Hölzerner Riese macht schlapp

An klaren Tagen soll man von hier sogar die Spitzen des Regensburger Doms sehen. Doch inzwischen ist der Blick vom Hirschberg-Turm bei Neunburg zu riskant, die Holzkonstruktion marode. Im Fokus: ein Neubau.

Der Hirschberg-Turm ist marode und hat das Ende seiner Lebenszeit erreicht. Jetzt beginnt die Suche nach Fördergeldern für einen Ersatz-Neubau.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Aufgrund der Empfehlung eines Gutachtens sehen wir uns gezwungen, den Hirschberg-Aussichtsturm bei Fuhrn mit sofortiger Wirkung zu sperren", hatte vor kurzem Landrat Thomas Ebeling als Vorsitzender des Vereins Naturpark Oberpfälzer Wald mitgeteilt. Ganz überraschend kam diese Entscheidung nicht. Der 1973 in Skelettbauweise errichtete Turm ist aus Holz, und sei eben "am Ende seiner Lebenszeit angekommen", meint Markus Kurz, Mitarbeiter beim Naturparkverein, in dessen Obhut das Bauwerk fällt. Der 46 Jahre alte Turm stand längst unter Beobachtung, wurde regelmäßig einer Prüfung unterzogen. Sein Ende habe sich bereits vor zwei bis drei Jahren angekündigt, auch wenn immer mal wieder kleinere Ausbesserungen an Handlauf oder Holzbohlen vorgenommen wurden.

Doch jetzt sind es vor allem tragende Teile im unteren Bereich des Turms, die dem Statiker sorgen machen. Er fand es ohnehin bemerkenswert, dass der Turm so viele Jahrzehnte überlebt hat. "Im rauen Oberpfälzer Wald muss man das erst mal so lange aushalten", sagt Franz Pfeffer, stellvertretender Pressesprecher am Landratsamt mit einem respektvollen Blick auf den Holz-Riesen. "Kurzfristige Ausbesserungen bringen uns höchstens noch ein bis zwei Jahre", schildert Kurz den Abwägungsprozess, der nun zur Sperrung des Turms geführt hat. Denn vor allem im Bereich der diagonalen Verstrebungen, wo sich Nadeln und Blätter in den unteren Ecken sammeln konnten, ist das Holz morsch. "Irgendwann kommt einfach der Zeitpunkt, wo man niemanden guten Gewissens da rauf schicken kann", stellt er fest und fügt hinzu: "Heutzutage würde man den Bau wahrscheinlich mit ganz anderen Holzschutz-Maßnahmen konstruieren." Weiter oben, wo es weniger feucht war, sei der Turm noch wesentlich besser in Schuss.

Beim Termin mit Oberpfalz-Medien hat Pfeffer aber auch eine Nachricht im Gepäck, die den Fans des Turms Hoffnung macht: "Es gibt den politischen Willen, ihn zu erneuern." Allerdings brauche man zunächst einen Plan, was Höhe, Konstruktion und Baumaterial betrifft, und dann müsse die Finanzierung geklärt werden. "Es ist schwer vorstellbar, dass der Naturparkverein, das aus eigenen Mitteln stemmt", gibt Pfeffer zu bedenken.

Umgerechnet von Mark auf Euro hat der Turmbau in den 1970er Jahren auch schon ein beträchtliche Summe verschlungen: 56 000 Euro steht da auf der Info-Tafel neben dem 26,5 Meter hohen Turm, die auf geologische Besonderheiten und historische Vorläufer hinweist. Würde ein Neubau das doppelte kosten? "Das kommt auf die Konstruktion an, es wäre unredlich, hier eine Schätzung abzugeben", so der Vertreter des Landratsamts. Immerhin müsse man auch den Abriss und den nicht einfachen Transport der Baumaterialien auf den Hirschberg einkalkulieren. Ein vergleichbares Bauwerk ist 2011 am Murner See entstanden. Dieser "kleine Bruder" mit einer Höhe von 16 Metern hat nach Auskunft des Wackersdorfer Pressesprechers Michael Weiß 120 000 Euro gekostet, ein 20 000 Euro teures Fernrohr nicht eingerechnet.

Wie viel der Fan-Gemeinde des Turms der Neubau wert ist, lässt sich nur schwer ermessen. "Die Stadt Neunburg hat sicher Interesse daran, immerhin führt der Hirschbergweg hier vorbei", meint Kurz und weiß von Ausflüglern in der Umgebung, die den Aussichtsturm sehr wohl zu schätzen wissen, besonders an Silvester. Angeblich soll man von hier sogar die Regensburger Domspitzen sehen, auf jeden Fall aber Kallmünz, bis zum Maria-Hilfberg nach Amberg oder zu den Grenzbergen Richtung Tschechien. "Hier steht rundum nicht viel im Weg", zieht Pfeffer Bilanz und rechnet auch nicht mit einem politischen Widerstand gegen einen Neubau. "Das Einzige ist nun die Finanzierungsfrage."

Franz Pfeffer vom Landratsamt (links) und Markus Kurz vom Naturparkverein Oberpfälzer Wald wissen, dass die Tage des Hirschberg-Turms gezählt sind. Jetzt beginnt die Suche nach Fördergeldern für einen Ersatz-Neubau.
Ein Schild am Fuß des Turms erinnert an das Baujahr: 1973.
Eine Info-Tafel informiert über den Standort des Turms an einer erdgeschichtlich besonders interessanten Stelle, dem sogenannten "Pfahl".

Irgendwann kommt einfach der Zeitpunkt, wo man niemanden guten Gewissens da rauf schicken kann.

Markus Kurz, Mitarbeiter beim Naturparkverein Oberpfälzer Wald

Markus Kurz, Mitarbeiter beim Naturparkverein Oberpfälzer Wald

Es wäre unredlich, hier eine Schätzung abzugeben.

Franz Pfeffer, stellvertretender Pressesprecher am Landratsamt zu den Kosten für einen Neubau

Franz Pfeffer, stellvertretender Pressesprecher am Landratsamt zu den Kosten für einen Neubau

Info:

Feuerwache am "Pfahl"

Für den Hirschberg-Aussichtsturm beim Neunburger Ortsteil Fuhrn gab es einige Vorläufer. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg stand hier ein Turm mit einer Feuerwache, denn entlang der Bahnlinie Schwandorf-Bodenwöhr gab es in Zeiten von Dampfloks oft infolge von Funkenflug Waldbrände in den trockenen Kiefernwäldern. Bei der Konstruktion von 1973, die nach dem Vorbild eines Feuerwachturms im Saarland erbaut wurde, stand allerdings die touristische Nutzung im Vordergrund, die Feuerüberwachung erfolgt inzwischen aus der Luft. Bedeutsam ist aber auch der Standort: an einer einmaligen erdgeschichtlichen Erscheinung, einer "Pfahl" genannten 150 Kilometer langen Störungslinie, die vom oberösterreichischen Mühlviertel bis nach Schwarzenfeld reicht. Man geht davon aus, dass vor 250 Millionen Jahren beim Aufeinanderprallen der Kontinente Schollen mit großen Druck gegeneinander rieben. Es entstand ein Kluftsystem, und aus dem Erdinnern soll kochendheiße Kieselsäurelösung dort eingedrungen und auskristallisiert sein. Infolge von Verwitterung und Abtragung wurden die Quarzgänge, die wesentlich härter als das umgebende Gestein sind, im Laufe von Millionen Jahren sichtbar.

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