10.10.2020 - 02:32 Uhr
GebenbachOberpfalz

Martinskirche Gebenbach vereint drei Kirchen in einer

Die Pfarrkirche St. Martin in Gebenbach birgt eine spannende Geschichte, wie Heimatpfleger Albert Rösch zu berichten weiß. Er muss es wissen, denn er bekleidete 18 Jahre das Ehrenamt des Kirchenpflegers.

Während des dritten Kirchenbaus von Gebenbach von 1412 bis 1415 sind die Gemälde von den Symbolen der vier Evangelisten an der Decke der Apsis der Pfarrkirche entstanden, die bis heute erhalten sind. Zentrum der Decke sind die Gewölbeschlusssteine der zwei Kreuzjoche, die das Haupt Christi und das Lamm Gottes tragen.
von Adele SchützProfil
Heimatpfleger Albert Rösch weist darauf hin, dass der ehemalige Taufstein der Pfarrkirche und eine alte Grabplatte die wertvollsten Ausstattungsgegenstände der Martinskirche von Gbebenbach sind.
Architektonisch gelungen ist die bauliche Eingliederung der Apsis des dritten Kirchenbaus von Gebenbach im gotischen Stil aus dem 15. Jahrhundert in den vierten modernen Kirchenbau aus Beton aus den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts.
Die Ostansicht der Gebenbacher Martinskirche zeigt gut die Kombination des modernen Anbaus der Pfarrkirche aus den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts (l.) und des historischen Baus des Gotteshauses aus dem 15. Jahrhundert (r.) .

Im Rahmen seines kirchlichen Ehrenamts, aber auch als Heimatpfleger, setzte sich Albert Rösch mit großem Interesse intensiv mit der Geschichte des Gotteshauses auseinander. Der gebürtige Gebenbacher arbeitet bei seinen geschichtlichen Forschungen eng mit Kreisheimatpfleger Matthias Conrad zusammen und nutzte bei der Eruierung der Kirchengeschichte von Gebenbach als Grundlage die Chronik der Pfarrei Gebenbach von Simon Weiß und das von Reinhard Dähne/Günter Moser herausgegebene Buch „Vierzehn Heilige und 12 Apostel“. Der Sonderdruck „Karolingische Kirche in Gebenbach ausgegraben“ von Dr. Ernst Gagel gebe laut Rösch mit seinen aufschlussreichen Zeichnungen ebenfalls einen tiefen Einblick in die Kirchengeschichte.

Gebenbach sei durch die Ausweisung von neuen Baugebieten durch die Gemeinde in den 60er-Jahren stark gewachsen. Und die ursprüngliche Pfarrkirche im gotischen Baustil aus dem 14. Jahrhundert bedurfte einer dringenden Erweiterung, die in den 80er-Jahren erfolgte, berichtet Albert Rösch. Beim Neubau der Pfarrkirche von 1974 bis 1976 als Anbau an die bestehende Kirche seien laut Rösch eher durch Zufall Überreste eines Kirchleins aus der karolingischen Zeit gefunden worden. „Experten beziffern die Funde auf die Zeit um 800 n. Chr. Wenn auch die Forschungsarbeiten nicht abgeschlossen wurden, hat man durch Vergleiche anderer, ähnlicher Grundrisse und durch die Wahl des Kirchenpatrons St. Martin doch eine ziemlich genaue zeitliche Festlegung treffen können“, erläutert Albert Rösch. Diese erste Steinkirche sei laut Rösch auf einem Hügel errichtet und nach Westen, Süden und Osten hin mit einem zweifachen Mauerring umgeben worden, auch als Schutz für die Bewohner und zugleich Platz für das Begräbnis verstorbener Bewohner. Die Ausmaße der Kirche hätten ca. 10,50 Meter in der Länge und 6,2 Meter in der Breite betragen, der Durchmesser der Apsis ca. 2,40 Meter.

Nach Brand aufgebaut

Albert Rösch berichtet, dass schriftliche Aufzeichnungen über dieses Gebenbacher Kirchenhauses nicht vorliegen, eher Zufallshinweise. Denn es habe laut Chronik in Gebenbach 1409 am Samstag nach Nikolai ein Großbrand in der Ortschaft gewütet und ganz Gebenbach vernichtet. Die Kirche sei laut Rösch von 1412 bis 1415 aufgebaut und nach Osten erweitert worden. Die Gemälde der vier Evangelisten an der Decke der Pfarrkirche seien zu dieser Zeit entstanden, ebenso die Gewölbeschlusssteine der zwei Kreuzjoche, die das Haupt Christi und das Lamm Gottes tragen würden. Die Jahrhunderte lange Geschichte der Gebenbacher Pfarrkirche sei geprägt von vielen Renovierungen.

Turm stürzt ein

„Wegen des schlechten baulichen Zustandes habe sich die Kirchenstiftung im 20. Jahrhundert für einen Neubau, unter Beibehaltung der Apsis und des Kirchenturmes entschieden. Beim letztendlich vierten Bau der Pfarrkirche stürzte der Turm 1974 ein und beschädigte in hohem Maße die gotische Apsis der Kirche aus dem 14. Jahrhundert, die jedoch erhalten werden konnte“, erinnert Albert Rösch. Die gotische Apsis ist in das neue, sechseckig gestaltete Kirchenschiff im modernen Baustil aus Beton einbezogen. „In der Apsis blieb der Martinsaltar aus dem 19. Jahrhundert erhalten. Die gotische Decke mit den Zeichnungen der vier Evangelisten wurde nicht zerstört, ebenso nicht der gotische Taufstein. In eine Seitenwand der Apsis wurde eine Grabplatte aus Stein eingesetzt“, soweit Rösch zu rbemerkenswerten Ausstattung und einzigartigen Baumerkmalen der Kirche.

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