24.03.2020 - 08:41 Uhr
GeorgenbergOberpfalz

Der Bauer und die Hexen beim Binsenstock

Franz-Xaver von Schönwerth erzählt über den Binsenstock eine schaurige Geschichte. Der OWV Georgenberg feiert seit Jahren dort an der Kapelle die letzte Maiandacht.

Die Binsenstock-Kapelle hat eine bewegte Geschichte.
von Josef PilfusekProfil

Entlang der Staatsstraße 2396 von Georgenberg in Richtung Neuenhammer befindet sich rechts der Straße beim sogenannten „Wegmacher-Brunnen“ die Flur Binsenstock. Heute zum Teil mit Wiesen und Bäumen bewachsen, war der „Pinsenstockh“ – so die ehemalige Bezeichnung – früher Kulturland.

Nach den Aufzeichnungen des bereits verstorbenen ehemaligen OWV-Vorsitzenden Franz Schacht wurde der Binsenstock im Jahr 1630 erstmals urkundlich erwähnt und lag bereits damals öd und verlassen, und seine Gebäude waren ruiniert. Somit war er schon lange zuvor kultiviert worden. Erst um 1700 wurde der mit Bäumen und Sträuchern verwachsene Grund neu gerodet, Wiesen und Äcker angelegt und Gebäude errichtet.

In der Erinnerung der Bevölkerung gab es dort noch um 19. Jahrhundert zwei Gehöfte. Der Eigentümer des größeren wurde einfach nur „Der Bauer“ genannt, während das zweite der Familie Bäumler gehörte. Diese zog wegen der Unwirtschaftlichkeit des Bodens um 1890 nach Faislbach und errichtete dort ein Haus. Heute erinnern an die ehemaligen Bewohner nur noch eine kleine Scheune, der Hofbrunnen und die Kapelle.

Nach der Überlieferung war vor der jetzigen Kapelle aus Stein eine Holzkapelle vorhanden, die – allerdings vor 1890 – wegen Baufälligkeit abgerissen und durch den Steinbau ersetzt wurde. Neben der jetzigen Einrichtung enthielt das Kirchlein früher eine von einem Galsterloher gefertigte wunderschöne große Mutter-Gottes-Statue, welche aber Diebe gestohlen hatten. Über den Grund des Baus ist heute nichts mehr bekannt. Dafür erzählt Franz-Xaver von Schönwerth in seiner Sammlung „Sitten und Sagen aus der Oberpfalz“ folgende Geschichte:

„Der Bauer vom Binsenstock bei Neuenhammer ging in der Walburgisnacht von der Ziegelhütte heim. Da sieht er auf der Wiese, auf dem Kreuzweg, über den Tode, Hochzeiten und Kindsleichen gehen, zehn Hexen tanzen, wie sie leibten und lebten (lebende Mitmenschen, die der Hexerei verfallen waren), sodass er sie alle und darunter auch seine Gevatterin, erkannte. Sie sangen dabei: ‚Allerloy Schmalz, allerloy Schmalz, bloß unser Gevatteri sei Schmalt niat.‘ Da schlich sich der Bauer hinten im Holze herum und schrie: ‚Allerloy Dreck, allerloy Dreck, bloß der Gevatteri sei Dreck niat.‘ So hatte er sie beschrieben, und die Hexen bekamen in diesem Jahr nichts. (Anmerkung: Der beschwörende Gesang der menschlichen Hexen sollte deren Butterfässer auf Kosten derer ihrer Nachbarinnen füllen; der Zwischenruf des Bauern durchbrach den Zauber.)

Wütend darüber fuhren die Hexen auf den Bauern los. Er lief, was er konnte, und tat das Gelübde, dem Namenspatron Nikolaus eine Kapelle zu bauen. Kaum war er hinter der Haustür, so prallten die Hexen an. Sie hätten ihn zerrissen, er aber baute die Kapelle, die noch steht.“

Über diesen Binsenstock-Bauern gehen aber auch noch andere Sagen: Der Binsenstock-Bauer war auf dem Heimweg aus dem Wirtshaus von Neuenhammer. Als er beim Tagnholz vorbeikam (überlieferte Volksmeinung: Im Tagnholz geht’s um), sah und hörte er eine Anzahl von Katzen unterschiedlicher Art und Größe mit verschiedenen Instrumenten musizieren. Darunter erkannte er auch seinen eigenen Kater. Er schlich wortlos vorbei und kam wohlbehalten zu Hause an.

Des anderen Tags beim Mittagessen saß der Kater, zufrieden schnurrend, wieder in seiner Ecke. Der Bauer schnitt von seiner Mahlzeit ein Stück Fleisch ab und warf es dem Kater mit den Worten hin: „Dou kröigst wos, walst so schöi musiziert houst.“ Daraufhin streckt der Kater seine Pfote aus, und diese – zu einer riesigen Pratze anschwellend – schlug den Bauern zu Tode.

Die beiden Binsenstock-Bauern waren auf dem Heimweg vom Neuenhammerer Wirtshaus. Sie kamen just am Tagnholz vorbei, als mit großem Getöse die wilde Jagd über sie hinwegging. „Leg dich hin, dann tun sie dir nichts“, schrie der eine und warf

sich sogleich zu Boden, was der andere auch befolgte. Der aber, neugierig, wollte die wilde Jagd sehen und blickte nach oben. Da hörte man eine Stimme: „Da ist ja auch ein fauler Stock.“ Und krachend fuhr eine blinkende Axt in den Schädel des neugierigen Mannes.

Die Inneneinrichtung der Kapelle enthält unter anderem ein Bild der Gottesmutter Maria mit Jesus.

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