02.11.2018 - 09:37 Uhr
Gebhardsreuth bei MoosbachOberpfalz

Der bescheidene Bayerische Bildermeister

Bräuchte die Instagram-Generation einen schweigsamen Weisen, Max Striegl wäre perfekt. Nach 57 Jahren Hobbyfotografie nimmt er erstmals an den Bayerischen Meisterschaften teil. Dann passiert etwas völlig Unerwartetes.

"Begegnung der Wassermänner": Um zwei „Wassermänner“ nebeneinander zu bringen, arbeitet Fotograf Max Striegl mit sechs Ventilen, die in bestimmten Abständen Tropfen. "Wenn die beiden äußeren Säulen genügend nahe beieinander sind, neigen sie sich zueinander und verbinden sich. Auf diese „Verbindungsstelle“ kann dann der Tropfen des mittleren Ventils drauffallen", sagt der Meister
von Dominik Konrad Kontakt Profil

Man geht nicht mit dem Fotoapparat raus und kommt mit ein paar guten Bildern heim. So funktioniert das nicht.

Max Striegl, Bayerischer Fotomeister

Max Striegl aus Gebhardsreuth hat in diesem Jahr die Bayerische Fotomeisterschaft des Deutschen Verbands für Fotografie (DVF) gewonnen und sich gegen 300 Bewerber durchgesetzt.

Einige Male in seinem Leben hat Striegl schon am deutschlandweiten Zeitungsleserwettbewerb „Blende“ teilgenommen, beim ersten Mal im Jahr 1976 sogar direkt den 7. Platz gemacht und einen Diaprojektor gewonnen. „Das Bild war ein kahler Baum mit Sonne“, erinnert sich der 69-Jährige. Im Jahr 2012 gelingt ihm ein dritter Platz. Außerdem gewinnt er Preise bei den Brenner-Fototagen. Trotz des Erfolgs hat der gebürtige Lennesriether aber nie einen Anlass gesehen, an größeren Wettbewerben teilzunehmen oder aus dem Hobby einen Beruf zu machen. Die größte Freude hat er als Mitglied des Pleysteiner Fotoclubs. Nach Startschwierigkeiten erarbeitet er sich einen Ruf durch aufwendige Tropfenfotografie. Der pensionierte Industrieelektroniker ist seit 40 Jahren Mitglied, war erster und zweiter Vorsitzender. „Angefangen hat es mit einer Agfa-Box“, erinnert sich der Gebhardsreuther. Die einfache Kamera für Rollfilme gehörte einem Freund. Für einige Briefmarken tauscht sie Striegl ein. Da ist er zwölf Jahre alt. Den ersten Aha-Moment hat er, als er vor einem Weiher in die Knie geht. „Auf dem Foto sah er riesengroß aus. Das war die Initialzündung.“ Seit dieser Zeit ist die Fotografie nicht mehr aus seinem Leben wegzudenken: Von seinem ersten selbst verdienten Geld kauft er sich eine Spiegelreflexkamera. Es folgt die zweite, die dritte. Für seine Tropfenfotografie muss er komplexe technische Anlagen aufbauen, probiert tagelang herum, um den richtigen Zeitpunkt für die Aufnahme zu erwischen.

Mit der Pensionierung wechselt er zur Digitalfotografie. Noch einmal eine völlig neue Welt für den passionierten Natur- und Makrofotografen. Viele Fotos bearbeitet er inzwischen nach, verändert die Schärfe des Hintergrunds, die Belichtung. „Ich denke, dass das legitim ist. Ohne Bildbearbeitung kommen Sie heutzutage so gut wie nicht mehr aus.“ Er hat auch in den vergangenen Jahren nie an ein Studio oder den Verkauf seiner Bilder gedacht. „Er ist, erfolgsmäßig gesehen, der beste Fotograf in unserem Verein“, sagt der Pleysteiner Fotoclub-Vorsitzende Alois Hubmann über Striegl. „Es geht nicht nur um das Bild, er hat einfach geniale Ideen. Man hat immer den Gedanken: ‚Oha, was ist das?’ Und er beherrscht natürlich auch die Bildbearbeitung hervorragend.“

An der Bezirksmeisterschaft des Deutschen Verbands für Fotografie (DVF) hat sich Striegl 2017 erstmals beteiligt. Er wird Bezirksfotomeister Niederbayern/Oberpfalz. Und weil er sich so die Teilnahmegebühr von 14 Euro für die Bayerischen Meisterschaften spart, nimmt er in diesem Jahr erstmals auch daran teil. Vom Ergebnis des Wettbewerbs in Arzberg ist er bis heute völlig überrascht. Der Debütant setzt sich gegen 300 Mitbewerber durch und wird Bayerischer Fotomeister. Auf seinen Erfolg angesprochen, lächelt er viel und schaut sich hilfesuchend in seiner Küche um. Er weiß nicht, was er dazu sagen soll. Der Gebhardsreuther ist ein Mann, der Bilder für sich sprechen lässt.

„Kopfball“: Das Bild zeigt eine Momentaufnahme mehrerer kombinierter Wassertropfen. „Das Wasser hatte ich mit Lebensmittelfarbe gefärbt und mit Guarkernmehl versetzt, damit die Konsistenz geeigneter wurde“, erläutert der Fotograf.
„Rose“: Die getrocknete Rose spiegelt sich auf einer schwarzen, glänzenden Plexiglasscheibe. Als Lichtquelle dient Striegl nur einfallendes Licht durch ein Fenster.
„Hummel nach dem Regen“: Max Striegl fand dieses pitschnasse Tier auf dem Blatt einer Sonnenblume in seinem Garten.
„Rakotzbrücke“: Das bauliche Kleinod steht im Azaleen- und Rhododendronpark bei Kromlau in Sachsen. Max Striegl hat das Bild an einem herbstlichen Vormittag aufgenommen. Es schwebt noch ein klein wenig Nebel über dem Wasser.
„Wäldchen in der Toskana“: Die Zypressen im Orcia-Tal in der Toskana sind nicht etwa eingeschneit. Das Weiß ist eine Nachbearbeitung.
„Seeadler“: Die Aufnahme entstand bei den Feldberger Seen in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Ranger lockte das Tier mit einem toten Fisch aufs offene Wasser.
„Tränende Herzen“: Ein Zweig tränender Herzen spiegelt sich auf einer schwarzen, glänzenden Plexiglasscheibe. Das Licht bezieht der Fotograf nur durchs Fenster.
„Kaffeegeister“: Das Bild ist eines der Tropfenaufnahmen des Bayerischen Meisters. Der Kaffee wird mit Hilfe von Tropfen zu Gestalten kombiniert. Augen und Mund sind Plexiglasscheiben.
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