12.05.2021 - 14:06 Uhr
GeorgenbergOberpfalz

Kuriosum in Georgenberg: Amphibienschutzzaun versperrt Einfahrt

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Wenn die Kröten im Frühjahr bei Georgenberg auf Wanderschaft gehen, dann erschwert ein Schutzzaun Familie Bäumler die Zufahrt zu ihrem Grundstück. Was hat es mit dieser seltsamen Situation auf sich?

Die kleine Gemeindestraße führt zum Haus von Familie Bäumler. Jedes Jahr im Frühjahr versperrt ein Amphibienschutzzaun die Zufahrt. In diesem Jahr kam noch eine Absperrbake dazu.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Das Waldgebiet rund um die Gemeinde Georgenberg ist artenreich. Hier fühlen sich Molche, Eidechsen und Frösche wohl. Damit das so bleib,t hat Rainer Folchmann (55) ein Auge auf die zum Teil bedrohten Tierarten. Der Naturschutz- und Landschaftswart des örtlichen OWV-Zweigvereins kümmerte sich unter anderem viele Jahre um die Amphibienschutzzäune entlang der Staatsstraßen rund um Georgenberg. Immerhin 700 Meter misst der längste Schutzzaun in Richtung Neuenhammer.

An der Strecke liegt auch die Zufahrt zum Grundstück von Familie Bäumler. Wenn die Kröten zwischen Ende Februar und April ihre Laichgewässer aufsuchen, versperrt ein Zaun die drei Meter breite Straße. Die Familienmitglieder müssen, wenn sie zum Haus wollen, die Eisenstäbe entfernen, die Plane zu Boden drücken und nach der Durchfahrt wieder aufrichten.

Seit fünf Jahren Provisorium

"Alles bisher kein Problem, wir haben uns mit der Situation längst arrangiert", sagt Benedikt Bäumler auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. "Seit vier bis fünf Jahren machen wir das schon so. Eigentlich sollte die Straße in Absprache mit Herrn Folchmann frei bleiben, aber scheinbar ist das technisch nicht machbar." Man kenne und unterstütze sich gegenseitig beim Amphibienschutz, sagt Bäumler, der gerade seinen Master in Forstwissenschaften macht.

Die Großfamilie betreibt Schafweidewirtschaft und eine Fischzucht. Nur unregelmäßig werde das Grundstück angefahren. Doch sei der Ab- und Aufbau des Schutzzauns vor allem für den Großvater beschwerlich. "Und in diesem Jahr stand plötzlich eine Warnbake da, die mit rund 50 Kilogramm schweren Betonsockeln gesichert ist", wundert sich Benedikt Bäumler.

Tausende Kröten wandern

Irritiert war die Familie zudem von einer Aussage Folchmanns in einem Onetz-Bericht. Bei einem Ortstermin Ende April mit Landratsamt und Staatlichen Bauamt (es ging um den Artenschutz im Zuge des geplanten Ausbaus der Staatsstraße nach Neuenhammer) hatte dieser sich über den "vernachlässigten" Schutzzaun an der Zufahrt geäußert und einen Zusammenhang mit dem Rückgang der Amphibienpopulation im dem Bereich gesehen. Das wollten Bäumlers nicht so stehenlassen und meldeten sich in der Redaktion. "Diese drei Meter sollen Grund für den heftigen Einbruch der Krötenpopulation sein? Die Aussagen sind nicht fundiert, schreibt Benedikt Bäumlers Onkel Matthias Bäumler.

Folchmann versichert auf Nachfrage, dass er mitnichten der Familie Bäumler "etwas Böses will", schließlich sei er froh über deren Unterstützung beim Tierschutz. Das werde er der Familie auch nochmal persönlich sagen. Den Zustand des Krötenschutzzauns, den die Straßenmeisterei Vohenstrauß jedes Jahr aufbaut, findet er trotzdem nicht optimal. Die Tiere könnten durchschlüpfen und würden überfahren. Als Naturschutzbeirat am Landratsamt habe er dies bereits der Unteren Naturschutzbehörde gemeldet. Doch unternommen wurde bislang nichts. Die kleine Straße sei ein Schwachpunkt. "Gerade hier kommen im Frühjahr über den Berg aus dem Staatswald Tausende Kröten." Folchmann könnte sich anstelle des Zauns auch eine Auffangrinne oder unterirdische Röhre am Fuß der Straße vorstellen. "Das ist eine Kostenfrage und kollidiert offenbar mit den Ausbauplänen. Ich habe noch nichts Konkretes vom Bauamt gehört, welche Maßnahmen zum Schutz der Amphibien unternommen werden."

Bringt Straßenausbau Lösung?

Auch Tobias Schwab vom Sachgebiet Umweltschutz im Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach kennt den Amphibienzaun bei Georgenberg. Eine kuriose Situation sei das, und einmalig. Aber die Beteiligten hätten sich wohl für die Dauer der Schutzvorrichtung darauf eingestellt. Gleichwohl liege auch dem Bauamt daran, für die Zukunft eine "sinnvolle Lösung zu finden".

"Wir wollen im Zuge des Straßenausbaus in jedem Fall eine Verbesserung erreichen." Es habe bereits mehrere Ortstermine gegeben. Noch stehe die spezielle artenschutzrechtliche Prüfung (saP) aus. Die Ergebnisse dürften bis zum Herbst vorliegen. "Dann muss die technische Machbarkeit geprüft werden", sagt Schwab. Der Straßenausbau komme frühestens 2022.

Und die ominöse Warnbake? "Die hat jedenfalls nicht das Bauamt aufgestellt", sagt Schwab und hakt bei der Straßenmeisterei Vohenstrauß nach. Die Lösung: Dort hatte man wohl Bedenken, dass doch einmal - vor allem nachts - Autofahrer den Amphibienzaun in der Zufahrt übersehen könnten. Die Mitarbeiter ließen erstmals deshalb beim Aufbau die drei Meter frei. Nach Hinweisen von Naturschutzwart Folchmann, dass das nicht sinnvoll sei und schon zu viele wandernde Kröten überfahren wurden, wurde der Zaun wieder geschlossen und zusätzlich eine Warnbake mit Blinklicht aufgestellt.

Bake und Zaun haben ihren Zweck erfüllt. Am vergangenen Freitag wurden sie abgebaut. Die Krötenwanderung ist beendet. Zumindest für dieses Jahr.

Georgenberg: Straßenbau und Krötenschutz

Georgenberg
Hintergrund:

Bedrohte Amphibienarten gefunden

  • Rund 1700 Tiere wurden im April 2021 im Gebiet zwischen "Mühle Gehenhammer" und der Staatsstraße 2396 Georgenberg nach Neuenhammer gezählt.
  • 353 weibliche und 954 männliche Kröten (darunter u.a. die stark gefährdete Kreuzkröte)
  • 371 Molche (u.a. Bergmolche, Teich- und Kammmolche; Arten, die zum Teil bereits auf der "Vorwarnliste" der bedrohten Arten stehen)
  • Im Jahr 2016 waren es noch 2840 Tiere.
  • Außerdem tummeln sich rund um Georgenberg verschiedene Eidechsenarten wie Zaun- und Waldeidechsen sowie der Grasfrosch (alle "Vorwarnliste").

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