle über den Fischfang und die -produktion weltweit im Vergleich zu den kleinstrukturierten Fischbauern in Bayern vermittelte.

"Die Karpfenwirtschaft ist die nachhaltigste Form der Aquakultur": Mit dieser Aussage war der Vortrag überschreiben. Was nicht heißen soll, das Oberle die weltweite Vermarktung der Binnenfische insgesamt verurteilte. Er sprach den gigantischen Fischzuchtanlagen in Vietnam durchaus ein Qualitätsprodukt "Karpfen" zu. Aber es sei halt ein Unterschied, ob Fische in Naturgewässern wachsen dürfen oder in XXL-Becken auf engstem Raum gemästet werden.

Hilfe für Kleinbauern

Oberles Aufgabe ist es, die Kleinbauern in der Fischzucht zu unterstützen. Deshalb begrüßte er die Aktivisten der Slow-Food-Bewegung aus Berlin sehr, da sie das gleiche Ziel wie er bei der Lebensmittelproduktion verfolgen würden. Der Referent klärte die Anwesenden anhand von Zahlen über den weltweiten Binnenfischhandel auf. So seien die Karpfen mit 18,8 Millionen Tonnen mit die bedeutendsten Fischarten. Die jungen Leute lernten die unterschiedlichen Zuchtverfahren in der Aquakultur kennen.

In Bayern, so Oberle, habe die Karpfenzucht eine 1200-jährige Geschichte hinter sich. "Und ist bis heute relativ naturnah geblieben." Wobei der Referent eine Steigerung der Produktion am Beispiel der Forellenzucht aufgrund verbesserter Futtermittel einräumte. Den angeblich "muffigen" Karpfen stellte er der Forelle als beliebteren Speisefisch gegenüber. Was viele nicht wüssten: Die Forelle stamme häufig aus Dänemark, wo sie in schneller Produktion in riesigen Becken gehalten werde mit einigen Tausend Exemplaren in einem einzigen Gehege.

Zum regionalen Fisch wusste er, dass in Franken, Sachsen und der Oberpfalz der Karpfen als Zuchtfisch eine hohe Wertschätzung erfahre. Unter anderem werde die bayerische Karpfenteichwirtschaft mit dem Titel "immaterielles Kulturerbe" hervorgehoben. Auch sei der Karpfen entgegen seines Rufs fettarm und eiweißreich. Leider sei der Gewinn für die Kleinfischbauern in Bayern im Gegensatz zur Massenfischhaltung in anderen Ländern äußerst klein.

In einem polnischen Betrieb, als nur ein Beispiel, würde man 1200 Tonnen Karpfen jährlich produzieren, in Bayern in den Teichen 400. "Was heißt, ein polnischer Karpfenbetrieb hat einen Jahresgewinn von 40.000 Euro pro Hektar, während dem Bayerischen Fischbauern lediglich 200 Euro pro Hektar bleiben," rechnete Oberle vor. Das sei kein angemessenes Entgelt.

Als Exoten im Karpfenteich stellte der Experte die Schleie, den Zander und den Hecht vor. Außerdem gebe es Gras- und Silberkarpfen, wovon letzterer mit weltweit sechs Millionen Tonnen einen großen Anteil am Fischmarkt habe. Stolz ist Oberle darauf, dass der Karpfen nun endlich als modernes Lebensmittel gelte und von Greenpeace sowie WWF als einziger Fisch, der nachhaltig produziert wird, extra empfohlen werde.

"Der Fisch ist, was er frisst"

Die Slow-Food-Aktivisten hörten, wie Karpfenteiche für eine saubere Umwelt sorgen sowie Flora und Fauna Lebensraum bieten. Im Vergleich zum Huhn (Lebensdauer 36 Tage) und Schwein (Lebensdauer 3 Monate) dürfte sich der Karpfen im Oberpfälzer Teich auf ein dreijähriges Leben freuen bis er als Speisefisch diene. "Der Karpfen wächst von Natur aus natürlich auf", lautete Oberles Fazit, der sich für die Zukunft mehr Wertschätzung für den Karpfen wünscht.

"Der Fisch ist, was er frisst", nutzte der Referent eine Redewendung, um die hohe Qualität des Teichkarpfens darzustellen. In den Teichen bekämen die Fische auf natürlichem Weg das für Menschen wertvolle Omega 3. Während dies dem Zuchtlachs als Futtermittel zugeführt werden müsse, warb Oberle vehement für die hohe Qualität des Karpfens. Sein Hauptanliegen sei es, sagte er abschließend, dem bayerischen Karpfen zu einem fairen Preis zu verhelfen, damit sich die Vermarktung endlich auch lohne.

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Tirschenreuth
Agraringenieur MartinOberle vermittelte den jungen Slow-Food-Aktivisten ein interessantes Bild über die Binnenfischerei weltweit im Vergleich zur bayerischen Fischbauern-Struktur.
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