11.04.2019 - 14:21 Uhr
GebenbachOberpfalz

Gebenbach rüstet Umfeld für vierte Liga

Die Frist für den Antrag zur Erlangung der Regionalliga-Lizenz endet am Freitag, 12. April. Die erste Hürde dazu hat der Spitzenreiter der Bayernliga Nord, die DJK Gebenbach, gemeistert.

Die im Tal unterhalb der Ortschaft gelegene Sportanlage der DJK Gebenbach soll an die vom Bayerischen Fußballverband geforderten Regularien angepasst werden. Dabei ist von Kapazitätserweiterung, eigenem Gästeblock und Sicherung der Rettungswege ebenso die Rede wie von einer Einbahnstraßen-Regelung rund um das Gelände. Zudem müsste gewährleistet werden, dass Spieler beim Betreten des Rasens nicht mit Zuschauern in Berührung kommen.
von Erich Lobenhofer Kontakt Profil

Von beschaulicher Ruhe ist in den vergangenen Tagen in Gebenbach keine Spur. Es ist der sportliche Höhenflug des knapp 600 Mitglieder zählenden örtlichen Fußballvereins, der die Verantwortlichen in Beschlag nimmt. Es heißt, die Weichen in Richtung der vierten deutschen Fußballklasse zu stellen. In Vertretung von DJK-Vorsitzendem Ludwig Birner erzählt Vize Thomas Milde: "Wir waren am Donnerstag in München und haben die Unterlagen beim Bayerischen Fußballverband abgeliefert."

Noch trennen den Spitzenreiter der Bayernliga Nord sechs Spieltage von dem inzwischen ins Auge gefassten Aufstieg. Der wäre direkt gesichert, wenn die DJK auch am Samstag, 18. Mai, noch die Nase vorne hätte - wohl gemerkt nach Punkten. Derzeit trennen Gebenbach (64 Punkte) und den hartnäckigen Titel-Mitbewerber TSV Aubstadt (60) vier Zähler, wobei die Unterfranken eine Partie nachholen, und deshalb noch sieben Spiele bis ins Finale bestreiten müssen. Bei Punktgleichheit auf der Zielgerade würde die Elf aus dem gerade mal 700 Einwohner zählenden Dorf im Landkreis Rhön-Grabfeld direkt aufsteigen, weil das Team im direkten Vergleich um einen Treffer besser dasteht.

Kollektiver Torjubel bei den Spielern der DJK Gebenbach nach dem 2:1-Führungstreffer gegen die U 23 des FC Würzburger Kickers. Der aktuelle Tabellenstand lässt die Menschen in der kleinsten Gemeinde des Landkreises Amberg-Sulzbach und drumherum vom Aufstieg in die vierte Liga träumen – nicht ganz unbegründet.

Der Zweitplatzierte geht in die Relegation. Ein Weg, auf dem Aubstadt bereits zweimal gescheitert ist - zweimal gegen die SpVgg Bayreuth. Bei der Vergabe der beiden Sonnenplätze räumen Fußballexperten den weiteren Verfolgern Würzburger FV (53), SC Eltersdorf und TSV Großbardorf (jeweils 50) kaum noch ernsthafte Chancen ein.

Hohe Anforderungen

Insofern ist es nur logisch, dass die DJK Gebenbach nun auch die formalen Kriterien meistern möchte. "Die Auflagen sind extrem hoch", erläutert Thomas Milde. Unterdessen seien die von Architekt Markus Rösch (Gebenbach) vorbereiteten Bauanträge zur Stadionerweiterung beim Landratsamt eingereicht. Am auffälligsten wird dabei die Kapazitätserweiterung der Tribüne werden. Der BFV verlangt ein Fassungsvermögen für die Sportanlage von 2501 Zuschauern. Der Verein muss zudem dafür sorgen, dass Spieler nicht in direkten Kontakt mit Fans geraten. Bei sogenannten Sicherheitsspielen - drei bis fünf werden vom BFV dafür pro Saison erwartet - wird ein eigener Gästeblock vorgeschrieben. Gemeint sind damit Begegnungen, bei denen mit gewaltbereiten Anhängern zu rechnen ist.

