24.08.2018 - 16:39 Uhr
FuchsmühlOberpfalz

Mittendrin statt nur dabei

Die Bundesliga startet in die neue Saison. Noch nie war das Interesse in Fuchsmühl so groß wie diesmal. Die Fuchsmühler sind diesmal mittendrin, statt nur dabei. Einer aus dem Ort sitzt beim Club auf der Trainerbank.

Marianne Köllner ist die Mutter des 48-jährigen Club Trainers. Auf ihrem Tablett-PC hat sie die Emails abgespeichert, die er regelmäßig zu ihr nach Hause schickt. Dem Spiel in Berlin sieht sie gelassen entgegen.
von Werner RoblProfil

Trotz des enttäuschenden Abschneidens der Nationalmannschaft bei der WM ist die Fußballbegeisterung im Ort groß. Und die hat einen Namen: Michael Köllner. Der Mann aus Fuchsmühl trainiert mit dem 1. FC Nürnberg nun ein Bundesligateam.

Seit Wochen verkauft man im Dorfladen "FCN-Sekt und Club-Frankenwein". Natürlich hoffen die Bewohner darauf, damit auf Erfolge anstoßen zu können. Immer wieder erblickt man im Ort Leute, die in einem FCN-Trikot unterwegs sind. Schwarz-rote Sticker an einigen Autos sind ein untrügliches Zeichen dafür, dass hinter dem Steuer jemand sitzt, der sich zum Frankenteam bekennt.

Bekenntnis zur Heimat

Auf Michael Köllner ist man mächtig stolz, zumal sich der Cheftrainer der Mittelfranken klar zu seiner Oberpfälzer Heimat bekennt. Auch bei Interviews redet er weiter, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Er verwendet den Heimatdialekt.

Im Ortsteil Herzogöd freut sich jemand ganz besonders auf die Bundesligapremiere der Nürnberger, die im Olympiastadion gegen die Berliner Hertha antreten werden. Marianne Köllner - die Mutter des aktuellen Club-Trainers. Sie hat ihre Terrasse ganz in den Farben des 1. FC Nürnberg dekoriert. Hinter ihr baumelt ein Vereinsschal. Den Tisch ziert eine Vase, die sich beim näheren Hinsehen als eine Sektflasche mit dem Vereinssymbol und blühenden Rosen entpuppt. Daneben wartet eine runde Fußball-Sparbüchse darauf, gefüllt zu werden. Rundherum beklebt ist sie mit Emblemen des Traditionsvereins. "Nach jedem Tor werfen wir einen Euro hinein", sagt Marianne Köllner und steckt eine Münze in den Schlitz. Anschließend ertönt die Vereinshymne und Marianne lacht: "Einen Punkt holen wir in Berlin sicher." Der bekennende Club-Fan tippt ein 1:1 oder 2:2 gegen die Berliner. Sie hat natürlich Informationen aus allererster Hand. "Die Mannschaft ist gut eingestellt." Vor drei Tagen, kurz vor der Abreise nach Berlin, habe sie mit dem Sohn noch einmal telefoniert, verrät sie.

Am Samstag erwartet sie auf ihrer Club-Terrasse Gäste. Auch wie an allen anderen Spieltagen. Bei schönem Wetter wird auch in den Garten ausgewichen. Das war schon in der zweiten Liga so. Der regelmäßige Fußballnachmittag ist längst zu einem Fantreffen geworden. Um die Begegnungen verfolgen zu können haben sich die Köllners eigens dafür ein TV-Bundesliga-Abo ins Haus geholt. "Schließlich wollen wir unseren Club live sehen", verweist Marianne auf den Fernseher, der - für alle gut sichtbar - geschützt im Wintergarten steht. "Jeder ist willkommen", lädt sie zum Mitfiebern ein und lacht: "Es schneien auch spontane Zuschauer rein. Irgendwo finden wir schon ein freies Eck."

Mitte Dezember, zum Spiel gegen Wolfsburg, wird übrigens auch Tochter Manuela, die in Chicago lebt, in Herzogöd erwartet. "Dann besuchen wir das Max-Morlock-Stadion." VIP-Karten besitzt sie aber nicht. "Eine Trainer-Familie genießt keine Privilegien. Die Tickets kaufen wir normal", versichert die Herzogöderin, während sie von ihrem Kaffee nippt. Die Mama weiß aber, dass sie ihren Trainer-Sohn dort sehen wird. "Nach dem Abpfiff treffen wir uns - wenn auch nur kurz - das lässt er sich nicht nehmen." Dass er danach Verpflichtungen nachgehen muss, versteht sie natürlich.

Bitte um Gebet

Der Club-Trainer schickt übrigens in schöner Regelmäßigkeit E-Mails nach Hause. In einem bittet er die Mutter, vor dem Hertha-Spiel ein Gebet zu sprechen. Marianne Köllner: "Er ist halt ein Fuchsmühler, ein Herzogöder und unser Bou!" Sie glaubt an einen Mittelfeldplatz. Saisonziel sei aber der Klassenerhalt.

Hintergrund:

Lebenslauf Michael Köllner

Der Clubtrainer startete seine ersten Gehversuche bei der SG Fuchsmühl. Seit 2001 ist er von Beruf Sportfachwirt, seit 2004 DFB-Fußballlehrer. Von 2002 bis 2014 war der Fuchsmühler DFB-Koordinator für Talentförderung, zeitgleich wurde ihm die Arbeit als verantwortlicher sportlicher Leiter für die Regionalauswahlmannschaften U13 bis U17 anvertraut. Anfang März 2017 übernahm er das Traineramt beim 1. FC Nürnberg. Am Ende der vergangenen Saison stieg er mit dem Club von der 2. in die 1. Fußball-Bundesliga auf.

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