13.03.2019 - 14:15 Uhr
Gaisheim bei NeukirchenOberpfalz

Tropen-Zecke im Kreis Amberg-Sulzbach

Der Klimawandel hat konkrete Auswirkungen. Eine davon: Die Tropen-Zecke Hyalomma breitet sich in Europa aus. Ein Exemplar ist nun in Gaisheim im Kreis Amberg-Sulzbach aufgetaucht.

So sieht sie aus, die tropische Zecke namens Hyalomma, die Claudia Sertl in Gaisheim gefunden und in einer Glasschale aufgehoben hat. Die Zecke ist etwa doppelt so groß wie der Gemeine Holzbock.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Als zum Jahreswechsel eine Zecke der Gattung Hyalomma in Schleswig-Holstein entdeckt wurde, sorgte das bundesweit für Schlagzeilen. "Gefährliche Riesen-Zecke entdeckt", hieß es in Überschriften von Zeitungen und Online-Magazinen. Eine Pferdebesitzerin aus Bokelholm (Kreis Rendsburg-Eckenförde) hatte am Schweif ihres Tieres eine vollgesogene Zecke mit gestreiften Beinen entdeckt.

Ganz ähnlich ging es bereits im Oktober vergangenen Jahres Claudia Sertl aus Gaisheim in der Gemeinde Neukirchen bei Sulzbach-Rosenberg. "Ich habe mein Pferd geputzt", erzählt sie, nachdem sie vergangene Woche den Zeitungsbericht über den Beginn der Zeckensaison gelesen hatte. "Da bin ich mit der Hand über den Bauch gefahren und habe gemerkt, dass ein Spinnentier auf den Boden gefallen ist." Weil es relativ groß war und gestreifte Beine hatte, habe sie es sich genauer angeschaut und sei im Internet auf die Gattung Hyalomma gestoßen.

Bericht zum Start der Zeckensaison 2019

Amberg

Sertl hat - genauso wie die Pferdebesitzerin in Schleswig-Holstein - fachlichen Rat eingeholt. Sie schickte ein Foto ihres Fundes an das für Zeckenforschung bekannte Institut für Zoologie der Universität Hohenheim. Und dieses bestätigte den Verdacht – auch auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. "Es handelt sich in der Tat um eine Hyalomma-Zecke", erklärt Professor Ute Mackenstedt. "Um welche Art es sich allerdings handelt, kann anhand eines Bildes nicht gesagt werden."

Aufsehen erregten die Hyalomma-Zecken hierzulande vor allem deswegen, weil eines der bislang in Deutschland entdeckten Tierchen den Zecken-Fleckfieber-Erreger in sich trug. Die Zecken mit den gestreiften Beinen sind ursprünglich in den Trocken- und Halbtrockengebieten Afrikas, Asiens und Südeuropas beheimatet. Im eurasischen Raum gelten sie als Überträger des Virus, das das Hämorrhagische Krim-Kongo-Fieber verursacht. Experten wie Dr. Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr gehen davon aus, dass Zugvögel sie einschleppen.

Zecken sind nicht die einzigen Blutsauger, die jetzt auf uns lauern:

Deutschland & Welt

"Diese Einschleppungen sind vermutlich häufig, nur kommt es üblicherweise aufgrund unserer Wetterbedingungen nicht zur Entwicklung in die erwachsenen Zecken", erläutert Dobler. Die Spinnentiere benötigten für ihr Überleben über einen längeren Zeitraum niedrige Luftfeuchtigkeit und hohe Temperaturen. "Diese Bedingungen waren aber im letzten Jahr in Deutschland gegeben, so dass es vermehrt zur Entwicklung dieser Zecken kam."

Die Universität Hohenheim hat bislang in Deutschland 35 Exemplare des tropischen Spinnentiers gezählt, "darunter auch drei Zecken aus Bayern, nun offensichtlich vier". Für das Jahr 2019 liegt noch keine Sichtung vor, aber das könnte sich ändern, wenn der Sommer ähnlich warm und trocken wird wie im vergangenen Jahr. Die gute Nachricht: Nur die wenigsten Hyalomma-Zecken trugen bisher Erreger in sich, und in ihrem Fokus stehen in erster Linie nicht Menschen, sondern Großtiere.

Alle Infos über die Zeckenforschung in Hohenheim

Aufruf:

Zecken melden

"Wir haben einen Aufruf gestartet, in dem wir darum bitten, große Zecken mit auffällig gemusterten Beinen an die Universität Hohenheim zu schicken", sagt Zoologin Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim. "Nur so werden wir eine Übersicht bekommen, wo und wie viele Hyalomma-Zecken wir bereits in Deutschland haben." Wer ein Tierchen entdeckt, das der Hyalomma ähnlich sieht, soll es einschicken an die Universität Hohenheim, Fachgebiet Parasitologie, Emil-Wolff-Straße 34, 70599 Stuttgart. Es können auch Bilder geschickt werden an die Adresse tropenzecken[at]uni-hohenheim[dot]de.

Die Aufnahme zeigt eine Hyalomma-Zecke. Die Zeckenart aus dem Süden ist jetzt auch im Landkreis Amberg-Sulzbach angekommen.

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