Mit durchschnittlich 568 Besuchern rangiert die DJK Gebenbach an zweiter Position der Zuschauertabelle der Bayernliga Nord – überflügelt lediglich vom Traditionsverein Bayern Hof. Das Bild entstand beim Derby gegen die DJK Ammerthal, das im vergangenen November 1:1 ausging. Damals füllten 1370 Fußball-Anhänger die Ränge. Für die Regionalliga müsste die Kapazität auf mindestens 2501 Zuschauer erhöht werden.

Weitere Forderungen sind geregelte An- und Abfahrt - "hier ist an eine Einbahnstraßen-Regelung gedacht" - und genügend Parkraum - "neben vorhandenen im Ort werden noch welche auf dem Mausberg-Parkplatz geschaffen". Außerdem muss am Sportheim genug Platz vorhanden sein für den Bus der Gästespieler sowie für die Einsatzkräfte von Polizei, Rotes Kreuz und Feuerwehr. All dies sei in mehreren Vorgesprächen mit allen Beteiligten bereits erörtert worden und wurde nun dem BFV zugeleitet.

Der Parkplatz unterhalb der Mausbergkirche in diesen Tagen – hier wird für den Fall des DJK-Aufstiegs in die vierte Liga ein Großteil der benötigten Parkflächen ausgewiesen und hergerichtet.

Das Knifflige an der ganzen Lizenzgeschichte ist eine weitere BFV-Vorgabe: Wer die Erlaubnis für die Teilnahme an der Regionalliga erhalten hat, für den wird das Antreten dann zur Pflicht. "Wer's nicht tut, wird vom gesamten Spielbetrieb ausgeschlossen und muss einen Neustart in der B-Klasse auf sich nehmen", schildert Milde. Einzig ein Rückzieher vor dem vorletzten Bayernliga-Spieltag am Samstag, 11. Mai, bleibe ohne Konsequenzen.

Gebenbacher Fans kein Problem

Aus polizeilicher Sicht ist Gebenbach für die vierte Liga gerüstet. Zuständig für das dortige Drumherum ist die Inspektion in Sulzbach-Rosenberg. Deren stellvertretender Leiter Peter Krämer bringt aus seiner Amberger Zeit Regionalligaerfahrung mit - und eine Portion Gelassenheit, denn: "Zumindest bei den Gebenbacher Fans sehen wir keine Probleme." Um auch für kritische Situationen gewappnet zu sein, werde Kontakt zu szenekundigen Beamten, beispielsweise im Umfeld von Zweitligist Jahn Regensburg, gesucht. Die dann geschulten Beamten würden die Heimspiele der DJK begleiten, gegebenenfalls aber auch Unterstützungskräfte aus anderen Teilen der Oberpfalz sowie von der Bereitschaftspolizei anfordern. "Es wird auf jeden Fall eine spannende Sache", so der Hauptkommissar.

"Machbar und attraktiv":

Zur Einführung der Regionalliga Bayern mit Beginn der Saison 2012/13 schrieb BFV-Präsident Rainer Koch damals hinsichtlich des Zulassungsverfahrens: „Die Regionalliga Bayern bedeutet für die Vereine deutlich geringere Kosten und Anforderungen als die bisherige vom DFB organisierte Regionalliga Süd. Sie ist somit auch für klassische Amateurvereine machbar und attraktiv, wie die Premierensaison 2012/13 zeigt. Es gibt kein wirtschaftliches Zulassungsverfahren, keine Bankbürgschaft, keine teuren Flutlichtanlagen.

Jeder Verein, der in dieser Spitzen-Amateurliga spielen möchte, muss aber auch wissen: Die Regionalliga Bayern ist vierte Liga! Sie ist zwar billiger als die bisherige vierte Liga, aber kostenintensiver und aufwendiger als die Bayernliga. Jeder Verein muss sich für sich selbst überlegen, welche Liga für ihn sportlich, wirtschaftlich und infrastrukturell machbar ist.“

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