16.06.2020 - 10:35 Uhr
GeorgenbergOberpfalz

Brünst: Besiedelung im 13. Jahrhundert

Der heutige Georgenberger Ortsteil hat eine wechselhafte Geschichte. Nach der Neueinteilung der Gemeinden 1830 war Brünst sogar Sitz eines Zollamts.

Blick nach Waldheim, Hinterbrünst, Brünst und Lösselmühle.
von Josef PilfusekProfil

Albert Kick kennt die Geschichte seiner Heimatgemeinde sehr gut. Nach den Aussagen des Altbürgermeisters, der auch als gemeindlicher Heimatpfleger engagiert ist, geht die Besiedelung der Ortschaften Hinterbrünst, Vorderbrünst, Lösselberg und Lösselmühle wahrscheinlich in das 13. Jahrhundert zurück. Ebenso dürften in dieser Zeit Hagenhaus, Bernlohe und Leßlohe besiedelt worden sein.1276 erwarb das Kloster Waldsassen einen größeren Waldbezirk diesseits und jenseits der heutigen Staatsgrenze. Durch Rodungen dürften sich die Ortschaften und Weiler der späteren Gemeinde Brünst entwickelt haben. Der Ortsname Brünst ist wohl aus „Brunst – Feuersbrunst“ abzuleiten. Bereits 1290 ist von einem Klostergut Waldkirch die Rede. Dieses hat wohl auch die Besiedelung von Brünst gesteuert.

Die politischen „Oberen“ waren zunächst die Herren von Waldau und Waldthurn, in Folge der fränkische Ritter Philipp von Guttenberg aus Kulmbach, dem die 1337 erbaute Festung Schellenberg – damalige Bezeichnung „Lug ins Land“ – wegen Geldmangels verpfändet wurde. „Dessen Nachkommen benahmen sich nicht besonders rühmlich“, sagt Kick. „Sie überfielen nämlich die durch unser Gebiet führenden Handelszüge von Nürnberg nach Prag, zum Beispiel auf der Heerstraße. Mit der Zerstörung der Burg Schellenberg am 12. Juli 1498 durch Hauptmann Konrad von Wirsberg regierten die Wirsberger dann bis 1647.“

Kirchlich gehörte Brünst bis 1685 zu Lennesrieth. In diesem Jahr war auch die Verlegung des Pfarrsitzes nach Waldthurn. „Nachdem unser Gebiet durch das Aussterben der Wirsberger vakant geworden war, übernahm das Fürstengeschlecht von Lobkowitz von Pilsen aus 1666 die Herrschaft über die Region“, erzählt Kick. „Brünst wurde wie alle anderen Ortschaften der Pfarrei Lennesrieth, später Waldthurn, böhmisches Lehen bis 1807.“ Nach der Erhebung der Expositur im Wald zur Pfarrei Neukirchen zu St. Christoph am 23. Januar 1788 gehörten die Ortschaften Vorderbrünst, Hinterbrünst, Lösselmühle und Lösselberg zu dieser Pfarrei. Der Pfarreiname „Neukirchen zu St. Christoph“ stammt erst aus dem Jahr 1799. Ebenso errichteten die Lobkowitzer 1732 neben der Kirche auch eine Pfarrschule. Zu diesem Schulsprengel gehörte Brünst bis 1934.

Nach der Einteilung Bayerns in Steuerdistrikte am 28. Juli 1808 sollten in den Jahren 1818 bis 1821 die Gemeinden verringert werden. Und so entstand die Gemeinde Brünst mit den Ortschaften Vorderbrünst, Hinterbrünst, Lösselberg und Lösselmühle. Bernlohe, Hagenhaus und Leßlohe kamen zur Gemeinde Reinhardsrieth. Die nächste Neueinteilung war dann schon 1830. Der zur Gemeinde Neudorf gehörende Teil des bayerischen Waldheims wurde in Vorder-Waldheim und Hinter-Waldheim aufgeteilt und Hinter-Waldheim der Gemeinde Brünst zugeschlagen. Mit der Eingemeindung von Hinter-Waldheim wurde die Gemeinde Brünst Sitz des Zollamtes, das auch in Hinter-Waldheim eingerichtet war. Infolge dieser Einteilung entstanden auch die Gemarkungen, die heute noch ihre Gültigkeit haben. Die Gründung der Jagdgenossenschaften geht laut Kick auf 1848 zurück. Seit dieser Zeit gibt es auch die Jagdgenossenschaft Brünst. Die Freiwillige Feuerwehr Brünst besteht seit 1887. Nach und nach entwickelte sich die Ortschaft Lösselmühle immer mehr zum wirtschaftlichen Herz der Gemeinde Brünst.

Nachdem 1890 in Dimpfl/Neuenhammer und 1922 auch in Waldkirch Schulgebäude errichtet worden waren, wollte auch die Gemeinde Brünst eine eigene Schule. Bereits 1925 stellte sie Antrag auf Ausgliederung aus der Schulgemeinde Neudorf / Georgenberg / Brünst, allerdings ohne Erfolg. Am 27. April 1932 beschloss der Gemeinderat Brünst den Bau einer Schule. Der Kostenvoranschlag belief sich auf 35000 Mark.

Im Bemühen, die Gemeindeverwaltungen zu stärken, hatte der Königlich-Bayerische Landtag 1869 beschlossen, dass sich bis zu vier kleinere benachbarte Gemeinden zu einer „Bürgermeisterei“, also einer Art Verwaltungsgemeinschaft, zusammenschließen können. In Bayern wurde 1937 die letzte Bürgermeisterei gebildet. „Diese dürfte die Bürgermeisterei Georgenberg gewesen sein“, vermutet Kick.

Brünst war 1937 die größte Mitgliedsgemeinde der Bürgermeisterei Georgenberg mit Neudorf und Waldkirch. 1937 wurde auch ein großer Teil der Gemeinde an die zentrale Wasserversorgung der Neudorfer Gruppe angeschlossen. 1945 löste die amerikanische Militärregierung die Bürgermeisterei Georgenberg auf und wandelte sie in die Verwaltungsgemeinde Brünst um. Mit deren Auflösung 1948 entstanden wieder die Gemeinden aus dem Jahr 1830.

1964 schloss die Gemeinde Brünst mit dem Schulverband Neudorf / Georgenberg einen erweiterten Schulverband. Damit entstand die erste Verbandsschule im damaligen Landkreis Vohenstrauß. Seit dieser Zeit fahren in der Gemeinde auch Schulbusse. 1960 eröffnete die Firma Buchtal AG eine Spatgrube. Aus Rentabilitätsgründen, bedingt durch billigere Auslandsangebote, schloss der Betrieb 1972. Die Errichtung des Feuerwehrhauses geht auf 1964 zurück. Dieses wird aber bald Geschichte sein. Seit 2019 läuft nämlich der Neubau eines Feuerwehrhauses in Hinterbrünst. Die Fertigstellung ist für dieses Jahr vorgesehen.

Da es in der Gemeinde Brünst keinen Ortsnamen „Brünst“ gab, erfolgte 1965 die Umbenennung der Ortschaft Vorderbrünst in Brünst. Am 18. Oktober 1970 entschieden sich die Bürger/innen der Gemeinden Brünst, Dimpfl, Georgenberg, Neudorf und Waldkirch, sich zur Gemeinde Georgenberg zusammenzuschließen. Seit dem 1. Januar 1971 gehört Brünst zur Gemeinde Georgenberg. Letzter Bürgermeister war Johann Nickl.

1973 wurde der letzte Teil der früheren Gemeinde Brünst an die Wasserversorgungsanlage Georgenberg angeschlossen. Zum 1. Juli 1976 war die Auflösung der Gemeinde Reinhardsrieth mit der Eingliederung der Ortschaften Leßlohe, Bernlohe und Hagenhaus in die Gemeinde Georgenberg. Diese ist seit 1. Mai 1978 Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Pleystein. Bei der Dorferneuerung ging 1998 die vollständige Sanierung der Dorfkapelle über die Bühne. Dazu kam die Neugestaltung des Dorfplatzes. Ebenfalls ein Projekt der Dorferneuerung war 2011 die Neugestaltung des Kreuzungsbereichs Lösselmühle einschließlich Dorfplatz. Im Übrigen wohnt in Lösselmühle und damit im Bereich der ehemaligen Gemeinde Brünst Bürgermeisterin Marina Hirnet.

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